01. März 2026
Usedom-Konferenz 2026: Der Freitag
Gestreifte Ente und null Grad Wassertemperatur
von Anna Fornfeist
Am Freitag, dem 16. Januar 2026, startete die neunte große Ostsee-Konferenz der Zeitschrift eigentümlich frei – was für ein Jahresauftakt! Auf dem kleinen Inselchen Usedom waren alle in Vorfreude auf endlich normale Gespräche mit Gleichgesinnten und lehrreiche Vorträge angereist. Und sie wurden – das kann ich vorwegnehmen – nicht enttäuscht.
Die Konferenz begann mit einem Sektempfang und erstem Plausch mit Bekannten und Persönlichkeiten, die viele sonst nur aus dem Netz kannten: Jasmin Kosubek oder Christian Schneider etwa. Und noch viele mehr. Die Internet-Gesichter mal live zu sehen, hat die Vorfreude auf die Vorträge noch verstärkt. Nach ein oder auch zwei Gläsern Sekt wurden wir allmählich in den Konferenzraum gerufen, in dem André F. Lichtschlag alle willkommen hieß. Was mir im Kopf geblieben ist, ist das Geschenk Lichtschlags an den Moderator des Events Carlos Gebauer – oder genauer: an dessen Frau, die ausnahmsweise nicht dabei sein konnte. Es war eine Bikini tragende Ente mit riesigen Badeschlappen. Gebauer war sich sicher, dass seine Frau sich über diese gestreifte Ente aus Holz riesig freuen wird. Ich als perfekt platzierte Beobachterin hatte dann das Vergnügen, die Figur eine ganze weitere Stunde in allen Einzelheiten vor mir analysieren zu können. Nun, danach wollte ich auf jeden Fall auch eine haben!
Nach der Einleitung durch Carlos Gebauer startete der erste Vortrag von Markus Krall. Der bot wie immer eine ausgeklügelte und pointierte Rhetorik, die mir nachhallend in den Ohren klang. Es folgte der Vortrag eines geheimen Konferenzredners mit beeindruckender philosophischer Expertise und schnell ein erstes Kaffeepäuschen, um darüber zu debattieren.
Oliver Gorus sprach in seiner Fachkompetenz über Marketing und Medien. Dabei nahm er nebenbei den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auseinander. Er sagte voraus, dass der ÖRR einzelne Personen diffamieren wird, um sich aus der Irrelevanz zu retten. Also: Dünnhäutigsein ist nicht mehr – ihr einziges Mittel, das Mobbing, überleben wir mit links. In der folgenden Diskussionsrunde der Redner mit Publikumsfragen wurde auch ein Ausblick auf die Zukunft der Meinungsfreiheit gewagt, die nicht besonders rosig durchschien. Die X-Zensur durch die EU lauert bereits uns auf. Ob sie dies schaffen? Wir werden es bald erfahren.
Beim Abendessen ging ich im Überschwang die schlechteste Wette der Welt ein. Wenn ich den Jungautoren-Wettbewerb gewinne, muss ich in die Ostsee springen. Und wenn nicht – naja, dann auch. Die Wette löste ich am Samstag bei null Grad Wassertemperatur ein.
Nach dem Festmahl folgte der offizielle Höhepunkt des Events. Unter Schirmherr Helge Pahl wurden der diesjährige Literaturpreis und die Julius-Faucher-Medaille für die Jungautoren verliehen. Natürlich waren alle ganz aufgeregt – mit dieser Ehrung und auch noch einer beachtlichen Menge Gold in Aussicht lagen die Nerven unter den vier anwesenden nominierten Jungautoren blank. Obwohl doch allein die Teilnahme an diesem wunderbaren Wochenende bereits der Hauptgewinn ist!
Der erste Platz des Literaturpreises ging an Andreas Zolotar, der Jungautorenpreis mitsamt der Julius-Faucher-Medaille an Bettina Lohr. Das war nun ein Grund zum Feiern!
Um diesen ersten Tag der Konferenz gebührend abzuschließen, folgte das gemeinsame Zelebrieren und Anstoßen in der Bar. Im großartigen 90er-Jahre-Booth-Style mit lila-roten Vorhängen und vielen Spiegelwänden wartete eine große Cocktailkarte auf uns, die mit anti-sozialistischen und anti-etatistischen Namen durchaus schmackhaft klangen. In gemeinsamer Runde hatten alle genug Zeit, sich kennenzulernen und die freiheitliche Bewegung voranzubringen. Begleitet von Whiskey-Tasting und Tanzeinlagen war dies ein einprägsamer erster Abend der Konferenz. Mir wird er noch lange in Erinnerung bleiben.
Information
Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 27. Februar erscheinenden März/April-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 260.
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