26. Februar 2026

RezensionRainer Zitelmann: Weltraumkapitalismus

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Rainer Zitelmanns neuestes Buch ist kein wissenschaftliches Werk, sondern ein allgemein verständliches Sachbuch. Die ersten Kapitel bieten gut lesbare historische Abrisse der staatlichen Raumfahrtprogramme der USA, etwa Apollo als politisches Projekt und das Space Shuttle mit seinem schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnis, sowie der überaus erfolgreichen privaten Raumfahrt von Elon Musk. Auch die Entwicklung der Goddard-Triebwerke wird dargestellt, die zur Grundlage militärischer Raketen wurden und deren Patente später entschädigt werden mussten. Im vierten Kapitel vergleicht der Autor das staatliche SLS-Programm mit Musks Starship und zeigt, wie es Musk trotz überzogener staatlicher Auflagen gelang, die Kosten drastisch zu senken. Anschließend wird die mögliche Kolonisierung des Mars diskutiert. Zitelmann argumentiert, dass eine Marsgesellschaft zwangsläufig pragmatisch und eher minimalstaatlich organisiert sein müsse. Kritiker werfen dem Konzept Rassismus vor oder fordern, der Kapitalismus dürfe nach der Zerstörung der Erde nicht auch noch den Mars vereinnahmen. Weitere Kapitel befassen sich mit der Nutzung des Weltraums durch Bergbau, Tourismus sowie bestehenden Anwendungen wie Telekommunikation und Navigation. Besonders einprägsam ist die Idee einer Tankstelle im All. Ein eigenes Kapitel widmet sich der chinesischen Raumfahrt. Zum Schluss diskutiert Zitelmann die rechtliche Lage, insbesondere den Weltraumvertrag von 1967. Er zeigt die unterschiedlichen Auslegungen auf und argumentiert, dass der Vertrag im Geist des Kalten Krieges entstand und nicht für eine privatwirtschaftliche Nutzung gedacht war. Seine zentrale These lautet, dass ohne Privateigentum weder eine Marskolonisierung noch die wirtschaftliche Nutzung von Asteroiden möglich sein wird. Die Frage, wie sich zukünftige Marsbewohner zu irdischen Verträgen verhalten würden, bleibt bewusst provokant offen. Die Science-Fiction-Serie „Babylon fünf“ erweist sich dabei als überraschend aktuell. Eine klare Leseempfehlung!


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Dossier: ef 260

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Autor

Ronald K. Haffner

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