24. Februar 2026

RezensionStefan Blankertz: Fragliche Herrschaft

Ein Streifzug durch die Geschichte der Philosophie

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In diesem Buch unternimmt der Autor einen Streifzug durch die Philosophie unter der Leitfrage nach ihrem Verhältnis zur Herrschaft. Die 34 vorgestellten Denk- und Glaubensschulen liefern reichlich Stoff zum Nach- und Neudenken, um eigene freiheitliche Überzeugungen so fundiert und so scharf wie möglich zu gestalten. Wir lernen Xi Kang kennen, der sich der Herrschaft mit äußerster Konsequenz verweigerte und dafür den Tod in Kauf nahm. Damit führte er das daoistische Prinzip der „Macht qua Nichtmacht“ zur Vollendung. Laozi, der Begründer des Daoismus, galt Murray Rothbard übrigens als erster libertärer Philosoph. Kontrastierend wird der Weg vom Legalismus über den Konfuzianismus bis zu den spontan regelbasierten Gräueln des Maoismus nachgezeichnet. Heidegger behandelt Blankertz nur widerwillig: Man solle ihn verachten, aber für das Verständnis des Denkens des vergangenen Jahrhunderts kennen. Die Auswahl ist westlich, männlich und stark deutsch geprägt: Hegel, Kant, Rousseau, de La Boétie, Buddha, Augustinus oder Platon seien exemplarisch genannt. Als einzige Frau wird Ayn Rand vorgestellt. Von vielen Libertären verehrt, kreisten ihre Ideen letztlich um vier As. Die notorische Atheistin war überzeugt, dass die Philosophie mit Aristoteles, Thomas von Aquin und Ayn Rand auserzählt sei. Marx und von Mises werden nebeneinandergestellt, da sie sich in ihrer Herrschaftskritik näher waren, als gemeinhin angenommen. Was Ludwig von Mises umging, liefert Stefan Blankertz mit: die Sichtung der anarchistischen Grundlagendenker Proudhon und Stirner. Ein zweiter roter Faden ist der Widerspruch zwischen Vernunft und Glauben, exemplarisch beleuchtet am Leben und Werk Avicennas. Mit diesem ebenso wert- wie geschmackvollen Destillat erweist sich der Autor erneut als philosophisches Schwergewicht. Seine Schlussfolgerung ist logisch: Philosophieren ist widerständig – oder sinnlos. Kronzeuge dafür ist Sokrates, dessen Tod diese These eindrücklich bestätigt.


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Dossier: ef 259

Autor

Martin Zanke

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