20. Oktober 2020

RezensionMonika Maron: Artur Lanz

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Es ist ein kein sonderlich umfangreiches Buch, das Monika Maron mit „Artur Lanz“ vorlegt, reichlich 200 Seiten im großzügigen Layout, dennoch hat ihr neuer Roman dem Leser mehr zu sagen als manch großvolumiger Band im 600-Seiten-Format. Die Autorin hält der Gesellschaft den Spiegel vor, was auf wenig Gegenliebe bei den Haltungs-Rezensenten des Feuilletons stößt. Bestimmte Entwicklungen sollte man besser nicht thematisieren, wenn man das Wohlwollen des kulturellen Establishments nicht verspielen will. Doch genau das tut Monika Maron auch vor dem Hintergrund ihrer DDR-Erfahrungen. Dabei geht es nicht nur um die „postheroische Gesellschaft“, in der Heldentum nicht nur verpönt, sondern inzwischen auch irgendwie „Nazi“ ist. Zutreffend lässt sie einen der Protagonisten aussprechen, dass es wenig hilft, friedfertig und tolerant zu sein, wenn der Feind es nicht ist. Dann bleibt dem Feigling, denn nichts anderes ist der postheroische Weltbürger, letztlich nur die Unterwerfung. Natürlich ist „Artur Lanz“ eine fiktive Geschichte, aber kennen wir sie nicht alle, die Penelopes und Franziskas, die auf der grün-feministischen Welle reitend jeden Widerspruch und sogar jeden Anflug von Rationalität verdammen. Und leider kennen wir auch das Duckmäusertum einer Mehrheit, die lieber die Realität verleugnet, als in den Ruch zu geraten, konservativ oder gar „rechts“ zu sein. Monika Marons Verdienst ist es, die Analogien zwischen den Verhältnissen in der ehemaligen DDR und einigen aktuellen Entwicklungen aufzuzeigen, und derer sind inzwischen nicht wenige. So ähnelt die geschilderte mediale Empörung über Äußerungen eines Mitglieds der „Rechtspartei“ fatal den damaligen Kampagnen gegen Abweichler, die das Geschäft des „Klassenfeindes“ bedienen. Als Fazit bleibt ein lesenswertes Buch in gewohnt souveräner Sprache mit interessanten Protagonisten, das den Finger auf die Wunde legt. Und nein, einen Literaturpreis wird Maron dafür nicht bekommen, nicht in diesem Land und in dieser Zeit. 


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