24. September 2020

Buchbeitrag Europa 2030 Bargeldabschaffung: Meilenstein auf dem Weg zum totalen Staat

Roman und Realität

von Andreas Tögel

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Bildquelle: Diego Schtutman / Shutterstock.com Querdenker unerwünscht: Gelingt uns die Flucht aus der Box?

An dystopischen Phantasien und daraus resultierenden Romanen und Filmen besteht seit vielen Jahrzehnten kein Mangel: „Schöne Neue Welt“ (Aldous Huxley, 1932), „1984“ (George Orwell, 1949), „Matrix“ (Brüder Wachowski, 2000) und die groteske Filmkomödie „Idiocracy“ (Mike Judge, 2006) stellen nur eine kleine Auswahl dar.

Orwells in sinnfälliger Weise im Jahr 1984 mit John Hurt in der Hauptrolle verfilmter Roman „1984“ ist der wohl berühmteste und zugleich einer der bedrückendsten Vertreter dieses Genres. Was die Realität Europas im Jahre 2030 angeht, unterscheidet die sich von Orwells Romanvorlage hauptsächlich durch die technischen Möglichkeiten, die der mächtigen Zentralbürokratie der Union und den zu subalternen Ausführungsorganen verkommenen Provinzregierungen der mittlerweile aufgelösten Nationalstaaten zur Verfügung stehen. Von denen hatte der prominente Autor zu seiner Zeit naturgemäß noch keine Vorstellung.

Spätestens seit dem Vertrag von Maastricht beschreitet die einst freiheitlich verfasste Alte Welt den Weg in den bürokratischen Totalitarismus mit immer größerer Entschlossenheit und mit immer höherer Geschwindigkeit. Diese Entwicklung war und ist, wie uns die arroganten Politoligarchen nicht müde wurden zu erklären, stets „alternativlos“.

Die Möglichkeiten der modernen Elektronik geben der aus geist- und seelenlosen Technokraten gebildeten Nomenklatura des Zentralstaates eine Machtfülle, von der die großen Diktatoren der Weltgeschichte nicht einmal zu träumen gewagt hatten. Jede verfügbare Technik wird zur Überwachung, Kontrolle und Lenkung der inzwischen weitestgehend entmündigten, geknechteten und gepeinigten Bürger genutzt. Das Privatrecht wurde faktisch längst abgeschafft. Es ist mittlerweile auch überflüssig geworden. Denn das Credo der 68er-Bewegung, wonach alles Persönliche politisch sei, hat sich seit einigen Jahren vollständig durchgesetzt. Heute gibt es im Leben der Insassen des europäiden Superstaates nichts mehr, das sich dem allsehenden Auge und der harten Hand des Leviathans entziehen kann. Selbst in den kleinsten Dörfern wurden inzwischen flächendeckend elektronische Überwachungsanlagen installiert, die, in Verbindung mit einer hochentwickelten Gesichtserkennungssoftware, jede Bewegung jedes Bürgers, der sich in ihrem Gesichtsbereich bewegt, dokumentieren. Der mit allerlei Sirenengesang (wie dem von einer „erhöhten Sicherheit im Fall eines Unfalles“) durchgesetzte obligate Einbau aktiver Ortungssysteme in alle Fahrzeuge erlaubt es, in Verbindung mit der zentralen Erfassung aller Reisebewegungen in öffentlichen Verkehrsmitteln, jeden Schritt der Untertanen lückenlos zu kontrollieren. Nicht überwachte Rückzugsgebiete existieren – wie es auch in Orwells Romanvorlage der Fall war – nur noch in wenigen entlegenen Regionen des Imperiums, etwa in Wäldern und auf den Bergen.

Nichts Neues unter der Sonne

Wie schon unter der Fuchtel der Nationalsozialisten, der SED, der KPdSU oder in jedem anderen totalitären System wurde die Justiz Eurolands zum hocheffizienten Werkzeug der Politik umgebaut. Die Gewaltenteilung – so es sie in der gelebten Praxis jemals gab – ist Geschichte. Zum Wohl der Bürokratie wurden alle seit der Aufklärung erzielten Errungenschaften wieder aufgegeben. Jede Form von politischer Opposition ist inzwischen rigoros kriminalisiert. Selbstverständlich ist – den leuchtenden Vorbildern Großbritanniens und Nordkoreas folgend – der private Waffenbesitz ausnahmslos verboten und steht unter drakonischen Strafdrohungen. Der Leviathan wacht eifersüchtig über sein Machtmonopol. Notwehr gilt als Selbstjustiz und wird entsprechend streng bestraft. Denken „outside the box“ ist verpönt. Kants Wahlspruch „Sapere aude!“ hat ausgedient. Der einflussreiche Vormärzpolitiker Metternich und sein nicht minder reaktionärer Polizeichef Sedlnitzky hätten mit der Europäischen Union des Jahres 2030 viel Freude gehabt.

Die Anfänge der fatalen Fehlentwicklung reichen zumindest bis in die Zeit der Entstehung einer ernsthaften regimekritischen Opposition in Deutschland ab 2015 zurück. Damals ließen die regierenden Blockparteien gegen eine rasch an Boden gewinnende politische Alternative nicht nur gewalttätige linksextreme Chaoten von der Leine, die unter der euphemistischen Bezeichnung „Antifa“ agierten, sondern auch eine ihr willfährige Justiz. Denn seit ihrem erfolgreichen Marsch durch die Institutionen haben die 68er-Kulturmarxisten nicht nur die Medienszene, sondern auch das Rechtswesen unangefochten unter ihrer Kontrolle.

Auch alle privaten Gesundheitseinrichtungen wurden, dem schwedischen Vorbild folgend, verstaatlicht, da den herrschenden Egalitaristen eine Zweiklassenmedizin inakzeptabel erscheint. Die nunmehr in staatlicher Hand befindliche Medizin leistet seither ihren Beitrag für die Stabilität der besten aller Regierungen: Dissidenten, denen die korrupte Justiz trotz heißen Bemühens keiner Verbrechen überführen kann, werden nunmehr prompt der Fürsorge der Psychiatrie überantwortet, wo sie ebenso rasch wie zuverlässig von ihrer staatsgefährdenden Paranoia querulans geheilt werden. Die 40 Jahre zuvor kollabierte Sowjetunion hatte dafür die Blaupause geliefert.

All das entbehrt innerhalb des repressiven Systems der EUdSSR nicht seiner inneren Logik, denn wer sich zu dieser besten aller bekannten Welten kritisch äußert, muss entweder kriminell oder verrückt sein.

Sozialisten sind nur bedingt lernfähig

Natürlich haben die Europa beherrschenden Sozialisten in allen Parteien, unter welchem Label auch immer sie firmieren, aus den von ihnen in der Vergangenheit begangenen Fehlern ihre Lehren gezogen. Eine Verstaatlichung der Produktionsmittel, wie von ihren allesamt gescheiterten orthodoxen Vorgänger von Lenin bis Mao praktiziert wurde, streben sie jetzt nicht mehr an. Es verhält sich vielmehr so, wie weiland unter den Nationalsozialisten, als zwar das Eigentum an den Betrieben formal nicht angetastet wurde, aber die Eigentümer praktisch entmündigt waren, weil man ihnen jedes Recht nahm, autonom über Art und Umfang ihrer Produktion, die Preise ihrer Produkte oder über die zu zahlenden Löhne zu bestimmen. All diese Entscheidungen liegen nun in den Händen der sich allwissend dünkenden Brüsseler Zentralbürokratie.

Verbindliche Quoten für Frauen, Schwule, Transgenderpersonen, Behinderte, Rothaarige, Afrikaner, Radfahrer und Kurzsichtige regeln die Belegschaftszusammensetzung. Bürokraten, die nie im Leben einen Betrieb von innen gesehen – geschweige denn jemals einen geführt oder gar gegründet haben – und die niemals wertschöpfend tätig waren, diktieren den zu ohnmächtigen Befehlsempfängern degradierten Unternehmern alle betriebsrelevanten Entscheidungen. In Europa herrscht eine zentrale Planwirtschaft von Brüssels Gnaden. Entsprechend sieht der Output aus, der seit einigen Jahren kontinuierlich sinkt, was zu immer härteren Verteilungskämpfen und wachsenden sozialen Unruhen führt. Die auf der Hand liegende und bereits tausendfach empirisch bestätigte Erkenntnis, dass staatlicher Wirtschaftsinterventionismus stets üble Folgen hat, wird von der politischen Führung ignoriert. Doch die Folgen dieser Ignoranz – die lassen sich nicht ignorieren.

Vorbei sind die Zeiten, da Wissenschaft dem Erkenntnisgewinn diente und um ihrer selbst betrieben wurde. Nie zuvor hat sie sich weiter von ihrem einstigen Credo einer ergebnisoffenen Forschung entfernt; Jetzt ist auch sie ungeniert, wie zuvor schon die holde Kunst, der Kulturbetrieb und die Massemedien, zur Hure der Macht verkommen. „Wes’ Brot ich ess’, des’ Lied ich sing.“ Dieses schäbige Motto gilt im Wissenschaftsbetrieb spätestens seit der Jahrtausendwende nicht mehr nur für Sozial und Geisteswissenschaften, sondern auch für die Naturwissenschaften und die Technik. Was den Zielen des Superstaats nicht dient, hat keinen Platz an steuerfinanzierten Universitäten und Hochschulen. Ob Klima-Alarmismus, Gendergaga, Umverteilungsexzesse im Sinne der „sozialen Gerechtigkeit“ oder Anti-Atomkraft-Religion – stets finden sich Gelehrte, die sich als willfährige Apologeten für noch so haarsträubende Regierungsprojekte hergeben.

Buchempfehlung: „2030 – Wie wir in 10 Jahren leben“


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