22. September 2020

Mediale Kommunikation Unsere Sprachverwirrung

Wie uns „unsere“ Journalisten „aufklären“

von Kurt Kowalsky

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Bildquelle: lunewind / Shutterstock.com „Funk“-Medien: Hinterlassen manch Fragezeichen

Eben erklärte ein „Funk“(GEZ) -YouTouber, dass Extremisten „unsere“ Demokratie beseitigen möchten. Die sprachanalytische Wende des 20. Jahrhunderts in der Philosophie ist an den Profiteuren des zwangsweise finanzierten Staatsrundfunks und seinen Ablegern wohl vorbeigegangen.

„Unser“ ist das Possessivpronomen von „wir“. Dies steht für mehrere Personen, zu denen die eigene gehört, also für einen Kreis von Menschen, in den die eigene Person eingeschlossen ist.

Der GEZ-Volksaufklärer ist sich mit der Masse seiner Zuschauer also wohl darin einig, dass sie gemeinsam so etwas wie eine Demokratie ihr Eigen nennen, somit die Staatsform des Demokratismus keine Herrschaftsform wäre, die sich selbst legitimiert und in keiner freiwilligen kooperativen Beziehung zu den im Staatsgebiet lebenden Bürgern steht.

Dies gilt sogar für die Beamten und öffentlichen Bediensteten. Sie dienen sich wohl dem Staat freiwillig an, sind jedoch außerhalb ihres Dienstverhältnisses ebenfalls Opfer der politischen Willkür.

Aber vielleicht sehen die Eigner und Schwätzer dieser Demokratie das auch alles richtig. Gerade jetzt, in den bedrohten Zeiten, wo „unser Tierarzt“ sich auf die Modellrechnung des Imperial College in London mit weltweit 40 Millionen Covid-19-Tote stützte und 1,1 Millionen Intensivpatienten allein für Deutschland prognostizierte, mussten wir „unsere“ Polizei aufrüsten. Und wie waren wir doch froh und glücklich, als man uns verboten hatte, uns gegenseitig ins Gesicht zu spucken.

Und jetzt, wo wir alle befürchten, dass uns die dritte Welle ausrottet, weil die erste und zweite Welle ausgeblieben sind, wird es höchste Zeit, dass „unsere Journalisten“ endlich mal Statistikprofessoren über Statistik aufklären.

Vor „meinem Discounter“ steht ab und an „mein Penner“. Eigentlich könnten wir „uns“ mal waschen, doch irgendwie reicht „uns“ das Geld nicht. Wenn er mich nochmals anspricht, ob ich etwas Geld hätte, antworte ich mal zur Probe „Wir müssen ‚unser Geld‘ zusammenhalten“ und stecke die Münzen wieder in die Tasche.


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