27. Juni 2020

RezensionPeter J. Preusse: Das sogenannte Gute

Zur Verwirrung um Ethik und Moral

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„Wenige nur dürften die hier vorgestellten Gedanken ganz verstehen.“ So beginnt der Autor, von Hause aus Zahnarzt, sein Werk. In der Tat: Als ich das Buch zuklappte, fragte ich mich zum ersten Mal, ob ich wirklich ein geeigneter Rezensent bin. Der Anspruch des Autors: eine ethische Begründung der Theorie des Eigentums. Unterteilt in Einleitung, Symptomatik, Systematik und Ausblick entwickelt Peter J. Preusse seinen eigenen Begriff der Ethik als wissenschaftlich-rationale Lehre vom positiven Guten. Er stellt drei materielle Axiome als Prämissen auf, definiert dann allgemein das Eigentum und weist nach, dass die Merkmale auch auf das Selbsteigentum anwendbar sind. „Legitimes Eigentum lässt sich also prinzipiell immer entlang einer Kette einvernehmlicher und damit konfliktfreier Übertragungen durch Tausch, Schenkung und Neuaneignung bis zur primären Aneignung zurückverfolgen.“ Aber ist das auch auf das intuitiv unstrittige Selbsteigentum anwendbar? Nach des Autors Meinung Ja, da der Mensch seinen Körper zielgerichtet gebrauchen, verändern und kontrollieren kann und dies weder veräußerbar sei noch von jemand anderem ausgeübt werden könne. Die Grenzen des Eigentums sieht Preusse im geistigen Eigentum, was es nicht geben könne, „da eine Idee, ein Rezept oder geistiges Werk genutzt werden kann, ohne dadurch die faktische Nutzung des originalen Schöpfers zu behindern“. Alle Befürworter von geistigen Rechten sollten sich die Seiten 87 bis 89 ansehen. Vieles blieb für mich leider unverständlich. Ursächlich dafür waren sicher auch die häufige Verwendung von Latein, die gefühlt unendliche Zahl von Fremdwörtern, die ich nachschlagen musste, sowie die Anlehnung an die Philosophen Schopenhauer und Bastiat. Die Gedanken erscheinen plausibel und schlüssig, prüfen konnte ich das nicht. Das aber gehört zu einem guten Buch dazu: komplizierte Sachverhalte verständlich darzustellen. Mindestens diesem Anspruch genügt das Werk leider nicht.


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Dossier: Literatur

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Ronald K. Haffner

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