24. Mai 2020

RezensionFrank W. Haubold: Dämonenstadt

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Die DDR alleine ist für viele eine staatsgewordene Horrorgeschichte. Frank Haubolds neuer Roman verwebt die realen Schrecken des übermächtigen Staatsapparats mit übernatürlichem Horror aus blutigen Splatterfilmen. Ein verdächtiger Todesfall führt den Autor Markus Blau in die Stadt zurück, in der er seine Jugend unter den wachsamen Augen der DDR verbracht hat. Dort trifft er den ehemaligen Volkspolizisten Walter Hombach, dessen Instinkte eine Verbindung zu einem jahrzehntealten Fall spüren. Schnell verbrüdern sie sich, um einer geheimnisvollen Mordserie auf die Spur zu kommen, die sie bis in die Offiziersränge der Stasi führt. Beide Ermittler erhalten Besuch von übernatürlichen Wesen und erkennen, dass sie hier nicht mehr nur mit menschlichen Verbrechen konfrontiert werden. Aus Furcht, vom jeweils anderen für verrückt erklärt zu werden, verschweigen sie jedoch ihre Begegnungen mit der Geisterwelt voreinander, was für ironische Komik sorgt. Haubold schreibt eine fesselnde Geschichte, in der insbesondere die Langzeitfolgen der DDR auf ihre Einwohner und Staatsbediensteten zur Geltung kommen: So wird der pensionierte Polizist Hombach überzeugend als ständig misstrauischer und etwas starrsinniger Geheimniskrämer portraitiert, der aber auch zur Zeit des Überwachungsstaates stets im Glauben war, das Richtige zu tun. Ob der in Sachsen aufgewachsene Haubold in der Hauptfigur des Schriftstellers Markus Blau autobiographische Züge eingebaut hat, weiß wohl nur er selbst; seine Erotikabenteuer werden aber ebenso leidenschaftlich beschrieben wie die blutigen Gewalttaten der menschlichen und geisterhaften Verbrecher. In der zweiten Romanhälfte nehmen die übernatürlichen Elemente zu und kulminieren in einer gut eingefädelten Enthüllung, die jedoch einige Fragen offenlässt. Insgesamt ist „Dämonenstadt“ ein unterhaltsamer und packender Roman, wenn man sich auf die unorthodoxe Mischung aus DDR-Krimi, Mystery-Horror, Blut und Erotik einlassen kann. Prädikat „Nichts für schwache Nerven“!


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Tobias Albert

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