09. Mai 2020

RezensionBenjamin Kaiser: Kulturmarxismus

Eine Idee vergiftet die Welt

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Da ich mich recht gut mit Marxismus auskenne, vermutete ich keinen großen Erkenntnisgewinn und ging lustlos an das Werk heran. Weit gefehlt. Die Autoren haben in genialer Weise einen Überblick, eine Analyse und eine umfassende Geschichte zur Theorie und Praxis des Kulturmarxismus vorgelegt. Seine kleinste Funktionseinheit bildete nicht mehr der Arbeiter, sondern der politisch engagierte Student. Prägend war von Anfang an ein Gefühl der Gemeinschaft, resultierend aus dem kollektiven Traum, eine bessere Welt zu errichten. Des Autors These: Die Hoffnung, durch kollektive Anstrengungen eine schöne neue Welt zu errichten, ist die Grundlage des Kulturmarxismus. Eine Welt, in der alle Menschen in Liebe und Verständnis aufeinander zugehen, es keine Grenzen mehr gibt und alle Unterschiede aufgehoben sind. Dafür wird die Familie durch den Staat als soziales Sicherheitsnetz ersetzt und der Staat zu einer weichen Gesinnungsdiktatur umgebaut. Nicht Sachargumente zählen, sondern nur noch das gute Gefühl. Denn auf seine Gefühlsebene hat der Mensch nur geringen Einfluss. Ein Gefühl aber ist niemals politisch, sondern nur ein Instrument der konsumtechnischen und politischen Lenkung. Die Autoren sprechen daher auch vom „Konsumkommunismus“. Die Gegenthese aber gilt als Ketzerei: Der Mensch kann kein Paradies auf Erden errichten, denn die Leidhaftigkeit des Seins bleibt auch im besten politischen System bestehen. Der Ausblick ist dystopisch: Wir leben im real existierenden Kulturmarxismus. Er hat endgültig gesiegt. Denn die fehlgeleitete Sehnsucht des Menschen nach Erfüllung und Erlösung ist der treibende Motor hinter dem Kulturmarxismus, dem derzeit niemand etwas wirklich entgegenzusetzen hat. Ein Zurück wird es nicht geben, und es spricht vieles dafür, dass nach dem Kulturmarxismus der Islam in Europa die Herrschaft übernehmen wird. Das Ideal der südöstlichen Großfamilie würde dann die Gender- und Klimaideologie ablösen. Ein neues Standardwerk für jeden politisch Interessierten.


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Ronald K. Haffner

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