24. April 2020

Epidemien und Naturkatastrophen aus christlicher Sicht Strafen Gottes?

Vertrauen und persönliche Umkehr sind gefragt

von Felix Honekamp

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Bildquelle: Renata Sedmakova / Shutterstock.com Unser Handeln wird Konsequenzen haben: Jüngstes Gericht

Nein, das ist hier nicht schon wieder ein Corona-Beitrag. Zwar sind wir mit diesem Virus und seinen medizinischen, politischen und vor allem gesellschaftlichen Konsequenzen noch lange nicht durch, aber hier soll es mal nicht um dieses leidige Thema gehen… allerdings um eines, das in der aktuellen Situation immer mal wieder aufgewärmt wird: Ist ein Virus, eine Krankheit, ein Sturm oder eine andere Naturkatastrophe eine Strafe Gottes?

Gerechtigkeit und Barmherzigkeit

Es gibt in der Bibel ja durchaus Strafen Gottes… gerade zu Ostern haben wir vom Auszug der Israeliten aus Ägypten gelesen, und man kann nicht sagen, dass Gott da besonders zimperlich mit dem Pharao und seinem Volk umgegangen wäre. Sodom und Gomorra stehen ebenfalls für Beispiele des Zorns Gottes gegenüber seinen Kindern. Kann man nicht kleinreden, gab es – und selbst falls man die Historizität dieser Ereignisse in Frage stellt, kommt man nicht umhin, dass auch das Alte Testament zum Glaubensgut von uns Christen gehört. Aus dem können wir uns nicht steinbruchartig bedienen, nur um alles wegzulassen, was unserem Bild vom lieben Heiland nicht zuträglich sein sollte.

Gott kann also strafen… er hat gestraft, aber wir kommen auch nicht umhin, uns das Neue Testament zu Gemüte zu führen und dort zu lesen, wie Jesus den Menschen entgegenkommt. Und daraus und der gesamten kirchlichen Lehre zu folgern, dass Jesus die Sünden der Menschen mit aufs Kreuz genommen hat: Durch seine Wunden, das wissen wir schon aus Jesaja, sind wir geheilt. Jesus hat dabei nicht die Sünde abgeschafft, aber in einer Art göttlichen Didaktik den Gedanken der Gerechtigkeit um den der Barmherzigkeit ergänzt – die Barmherzigkeit sogar in den Vordergrund gestellt.

Krankheit und Tod sind keine „Erfindung“ Gottes

Ich weiß nicht, welche Bibel Sie lesen, aber in meiner kommt Jesus nicht als strafender Rächer vor. Ja, er wird wiederkommen, und dann geht‘s ins Gericht. Auch in dem wird Barmherzigkeit neben Gerechtigkeit vorhanden sein, aber dann werden unsere Handlungen Konsequenzen haben. Dagegen kann ich der Bibel nicht entnehmen, dass Gott uns aus dem Leben reißen will, um uns damit jede Chance der Besserung zu nehmen.

Dazu kommt noch, dass Krankheit und Tod eben nicht eine „Erfindung“ oder Strafe Gottes sind, sondern eine Konsequenz unserer Sünden. Gedacht war der Mensch im Paradies ohne Krankheit, ohne Mühe, ohne Leid, ohne Tod. Aber solange es die Sünde gibt, gibt es auch Krankheit und Tod. Wer wollte allerdings abstreiten, dass die Verteilung von Leid und Tod unserem Gerechtigkeitsempfinden teilweise fundamental widerspricht? Wieso erkranken und sterben Kinder, die sich noch kaum einer Sünde haben schuldig machen können, während Kriegsverbrecher gesund und munter alt werden?

Die alten Fragen

Zusammenfassend können wir also zwei Sachen feststellen: Erstens sind Krankheit und Tod aller theologischen Erkenntnis nach keine Strafen Gottes für konkretes Fehlverhalten einer Person. Und zweitens sind Krankheit und Tod wie viele andere Leiden für den menschlichen Geschmack ziemlich ungerecht verteilt. Wie passt das aber zusammen mit einem allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gott?

Offenbar kann Gott Leid verhindern, aber er tut es nicht immer (über das Mengengerüst müssen wir als Menschen schweigen, wissen wir doch nicht, wie viel Leid durch Gottes Eingreifen in die Geschichte tatsächlich verhindert wurde). Offenbar weiß Gott auch um das Leid, sonst wäre er nicht Gott. Und wenn Gott wirklich der Gute, die Liebe ist, dann ist ihm das Leid eines Menschen auch nicht egal. Mit anderen Worten lässt Gott Leid tatsächlich zu.

Warum?

Wenn Gott aber das Leid, am Ende das Böse zulässt, dann stellt sich die Frage: Warum? Unter welchen Bedingungen? Die fromme und wohl auch richtige Antwort darauf ist: Gott lässt Leid nur zu, wenn dadurch etwas Gutes hervorkommen kann. Gott schreibt auf krummen Linien gerade, und nur weil wir im Moment nicht wissen, was noch Gutes aus einem unermesslichen Leid entstehen könnte, heißt das nicht, dass Gott keinen Ausweg sieht.

Schwierig wird es, wenn man nach Konkretem sucht. Und nicht nur schwierig, sondern in aller Regel unchristlich in dem Sinne, dass mancher meint, er habe den Willen Gottes erkannt. Lässt Gott ein Leid zu, damit ein Mensch von seinem vielleicht gottlosen Weg umkehrt? Möglich wäre es, aber wer wollte behaupten, er könne das sicher sagen (man lese das Buch Hiob, um vom Gegenteil überzeugt zu werden)? Lässt Gott eine Naturkatastrophe zu, damit die Welt von ihrem gottlosen Treiben ablässt? Sind Epidemien am Ende zwar keine Strafe Gottes, aber von ihm „toleriert“ wegen der Zahl der weltweiten Abtreibungen, wegen der Gender-Mainstreaming-Umtriebe oder wegen der zunehmenden Ausplünderung der Schöpfung? Alles Thesen, die man in diesen Tagen hört, die alle eins gemeinsam haben: den Anspruch, den Plan Gottes zu kennen.

Vertrauen ist gefragt – und persönliche Umkehr

Die Wahrheit ist: Wir wissen nicht, warum Gott konkretes Leid zulässt. Als Christen vertrauen wir auf die Gerechtigkeit und die Barmherzigkeit Gottes, und auch im Leid dürfen wir vertrauen, dass Gott alles zu einem guten Ende führt. Aber wenn jemand sagt, eine Plage sei die Konsequenz eines Lasters, hat er auch nicht viel mehr begriffen als die Macher des unsäglichen Videos, in dem dem Coronavirus „in den Mund gelegt wird“, das Treiben der Menschen nicht mehr ertragen zu haben, oder die Sofaphilosophen wie der Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft, der meint, die Erde stemme sich gegen den Menschen.

Gott straft uns nicht, aber Gott lässt Leid zu. Über das Warum dürfen wir uns Gedanken machen, und wer für sich selbst die Konsequenz zieht, deshalb ein besserer Mensch werden zu wollen, der macht sicher nichts falsch. Wer die Schuld aber bei anderen sieht, die anderen verantwortlich macht für Naturkatastrophen und Epidemien, der macht sich selbst zu Gott. Viel Erfolg mit einer solchen Position beim Jüngsten Gericht!

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem „Papsttreuen Blog“.


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