07. April 2020

Corona und die Kirche Ostern fällt aus?

Eine pastorale Katastrophe und ein Armutszeugnis

von Felix Honekamp

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Bildquelle: shutterstock Müssen überlegen, wie sie dieses Jahr die Auferstehung Jesu feiern: Familien

Erst kürzlich hörte ich im Youtube-Kanal eines amerikanischen Priesters den Hinweis, dass wir Gläubigen und auch die einfachen Priester in der Corona-Krise den Luxus genössen, kritisieren zu können, ohne Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen zu müssen. Er ging damit auf die Entscheidung der allermeisten Bischöfe ein, Messen und Gottesdienste in ihren Gemeinden analog zur geltenden Rechtslage auszusetzen. Ich bin durchaus geneigt, diesen Hinweis mit ins Kalkül zu ziehen bei der Bewertung der aktuellen Lage… entschuldigen tut dieser Umstand im Grunde aber nichts.

Ostern auf der Couch

Seit der weitgehenden Einstellung pastoraler Arbeit von Person zu Person gibt es durchaus positive Ansätze wie eine Flut von Youtube-Messen oder auch Newsletter der Gemeinden. Sakramental betrachtet ist das alles natürlich kein Ersatz, aber der Gläubige selbst, der eben keine Messe besuchen kann, hat damit immerhin einen gewissen spirituellen Ausgleich. Schon damals aber, als man den Kalender der Restriktionen vorgelegt hatte und immer wieder der 20. April als Bewertungsfrist für neue Entscheidungen genannt wurde, haben viele, wie auch ich, bemerkt: Das ist nach Ostern!

Was ist zu Ostern? Was ist mit der Feier des Triduums? Kein Gründonnerstag? Kein Wachen beim Herrn? Keine Karfreitagsliturgie zur Todesstunde? Die Grabesruhe haben wir quasi inklusive zu den Restriktionen, aber dann: Keine Osternacht? Kein Entzünden der Kerzen? Keine Lesungen, kein Gloria… keine Eucharistie? Wem wollen wir erzählen „Er ist auferstanden! Er ist wahrhaft auferstanden!“? Feiern wir die Auferstehung des Herrn über Leben und Tod aus Angst in unseren Häusern auf der Couch vor einem Bildschirm? Ostern nur noch für Hasen und bunte Eier?

Vernunft und Ideen

Ich kann mir nicht helfen, es scheint mir nicht richtig, es scheint mir kleingläubig, es atmet den Geist der Angst statt des Vertrauens. Ich möchte damit nicht einer Sorglosigkeit das Wort reden, die dem Ernst der Situation, wie sie sich derzeit noch darstellt, nicht gerecht wird. Aber fällt uns als Gläubigen wirklich gar nichts anderes ein als die Antwort der Welt? Wir bleiben zu Hause und ziehen die Decke über den Kopf, bis der Sturm vorüber ist?

Natürlich sind Vernunft und Vorsicht angesagt. Ich mag aber nicht glauben, dass in den bischöflichen Verwaltungen niemand eine Idee zwischen „alles normal zu Ostern“ und „Ostern fällt faktisch aus“ hat.

Ostern anders statt gar nicht

Wie wäre es denn zum Beispiel in der Osternacht mit etwas verkürzten Liturgien (man muss ja nicht immer alle alttestamentarischen Lesungen in voller Länge durchführen), die dann mehrfach (bei einbrechender Dunkelheit, zwei in der Nacht, eine im Morgengrauen) gefeiert werden? Das würde die Zahl der Messebesucher entzerren, womit man einen ausreichenden Sicherheitsabstand gewährleisten kann. Mit ins Kalkül ziehen darf man dabei auch, dass es sich bei den Messebesuchern dann auch vielfach um Familien handelt, die durchaus zusammensitzen dürfen, also braucht man für 100 Gläubige keine 150 Meter Sitzbreite (Sie verstehen, was ich meine…).

Ähnliches kann man sich auch für die anderen Feiern vorstellen (und tun wir mal nicht so, als ob die Karfreitagsliturgie in unseren Kirchen immer überlaufen gewesen wäre), so dass man tatsächlich zu einer würdigen Feier der Heiligen Drei Tage kommen könnte, ohne alle Vorsicht und hygienische Rücksicht über Bord zu werfen. Das wären andere Feiern, vielleicht nicht so bombastisch, aber angesichts der Weltlage doch auch adäquat und ein Zeichen von Hoffnung, die uns doch als Christen auch auszeichnen sollte.

Hirten

Dazu bräuchte es aber natürlich den gesellschaftlichen und politischen Widerspruch der Bischöfe, die sich dem politischen Diktum, Gottesdienste seien keine Grundversorgung, bislang gefügt haben. Seitens der Deutschen Bischofskonferenz macht man sich im Vorfeld des Osterfestes den eigenen Pressemeldungen nach aber mehr Gedanken über die Formulierung einer passenden zusätzlichen Karfreitagsfürbitte (von wem auch immer die dann gebetet werden und wer auch immer auf das „Beuget die Knie! – Erhebet Euch!“ reagieren soll).

Auch wenn ich die Formulierung einer speziellen Fürbitte durchaus verstehe: Ist das nicht eine völlig verweltlichte Sicht auf die Dinge?

Das Vertrauen bricht sich Bahn

Vielleicht werde ich ja noch eines Besseren belehrt und die Bistümer haben noch tolle Ideen im Köcher. Da die aber sicher auch eine mindestens kurze Zeit der Vorbereitung benötigen, bin ich da eher skeptisch. Damit lassen die Hirten die Gläubigen (nebenbei auch die Gemeindepriester, die das alles an vorderster Front abfangen müssen) wieder mal alleine, die sich nun überlegen müssen, wie sie denn das Leiden, den Tod und die Auferstehung des Herrn Jesus Christus zu Hause und in der Familie würdig feiern.

Das ist es auch, was mich positiv stimmt: Der Glaube, das Feiern der Auferstehung Jesu, das Vertrauen in den Herrn über Billiarden von Sternen, es wird sich Bahn brechen. Aber die Frage, wozu es in Deutschland eigentlich einen Organisationsapparat der Deutschen Bischofskonferenz gibt, sollten wir anschließend nebenbei nicht vergessen.

Mehr als Corona

Tatsächlich, ich muss solche Entscheidungen nicht treffen und muss dafür auch keine Verantwortung tragen. Ich kann den „Luxus genießen“, Kritik zu üben und Vorschläge zu machen, ohne dass ich mir die Konsequenzen am Ende zurechnen lassen müsste. Aber wenn diejenigen, die diesen Luxus nicht haben, wenigstens ein offenes Ohr hätten, dann würden sie vielleicht feststellen, dass die Gläubigen in diesem Land weit mehr umtreibt als nur die – zugegeben dramatische – Situation rund um die Corona-Pandemie.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem „Papsttreuen Blog“.


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