29. März 2020

RezensionRoger Scruton: Von der Idee, konservativ zu sein

Eine Anleitung für Gegenwart und Zukunft

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Konservatismus ist als Idee oftmals schwierig in Worte zu fassen. Allzu häufig bleiben Definitionsversuche bei rein wirtschaftlichen Aspekten hängen. Sir Roger Scruton, Philosoph und trotz eines regelrechten Anschlags auf seine Reputation durch den Journalisten George Eaton bis zu seinem Tod im Januar 2020 Berater der britischen Regierung, sieht den Konservatismus in einem anderen Licht. Geprägt durch seine philosophische Forschung beschreibt Scruton den Konservatismus als Fähigkeit, das Schöne in der Welt zu erkennen, und als Wunsch, es zu bewahren. Er sei „das Gefühl, dass das, was gut ist, leicht zu zerstören, aber nur schwer zu erschaffen ist“. In dieser Perspektive ist der Staat nicht mehr nur der Gesellschaftsvertrag zwischen den Lebenden, sondern auch als Verantwortung für die Errungenschaften der Toten und als Verpflichtung gegenüber den Ungeborenen zu verstehen. Und die Einsicht, das Schöne und Besondere als solches zu erkennen und zu bewahren, ist für Scruton der fundamentale Unterschied, der den Konservatismus vom zweckorientierten ökonomischen Liberalismus wie auch von der egalitaristisch relativierenden Linken trennt. Sein 2014 im Original erschienenes Buch ist aber kein Loblied auf den Konservatismus, sondern eine Reise durch verschiedene Weltanschauungen, denen Scruton jeweils einen wahren Kern attestiert. So begegnet er unter anderem Nationalismus und Liberalismus, aber auch Multikulturalismus und Sozialismus mit einer respektvollen Analyse. Zudem untersucht Scruton die typisch konservativen Werte – Religion, Familie, Arbeitsmoral und andere – auf ihre Relevanz und ihre Gefährdungen in der heutigen Welt, betont dabei aber immer wieder auch die Muße als sinnstiftende Größe im Leben. Ohne Verbitterung über den von ihm häufig kritisierten Zeitgeist gelingt Scruton ein philosophisch wie ideengeschichtlich ansprechendes Portrait des Konservatismus. Schon aufgrund der hohen Informationsdichte der einzelnen Teilessays ein überaus empfehlenswertes Buch.


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Tobias Albert

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