17. Dezember 2019

RezensionWolfgang Effenberger: Europas Verhängnis 14/18

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Zugegeben, ich war skeptisch. Noch ein Buch, nein, sogar drei Bücher, über die Ursachen des Ersten Weltkriegs? Was sollen denn für neue Erkenntnisse dargestellt werden? Ich wurde eines Besseren belehrt. Die etwas übertrieben als „drei Bände“ betitelten Büchlein mit je circa 100 Seiten aus dem Zeitgeist-Verlag sind auch als Urlaubslektüre geeignet. Man muss sie auch nicht in der Reihenfolge des Erscheinens lesen. Aber ja, es ist eindeutig Sekundärliteratur. Der Autor hat eine Menge, vor allem englischsprachige, Literatur ausgewertet und zusammengefasst. Exemplarisch zu nennen sind: Arthur Ponsonby, Jim Macgregor und Gerry Docherty, John Cafferky, Lord Maurice Hankey, Walter Millis und nicht zu vergessen John Robert Seeley (der in seinem Werk „Die Ausbreitung Englands“ sehr erhellend darstellte, wie das Britische Empire sein Wachstum durch die Kolonialisierung und Ausbeutung fremder Länder finanzierte). In gut lesbarem Stil illustriert und analysiert Effenberger die Vorkriegsjahre, die zum Krieg führten (Band 1 und 2). Es wird deutlich, dass die deutsche Regierung in jede außenpolitische Falle getappt ist, die ihr gestellt wurde, und vor allem der deutsche Kaiser einem grandiosen Irrtum erlag, als er meinte, dass von England keine Gefahr drohe, da er der Lieblingsenkel von Königin Victoria war und Frankreich für den Erzfeind Englands hielt. Effenberger gelingt es auch, den Ersten Weltkrieg in den Gesamtzusammenhang der Geopolitik einzuweben, so dass deutlich wird, dass er kein singuläres Ereignis war, sondern einer zwingendenden Logik seit dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) folgte. Die staatlichen Institutionen wurden zum Spielball informeller Gruppen. Band drei schließlich beleuchtet die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg: Friedensschluss, Revolution, Münchner Räterepublik, Spartakusaufstand, Versailler Vertrag. Wer sich also nicht durch die 900 Seiten von Christopher Clark oder die beiden Wälzer von Docherty und Macgregor kämpfen möchte, dem seien die Büchlein empfohlen.


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Dossier: Literatur

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Ronald K. Haffner

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