19. November 2019

RezensionDavid Berger: Thomas von Aquin

Leuchtturm des Abendlandes

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David Berger ist, spätestens seitdem er 2017 den Blog „Philosophia Perennis“ begann, ein bekanntes Mitglied des deutschen „Intellectual Dark Web“. In seinem analogen Leben setzt er sich als Theologe insbesondere mit dem Gelehrten Thomas von Aquin auseinander. Sein Buch führt nicht nur zu Bergers eigenen Wurzeln, sondern er verspricht, auch die Wurzeln des Abendlandes in der Lehre des Aquinaten wiederzufinden. Zunächst stellt Berger die wichtigsten Lebensstationen von Thomas von Aquin dar, der 1224 geboren wurde und bis zu seinem Tod 1274 zu einem der größten Denker seiner Zeit avancierte. Auf die großen Biographien über den „Doctor Angelicus“ gestützt, zeichnet Berger lebhaft die verschiedenen Lehrstationen des heiligen Thomas nach. Zudem gelingt ihm ein unterhaltsamer Einblick in die Universitätswelt des 13. Jahrhunderts, in der Thomas zu einem der größten Theologen aufstieg. Im zweiten Teil des Buchs befasst sich Berger mit der Lehre des Thomas, insbesondere mit seinem Hauptwerk „Summa theologica“. In Thomas‘ Lehre steht Gott als Ursprung der Welt und als Ziel aller Menschen im Mittelpunkt, im erfrischenden Gegensatz zur heutigen, am Menschen orientierten Theologie analog zur im Individualismus zersplitterten Gesellschaft. Berger gelingt ein interessanter Einblick in Thomas‘ Gedankenwelt, bei der die kritische Distanz aber erhalten bleibt. Das in der Einführung mit Verweis auf den Schriftsteller Michel Houellebecq implizierte Versprechen, mit einem auf Thomas basierenden Christentum dem Abendland aus seiner gegenwärtigen Krise zu helfen, kann Bergers Buch in seiner Kürze nur bedingt einlösen. Als Einführung in die Theologie Thomas von Aquins und die Geisteswelt des 13. Jahrhunderts ist es aber vollends zu empfehlen. Negativ fallen leider einige Tippfehler und deplatzierte Absätze auf, die wohl dem Lektor anzulasten sind. Für am Christentum vor seiner Versklavung durch den politischen Zeitgeist interessierte Leser ist das Buch aber äußerst erhellend. 


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Tobias Albert

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