01. Oktober 2019

Spülmaschinen im Test Energiesparspülen im Qualitätsfernsehen

Für die Krankheit Verhältnisblödsinn gibt es hervorragende Psychiater

von Kurt Kowalsky

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Möglichkeit zur Reparatur: „Problem Spülmaschine“

In einem Beitrag des deutschen Zwangsfernsehens ging es um Spülmaschinen.

Nein, man hat keine auch nur annähernd repräsentative Stichprobe gezogen, noch hat man die Maschinen einem Test, im Sinne eines methodischen Versuchs, unterzogen, sondern man personalisierte das „Problem Spülmaschine“, als hätte der Hinz die Bundeskanzlerin erschlagen wollen und ihn der Kunz (die dumme Sau) davon abgehalten.

So drangen also die angeblichen Berichterstatter in die Wohnung einer dreiköpfigen Familie ein und wurden auf die uralte Spülmaschine aufmerksam gemacht. Das Ding hatte nach 20 Jahren einen kleinen mechanischen Defekt und spülte in der Folge nur noch im „Intensiv-Modus“ richtig sauber.

Mit Hilfe eines Experten wurde der Stromverbrauch des alten Gerätes errechnet. Dieser war nun in Relation zu der eingesparten Zeit, die man mit dem Abwasch sonst benötigt, lachhaft gering. Da dies nicht sein durfte, multiplizierte man die Kosten und kam auf 286 Euro im Jahr.

„Zweihundertsechsundachtzig Euro“, die Stimme des Sprechers überschlug sich fast. „286 Euro“, schüttelte der Hausherr entsetzt seinen Energiesparschädel, und seine Tochter bekam den Mund nicht mehr zu.

Mit Kind und Kegel, wahrscheinlich zwei Beleuchtern, einem Kameramann, einem Tontechniker und der Moderatorin machte man sich alsbald auf, ein neues Gerät auszuwählen. Zur Wahl standen eine Maschine unter 700 Euro und eine über 1.000 von Miele.

Die erste wirkliche Information war dann die, dass die Energieeffizienzangaben stets nur für den Eco-Spülgang gelten. Und als man die Maschinen dann mit allerlei Zinnober einem Vergleichstest mit einem 300-Euro-Modell aus China unterzog, kam man nach 40 Minuten Sendezeit zu folgendem Ergebnis:

Erstens: Das Geschirr wird im Öko-Spülgang nicht sauber. Dafür bilden sich aber in der Maschine Keime und Ablagerungen – auch solche, die man nicht sieht.

Zweitens: Nur das teure Gerät spülte mit durchweg zufriedenstellendem Ergebnis.

Drittens: Die Energieeinsparung lag im Jahr unter 20 Euro.

„Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer“, hätte es am Schluss heißen müssen, „für das Geld, das wir für das Drehen dieses aufgesetzten Empörungsblödsinns verschwendeten, hätte eine dreiköpfige Familie 50 Jahre oder mehr mit ihrer alten Spülmaschine spülen können. Und dann gibt es bei Spülmaschinen guter Qualität noch die Möglichkeit zur Reparatur, geht nach 20 Jahren mal etwas kaputt. So wie es für die Krankheit Verhältnisblödsinn hervorragende Psychiater gibt.“

Aber auf einen solchen Abspann könnte man lange warten.

– Ende –

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Mediales

Mehr von Kurt Kowalsky

Über Kurt Kowalsky

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige