30. September 2019

Satire Darum sind Saarländer so erfolgreich

Korrelation mit der Anzahl von Blitzeinschlägen

von Holger Finn

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Elektrisierte Atmosphäre: Saarland

Es ist ein Bundesland, nicht größer als eine kleine Großstadt, 50 mal 50 Kilometer im Umriss, mit einem Ministerpräsidenten, dessen Namen sie nicht einmal im benachbarten Kaiserslautern auswendig können. „Großes entsteht immer im Kleinen“ hat sich das verlorene Häuflein der Saarländer trotzig zum Wahlspruch erkoren – und siehe da, seit Annegret Kramp-Karrenbauer an die Spitze der CDU rückte, beherrscht eine Phalanx aus Saarländern die Spitze des Staates. Neben der kommenden Kanzlerin sind da auch noch Peter Altmaier und Heiko Maas, die als Vertreter der nur knapp eine Million Saarländer neben derzeit zwei Verfassungsrichtern einen dominanten Einfluss auf die Bundespolitik ausüben.

Der Vergleich mit der Quote für die 15 Millionen Ostdeutschen zeigt den Unterschied besonders deutlich: 15 Mal mehr Menschen stellen fünfmal weniger Entscheidungsträger der höchsten Ebene. Woran aber liegt das? Wie kommt es, dass das kleinste Bundesland traditionell Kaderschmiede für die deutsche Schicksalsschmiede war und Spitzenpolitiker wie Erich Honecker, Oskar Lafontaine und Ottmar Schreiner schickte, die dem Leben der Deutschen auf unterschiedliche Weise ihren Stempel aufdrückten? Während bestimmte andere Bundesländer seit Jahr und Tag mühsam mitregiert werden müssen und nicht einmal kapitalgroße und ehrgeizige Entwicklungspläne der deutschen Sozialdemokratie es vermögen, „die soziale Einheit zu vollenden“ (SPD-Ostprogramm)?

Der Migrationsbiologe und Klimabewegungsforscher Heiko Hassknecht, Professor für Ökonomie und Kulturgeschichte an der Hochschule Vividrina im ostdeutschen Guben, hat in den vergangenen Jahren Ursachenforschung betrieben und Erstaunliches zutage gefördert: Danach besteht eine direkte Korrelation der Vertretungsbreite von Saarländern mit der bundesweiten Verteilung der Anzahl von Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer. „Hier wie in der Repräsentanz in der Bundespolitik liegt das Saarland an der Spitze aller deutschen Regionen“, beschreibt Hassknecht, der zuletzt mit fundamentaler Grundlagenforschung am Tabu des Klimawandelbeitrags von Hunden und Katzen rührte und öffentlich machte, dass die kleinen Klimakiller etwa eine Milliarde Tonnen des Klimagiftes Kohlendioxid pro Jahr zu verantworten haben.

Die unter dem Titel „The correlation between lightning strike and representation in German federal politics“ jetzt im Wissenschaftsmagazin „Real Science Nature“ veröffentlichte Grundsatzstudie, die Hassknecht gemeinsam mit einem Team unter der Leitung des Medienforschers Hans Achtelbuscher vom An-Institut für Angewandte Entropie der Bundeskulturstiftung erarbeitet hat, räumt nun auf mit dem Urglauben an die gottgegebene besondere Mission der Saarländer, die eine „Saarlandisierung“ der gesamten Republik („Der Spiegel“) zu einer Art natürlicher Folge der Auslese der Besten der Besten der Besten macht.

Dies sei keineswegs der Fall, ist Heiko Hassknecht überzeugt. Vielmehr seien die Grundvoraussetzungen, mit denen Saarländer und normale Deutsche bis hin zu gebürtigen Sachsen und Dunkeldeutschen aus anderen Gebieten an der Straße der Gewalt in politische Karrieren starteten, nahezu gleich. „Im Fall der Saarländer finden wir dann aber auf der Suche nach differenzierenden Einflusspotentialen die übermäßig erhöhte Elektrisierung der Atmosphäre an der Saar.“ Im Vergleich zu abgehängten Ländern wie Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin liege die Zahl der einschlagenden Blitze im Saarland etwa doppelt so hoch, im Vergleich zu Schleswig-Holstein und Mecklenburg sogar drei- bis sechsmal höher.

„Wir gehen davon aus, dass der daraus resultierende Energieeintrag den Musculus politicus stimuliert“, beschreibt Hassknecht die bisherigen Forschungsergebnisse. Saarländer seien während ihrer Kindheit und Jugend etwa doppelt so häufig einer doppelt so hohen Belastung durch Funkenentladungen und kurzzeitigen Lichtbögen zwischen Wolken oder zwischen Wolken und der Erde ausgesetzt.

Pro Jahr gehen mehr als 5.000 Blitze auf die überschaubaren 2.500 Quadratkilometer Saarland nieder – die Stromstärke einer einzigen Hauptentladung beträgt dabei im Durchschnitt etwa 20.000 Ampere, jedes einzelne Mal umhüllt ein starkes Magnetfeld den eigentlichen Blitzkanal. Die Kombination aus Strom und Magnetfeld bewirkt eine Kompression des leitfähigen Plasmakanals (Pinch-Effekt), der einen Durchmesser von nur wenigen Zentimetern besitzt, offenbar aber bis in Politikergehirne wirkt. „Hier sehen wir die Ursache des rätselhaften Phänomens, das der britische ,Economist‘ als ‚the Saarlandization of German Politics‘ beschreibt“, analysiert der Forscher.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Demographie

Mehr von Holger Finn

Über Holger Finn

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige