13. September 2019

RezensionWerner Plumpe: Das kalte Herz

Kapitalismus: die Geschichte einer andauernden Revolution

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Der Autor weist nach, dass im Kern des Kapitalismus markt- und preisvermittelte Transaktionen von Wirtschaftseinheiten stehen, die auf eigene Rechnung und daher in begrenztem Maße stets Kosten-Nutzen-rational handeln. Plumpe spricht dabei von einem Zusammenspiel von Variation, Selektion und Restabilisierung, was im Kern auf das evolutionäre Paradigma nach Charles Darwin zurückgeht. Aber ja, hier schlägt das „kalte Herz“ des Kapitalismus: „Nicht die moralische oder ästhetische Bedeutung einer Handlung“ ist „ausschlaggebend für ihren materiellen Erfolg, sondern allein der Nutzen, der sich in der Höhe des Preises und der entsprechenden Nachfrage artikuliert“. Hier erkennt der Autor auch die Krux aller Kapitalismuskritik. Niemand hat den Kapitalismus begründet, und er hat daher auch kein „Zentrum“. Gerade das Fehlen eines Zentrums schlägt sich in der hohen Dynamik dieses Arrangements und der „Unkaputtbarkeit“ nieder. Aus dem evolutionären Paradigma ergibt sich zwangsläufig die Schlussfolgerung, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass der Kapitalismus nicht am Ende ist, wie Öko-Sozialisten hoffen, sondern sich stetig materiell erneuern wird, und dass es daher unberechenbar bleibt, was seine konkrete Gestalt betrifft. Kritisch ist zu sehen, dass Plumpe zwar erkennt, dass das Privateigentum und die Möglichkeit evolutionärer Prozesse durch Versuch und Irrtum Voraussetzungen für den Kapitalismus sind. Er erkennt auch, dass die stark wachsenden Summen am Geld- und Finanzmarkt nicht dem Kapitalismus zuzurechnen sind, sondern dem Staat, da dieser die Sanktionsmöglichkeiten der Märkte blockiert. Gleichwohl bleibt er jedoch dabei, dass auch der Staat notwendiger Teil des Kapitalismus sein müsse, da dieser mit seinen Institutionen die „Restabilisierung“ übernehme. Aufgrund der ansonsten fehlerfreien Analyse lasse ich dieses Manko durchgehen. Ein großartiges Buch, das Hoffnung macht, obgleich die Lektüre einiges an Fleiß und Disziplin erfordert.


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Ronald K. Haffner

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