29. August 2019

Reaktionen des westdeutschen Establishments auf die Erfolge der AfD in Ostdeutschland Was sollen bloß die Nachbarn sagen?

In welcher Welt leben die?

von Maximilian Kneller

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Bildquelle: shutterstock Wollen einfach nicht hören: Dumme Ossis

Im Vorfeld der Wahlen in Ostdeutschland werden die Begründungen des Establishments, wieso man bloß nicht AfD wählen sollte, immer abenteuerlicher. Da der dumme Ossi aber auch einfach nicht hören will, muss man zu immer härteren Methoden greifen. Das linkspaternalistische Gerede, das ausgerechnet aus linksökologischen failed states wie Berlin, Nordrhein-Westfalen oder Bremen zu vernehmen ist, entlarvt aber vor allem seine Redner, und zwar als provinzielle Kleingeister, die ihre beschränkte Sicht auf die Welt gerne jedem aufzwingen möchten, vor allem aber den ja so blöden Ossis. Zwar geben die Statistiken Auskunft darüber, dass sich mit Sachsen und Thüringen zwei „dunkeldeutsche“ Staaten in den Top Drei des Bildungsmonitors befinden, aber seit wann beachten Linke Statistiken, die nicht aus den hauseigenen Stiftungen kommen und deshalb das „richtige“ Ergebnis haben?

Was die Ossis für das linksgrüne Establishment zum Hauptgegner macht, ist nicht die vermeintlich fehlende Bildung der Ostdeutschen. Es ist ebenfalls nicht irgendeine Form des Sich-abgehängt-Fühlens, wie es sich solche Neo-Besserwessis gerne argumentativ zurechtschustern, um sogleich einen Blumenstrauß an Sozialgeschenken bereitzuhalten, die dieses vermeintliche Problem vermeintlich lösen. Es ist vor allem die Tatsache, dass man in der ehemaligen DDR das Drehbuch eben jenen Staates noch kennt und staatlichen Autoritäten deshalb mit einer gesunden Skepsis gegenübertritt. Zudem ist die soziale Verwurzelung der etablierten Parteien bei 30 Jahren, in denen es sie dort gibt, einfach nicht so hoch wie im Westen. Nicht nur die AfD feierte bei den sächsischen Kommunalwahlen große Erfolge, auch Bürgerbündnisse und Freie Wähler haben regelmäßig starke Ergebnisse errungen. Die frohe Kunde der freiwilligen Landnahme, des totalen Ausverkaufs unseres Bildungs‑, Sozial- und Rechtswesens, der gendergerechten Verschwendung von Steuermitteln und der sozialökologischen Deindustrialisierung will der Pöbel einfach nicht so brav schlucken wie in Westdeutschland.

Das alles wäre ja noch hinzunehmen, man kennt Linke kaum anders als borniert. Linke, die nicht borniert waren, sind heute nicht mehr links. Da sie jedoch im Westen seit 1968 und nicht seit 1990 den Marsch durch die Institutionen antraten, kontrollieren sie bis heute Kunst, Kultur, öffentliche wie die meisten privaten Medien, auch die privaten Medien der SPD, und ziehen einen langen Rattenschwanz an Opportunisten und Wohlmeinenden hinter sich her. Hierbei handelt es sich um die eigentlich Dummen: In keinem anderen Land der Erde wäre eine Staatschefin, die innerhalb einer Legislaturperiode zwei Millionen Menschen aus völlig fremden Kulturkreisen illegal ins Land holt, die in weitesten Teilen nicht mal eine Bleibeperspektive haben, wiedergewählt worden. Bis heute sind wir mit dieser Politik der Geisterfahrer in Europa und der Welt. Kein anderes Land hat sich bereit erklärt, eine nennenswerte Zahl der Asylbewerber bei sich aufzunehmen. Andere links oder zentristisch regierte Staaten loben zumindest auf internationalem Parkett brav die tolle humanitäre Leistung, zwei Millionen junge Männer von ihren Familien wegzulocken, damit sie für sie hier Sozialhilfe kassieren können, daran beteiligen wollen sie sich aber meistens lieber nicht. Die osteuropäischen Staaten, die sich überhaupt nur in der EU befinden, weil es sonst nicht die großzügigen Fördermittel gäbe, sowieso nicht.

Wieso dieser Einschub? Ganz einfach: Das deutsche Establishment hat eine neue Masche, nachdem der alljährliche Aufruf der immer gleichen SPD-eigenen deutschen D-Promis um Iris Berben, wahlweise Martin Schulz, kryptisch „Zusammenhalt“ oder eben SPD zu wählen, mal wieder nicht verfing. Diese Leute glauben in ihrer ganzen Provinzialität ja nicht nur, die alleinige Wahrheit gepachtet zu haben, sondern auch, dass alle Welt ihre ideologisch motivierte Perspektive teilt. Die Wahl der AfD in Sachsen und Brandenburg würde dem Ansehen Deutschlands in der Welt schaden, heißt es. Dass in Deutschland eine rechte Partei erstarken würde, wäre ein fatales Signal und so weiter. Wobei „rechts“ hier natürlich direkt zu „rechtsextrem“ und zu „nazi“ und damit zu „Drittes Reich“ geframt wird. Man muss nun nicht zum x-ten Male seit 2013 darlegen, dass die AfD, qua Programm, qua Wählerschaft, qua Mitglieder und im Gegensatz zur Linkspartei, in keiner totalitären Tradition steht, dies wird als bekannt vorausgesetzt. Jeder, der etwas anderes behauptet, dem fehlt es entweder an politischer Bildung oder er verfolgt politische Motive. Dennoch fragt man sich, in welcher Welt diese Leute eigentlich leben. Die Welt, in der diesseits und jenseits des EU-Matriarchats immer mehr rechte Parteien gewinnen und die Sozialdemokratie von Iris Berben ihrem ungebremsten Verfall entgegenblickt, kann es nicht sein. Es kann auch nicht die Welt sein, in der selbst Sozialdemokraten, wie beispielsweise in Dänemark oder Schweden, mittlerweile eine rechtsstaatliche Asyl- und Migrationspolitik fordern und damit sogar wieder Wahlerfolge erzielen. Vermutlich ist es auch nicht die Welt, in der unsere transatlantischen Bündnispartner mit Donald Trump einen konservativen Präsidenten gewählt haben, der 2020 nach aller Voraussicht wiedergewählt wird. Es kann auch nicht die Welt sein, in der die Briten für einen Brexit gestimmt haben und sich auch nach Jahren des Politiker-Hickhacks wieder genauso entscheiden würden. Doch welche Welt ist es dann?

Es ist die linkskleinbürgerlich-spießige Bis-zum-eigenen-Gartenzaun-Denke, die versucht, Weltpolitik zu machen. Es ist dieses piefige, elterliche „Was sollen bloß die Nachbarn sagen?“, das Linke eigentlich stets weit von sich schoben, angewandt auf die Ebene der internationalen Beziehungen. Was dabei fast ausnahmslos alle Nachbarn sagen, was nur leider nicht diesseits des mentalen Gartenzauns gehört wird, ist klar: „Holt euch noch ein paar Millionen Illegale ins Land, nur lasst uns in Ruhe“, „besteuert ruhig die Luft und verbietet die Autos, die wir dann fahren“, „zerhackt ruhig eure Schlüsselindustrien und vertreibt die klügsten Köpfe zu uns“. Und: „Zahlt uns ruhig weiter die EU-Entwicklungshilfe, aber nervt uns nicht mit eurem Moralkolonialismus.“ Kein Staat wird dagegen sagen: „Da ist ja eine Partei erfolgreich, die Dinge fordert, die bei uns und in jedem anderen Land völlig normal sind, das muss das Vierte Reich sein!“

Am meisten sind die Linken, wie üblich, über das Wesen des Menschen erzürnt, mit dem sie qua Weltanschauung immer auf Kriegsfuß standen und stehen. Je näher dies an den eigenen Gartenzaun heranrückt, desto stärker der gesinnungsethische Beißreflex.


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