21. August 2019

Alltäglicher Irrsinn an deutschen Hochschulen am Beispiel der Uni Potsdam „Die Lust am Nichtverstehen“

Mit dem Steuerzahler Schlitten fahren

von Michael Klein

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Bildquelle: ChameleonsEye / Shutterstock.com Wissenschaftler bei der Arbeit: Achterbahn auf Kosten des Steuerzahlers

Der Ablasshandel blüht wieder. An der Universität Potsdam. Wer sich verpflichtet, Anreisen unter 1.000 Kilometer zu Konferenzen oder ähnlicher wissenschaftlicher Betätigung nicht mehr per Flugzeug zu bestreiten, der bekommt an der Universität Potsdam ein Fleißkärtchen und darf sich in Zukunft als Klimawandel-Dschihadist fühlen, einer, der fast im Alleingang und mit einem Anteil von rund 0,0000000009 Prozent den Klimawandel verhindert hat. Wie alle Religionen, so lebt auch die Klimawandelreligion davon, dass die Gläubigen eher schlichte Gemüter sind, denen man Geschichten erzählen und Phantasien als Wirklichkeit ausgeben kann, und wie alle Religionen lebt die Klimawandelreligion davon, dass diejenigen, die ihr Glück im Schoß der Kirche finden, daraus ihren Selbstwert beziehen, denn offenkundig haben sie keine eigene Leistung, auf die sie stolz sein könnten. Das erklärt einen großen Teil des Anklangs, den die Klimawandelreligion unter Kindern und anderen Infantilen, zum Beispiel Politdarstellern findet.

Lesen Sie die E-Mail eines an der Universität Potsdam Beschäftigten, in der beschrieben wird, was an deutschen Hochschulen vorgeht: „Ich weiß nicht, ob Sarkasmus die passende Beschreibung für meine Haltung gegenüber deutschen Unis ist, eher eine Mischung aus Fassungslosigkeit, Verzweiflung und wachsendem Zynismus. Und eigentlich versuche ich, Berührungen mit offiziellen Verlautbarungen der Uni zu vermeiden. Aber gestern habe ich den Fehler gemacht, während ich in der Mikrowelle mein Mittagessen warm gemacht habe, doch in der Uni-eigenen Hochglanzbroschüre der Uni Potsdam (ich frage mich ja, wozu eine Uni für so etwas eigentlich Geld ausgeben soll und darf, aber das ist ein anderer Punkt) zu blättern. Und alleine drei Minuten Blättern reichen aus, um das ganze Elend der deutschen Unis zu illustrieren. Beispiel Nummer eins: Ein Artikel über einen Juniorprofessor der Uni Potsdam mit Namen Johannes Ungelenk (nein, ich erfinde das alles nicht), überschrieben mit ‚Vom Ungewissen berührt‘, Zwischenüberschrift ‚Die Lust am Nichtverstehen entdecken‘. Natürlich arbeitet der junge Herr auch noch über Judith Butler. Ganze acht Texte sind dabei herausgekommen, und soweit ich das gefunden habe, wird er zweimal zitiert. Das reicht in Deutschland für eine Professur (wenn auch aktuell ‚nur‘ Juniorprofessur, aber meistens werden die ja eh entfristet). Beispiel Nummer 2: Ein Artikel mit dem zauberhaften Titel ‚Von Odysseus‘ Reisebüro bis Aquaman‘ über die Arbeiten von Prof. Filippo Carlà-Uhink (immerhin laut Google Scholar 41 Arbeiten und 179 Zitate…). Ein Zitat aus dem Artikel: ‚Seit 2013 forscht er im mittlerweile zweiten DFG-Projekt ‚Key Concepts in Theme Park Studies‘ zu Darstellungen griechischer Kultur in Vergnügungsparks.‘ Seine Arbeit führte ihn schon zu folgenden Parks (unter anderen): Parc Asterix in Frankreich, Park Mt. Olympus in den USA, Happy Valley Beijing in China und E-DA Theme Park in Taiwan. Man kann offensichtlich heutzutage auf Kosten des Steuerzahlers in der Weltgeschichte rumreisen, um Achterbahn zu fahren…“

Da hat offensichtlich jemand herausgefunden, wie man mit Steuerzahlern Schlitten fährt.

So viel zum Stand der Wissenschaft an deutschen Universitäten im Jahr 2019.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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