21. August 2019

Finn Mayer-Kuckuk in der Parlamentszeitung des Bundestages über Rotchina als Erfolgsmodell Über die Verzückung der deutschen Sozialisten für den chinesischen National-Sozialismus

Auch Deutschland bleibt Untertanenland

von Roland Woldag

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Bildquelle: crbellette / Shutterstock.com Immer noch Mao Tse-tung (1893-1976) als Ikone: Rotchina

Am 12. August 2019 veröffentlicht die Parlamentszeitung des Bundestages einen Beitrag von Finn Mayer-Kuckuk mit dem Titel „Ein Land, eine Partei“. Staunend lesen wir: „Die Volksrepublik hat sich als erfolgreichster Einparteienstaat der Geschichte erwiesen. Über das Geheimnis des ersten sozialistischen Systems, das funktioniert.“ Das ist nicht ganz richtig. Auch der nationalsozialistische Einparteienstaat in Deutschland war vor dem Krieg sehr erfolgreich, so erfolgreich, dass er die gleiche irritierte Bewunderung im Ausland hervorrief wie heute China.

„Es ist den chinesischen Kommunisten gelungen, die Elemente des ursprünglichen Maoismus in eine einzigartige Ordnung umzuformen. Die Volksrepublik China ist im Ergebnis daserfolgreichste Einparteiensystem seit der Entwicklung moderner Staatsformen.“ Der Autor war bis Anfang 2018 freier Journalist in Peking. Welche Faszination für ihn von dieser Ordnung ausgeht! Reflektiert, kapiert oder gar antizipiert hat er aber nichts. Er verharrt in infantilem Staunen.

„Keiner im Land wagt Kritik an Präsident Xi Jinping, während im Ausland immer mehr Länder zu seiner Seidenstraßeninitiative überlaufen.“ Nun, dieses Phänomen kennen wir ja auch aus den 30er Jahren, handelt es sich bei China doch heute auch um einen national-sozialistischen Staat – den der Han-Chinesen. Die Tibeter, Kirgisen und die Falun-Gong-Praktizierenden wissen davon zu berichten, so sie denn noch leben.

„Von Anfang hatte die Partei das Sendungsbewusstsein, am besten zu wissen, was richtig für China ist.“ Das ist bei Sozialisten aller Farben immer und unter allen Umständen so: Die Partei hat immer recht!

„Denn die Partei ist in China der Ort der politischen Willensbildung.“ Und zwar alternativlos! „Sie hat es geschafft, die Marktwirtschaft zum Teil einer sozialistischen Ideologie zumachen.“ Das hat die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei auch getan, das war ja das „Geheimnis“ ihres Erfolges.

„Die von Karl Marx vorgesehene Abschaffung des Privateigentums ist auf unbestimmte Zeit verschoben.“ Verschoben ist nicht aufgehoben.

„Trotz aller Reformen halte die Partei ihre drei Machtsäulen fest im Griff: die Kader, die Propaganda und die Armee.“ Das wusste schon der Führer!

„Der Machtapparat ist damit eine sich selbst erhaltende Maschine. Auf der einen Seite wirkt er durch Repression. Auf der anderen Seite genießt die Partei das Vertrauen der Bürger: Die materiellen und organisatorischen Erfolge sind für jeden sichtbar. Sie bietet zudem klare Orientierung in einer komplexen Welt – und facht den Stolz auf die Nation an: ‚Auch wenn in China nächsten Sonntag Wahlen stattfänden, würde Xi mit einer klaren Mehrheit daraus hervorgehen‘, glaubt ein deutscher Diplomat in Peking.“ Einfache Diagnose beim Diplomaten, der Person Mayer-Kuckuk und den Chinesen: Stockholm-Syndrom.

„Gewaltenteilung fehlt in China völlig, sein System ist ebenso unmodern wie ein Feudalstaat.“ Mit diesem Satz endet der BeitragFinn Mayer-Kuckuks in der Parlamentszeitung des deutschen Bundestages. Keine weiteren Fragen oder Reflexionen beim kleinen Finn. Robert Habeck jedoch würde fortsetzen: „Das ist das Brückenbau-Beispiel von Ihnen, China: Da gibt es eben keine Opposition und keine Mitbestimmung, und wenn die Fehler machen, dann werden die trotzdem nicht abgewählt. Vielleicht gibt es mal eine Revolte in China, aber erst einmal ist das System effizienter. Wollen wir das, oder wollen wir das nicht? Und ich glaube, die Entscheidung kann man nicht ökonomisch treffen, die kannst du nur wertegeleitet treffen, und ich würde sagen, ja das wollen wir.“

Na, ich will das nicht, einen erfolgreichen Feudalstaat mit Leibeigenen unter der alternativlosen Kontrolle einer sozialistischen „Einheizpartei“… Ich habe in meiner Jugend allerdings nur die erfolglose Variante dieser sozialistischen Ordnung kennengelernt, meine Altvorderen hingegen die am Anfang erfolgreiche. China ist nicht der bisher langlebigste sozialistische Einparteienstaat, denn die sind alle im Elend untergegangen. Was China erfolgreich macht, ist die national-sozialistische Wirtschaftsführung, ein Lenkungssystem, das dem Gewinnstreben seiner Einwohner im Interesse der Machtentfaltung der Partei alle Hindernisse aus dem Weg räumt und bereit zur Expansion ist. Dieses national-sozialistische System fasziniert nun unsere Linken. Das wollen sie auch. Auch wenn „die von Karl Marx vorgesehene Abschaffung des Privateigentums auf unbestimmte Zeit verschoben ist“. Kann man ja nachholen, nachdem die Macht gesichert ist.

Ich weiß nicht, wie oft ich in China war, ich habe nicht mitgezählt. Oft verschlug es mich nach Shenzhen. Als ich das erste Mal in den Neunzigern dort war, gab es keine Privatfahrzeuge, nur Taxen der Marke VW Santana made in China, Farbe bordeauxrot, und Fahrräder. Bis dieser Fahrradpulk sich an einer Ampel in Bewegung gesetzt hatte, war für die wenigen Autos schon wieder rot. Heute gibt es keine Fahrräder mehr, dafür einen die Städte verstopfenden Privatfuhrpark von beeindruckender Qualität.

China hat sich und die Welt in Rekordzeit überholt. Eine Reise nach China scheint eine Reise in eine technisierte Zukunft zu sein, auf die ich gern verzichten würde. Das je nach Belieben national-sozialistische oder national-kommunistische China der Han-Chinesen ist mit aller gnadenlosen Brutalität auf gottlosen marxistischen Materialismus ausgerichtet. Jede Volksbewegung, die sich der Mäßigung, der Rückbesinnung auf das Menschsein und der inneren Einkehr neben dem Gelderwerb verschreibt, wie die Falun-Gong-Bewegung, wird mörderisch verfolgt, da die national-kommunistische Partei eine Macht- und Expansionsbremse in ihr entdeckt. Es ist von Hinrichtungswagen die Rede, in denen die Opponenten durch Organentnahme umgebracht werden. („Falun Gong, auch Falun Dafa, ist eine spirituelle chinesische Praktik. Sie kombiniert Meditation und Qigong-Übungen mit moralischen Grundsätzen basierend auf den drei Tugenden Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht. Die Praktik betont Moral und die Kultivierung dieser Tugenden.“ Bolschewikipedia.) Kurioserweise steht im Zentrum des Falun-Gong-Symbols eine linksdrehende Swastika.

Die Kommunistische Partei Chinas versucht mit aller Gewalt, China aus der militärischen und pekuniären Umklammerung durch das Anglo-Imperium zu befreien. Die Demütigung durch die Kolonialkriege (Opiumkriege) sitzt tief. Auch diese Verbitterung über den gekränkten Stolz und die Ehre der Nation ist eine Parallele zum sozialistischen Deutschland der 30er Jahre. Sozialistisches Deutschland der 30er Jahre? „Deutsche Sozialisten“ oder nur „Sozialisten“ sind Selbstbeschreibungen der Nazis aus ihren Selbstzeugnissen, wie beispielsweise die Endsiegpropagandabroschüre „Wofür kämpfen wir?“ von 1944 – ein erschütternder Quellentext des totalen sozialistischen Kollektivismus.

Ich habe mich in Rotchina nie wohl gefühlt. In den chinesischen Stadtstaaten Macau, Singapur und Hongkong und in Taiwan hingegen schon. Deshalb bin ich am Wochenende stets von Shenzhen nach Hongkong geflüchtet. Der Grenzübergang Shenzhen-Hongkong war für mich immer wie der Übertritt von einer gnadenlos gierigen, materialistischen in eine zivilisierte und beseelte Welt. Das spürte man sofort. In Shenzhen wird wirklich alles verkauft, es ist auch die Stadt mit der höchsten mir bekannten Nuttendichte. Wenn man beim abendlichen Spaziergang überall mit „kss, kss“ angezirpt wurde, dann waren das keine Zikaden. Verwirrend wirkt jedoch, dass meine rotchinesischen Kollegen oft diejenigen waren, die ich am meisten ins Herz geschlossen habe. Sie haben seelisch viel mit uns Deutschen gemein.

Das direkt an Shenzhen grenzende Hongkong hingegen ist für mich die schönste Metropole der Welt. Diese Meinung teile ich mit vielen Weltenbummlern. Daher beobachte ich mit großer Sorge, wie Rotchina der kantonesisch-europäischen Kultur Hongkongs nun mit Gewalt zu Leibe rückt. Aus strategischer Sicht des Brechens der angloimperialistischen Dominanz im Mare Nostrum der Chinesen ist es nachzuvollziehen, dass die USA mit ihren Kriegsschiffen kürzlich keinen Einlass in Hongkong fanden. Der Kulturverlust beim Fall Hongkongs wäre jedoch unerträglich. Dazu muss erwähnt werden, dass sich Rotchinesen und Hongkong-Chinesen schon sprachlich nicht verstehen. Kaum ein Festlandchinese spricht das Hongkonger Kantonesisch. Die Hongkong-Chinesen sind fast allesamt Rotchina-Flüchtlinge und deren Nachkommen. Die Aussicht, wieder von ihren kommunistischen Peinigern beherrscht zu werden, widert sie genauso an wie mich und alle anderen DDR-Gelittenen, wieder von Merkel, Stasi-Kahane und den Linken beherrscht zu werden. Wie die Deutschen neigen die Rotchinesen unter begünstigenden politischen Umständen zu mörderischen Exzessen wie der „Kulturrevolution“ und sind der Führung aufgrund ihrer tradierten Obrigkeitshörigkeit und Staatsversessenheit ausgeliefert. Auch in Deutschland zeigt sich gerade wieder, dass sämtliche Mechanismen zur Abwehr einer einzelnen alternativlosen Führerin und ihrer Helfer, die die Grundfesten der Gesellschaft zu vernichten trachten (die Rechtsordnung, das Staatsvolk und den Staat in seinen Grenzen), vollständig versagen. Auch Deutschland bleibt Untertanenland: Ein leichter totalitärer Hauch, und die Deutschen knicken ein, Mitläufer, Opportunisten, Denunzianten, Einfältige und Dümmere beherrschen das Feld in Parteien, Gewerkschaften und Kirchen. Diese historische Kontinuität ist einfach ekelhaft. Ich hatte in meinem Leben nur zwölf Jahre Rechtsschutz vor diesem widerlichen linken Gesindel, von 1989 bis 2001.

Die chinesischen Kommunisten haben die gesamte dreitausendjährige Kultur des letzten seit der Antike bestehenden Reiches abgeräumt und alle Fäden zur Vergangenheit zerrissen. Geblieben ist eine führbare Menschenherde, die erneut energisch mobilisiert wird, um die Ziele der Kommunistischen Partei zu erreichen. Mao prangt immer noch schamlos über dem Portal der „Verbotenen Stadt“. Alle, die den Faden zur chinesischen Tradition vor den Kommunisten wieder aufnehmen wollen, werden rücksichtslos verfolgt, wie Falun Gong. Diese Tendenzen sehen wir auch bei den Linken in Deutschland gegenüber den eigenen Konservativen, daher deren Begeisterung für die gegen die eigene Kultur gerichtete Radikalität im Rotchina von heute. Der gerade wieder bei den Linken herumgereichte Egon Krenz setzte bereits 1989 auf die „chinesische Lösung“ der Gewalt gegen das eigene Volk. Es ist nicht ausgemacht, ob die kommunistische Führung zur Mäßigung bereit ist, ich befürchte eher nicht, denn die Gnadenlosigkeit gegenüber allem Lebenden springt einen in Rotchina förmlich an.

Die Instinktlosigkeit des in der Zeitung des Bundestages erschienenen Artikels mahnt uns an die Kontinuitäten und Abgründe der sozialistischen deutschen Seele. Es wird einer entbehrungsreichen Anstrengung der Verteidiger einer freiheitlichen Rechtsgesellschaft bedürfen, die ewigen deutschen Sozialisten nachhaltig von Macht und Einfluss zu trennen und rechtsstaatlich einzuhegen sowie die gemäß Völkerrecht Schuldigen abzuurteilen, bevor es wieder einmal zu spät ist. Sezession ist der Weg.

„Das Parlament“: „Ein Land, eine Partei“


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