13. August 2019

Reaktionen auf die Amokläufe in El Paso und Dayton Mörderischer Hass

Die Gewaltspirale dreht sich weiter

von Katja Triebel

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Bildquelle: shutterstock Falscher Umgang: Hass

Die beiden Amokläufe in El Paso und Dayton (USA) erschütterten die Welt, die politischen Lager machen sich gegenseitig dafür verantwortlich, Hass zu säen, und die ganze Welt fordert schärfere Waffengesetze in den USA.

Doch etwas ist anders: Viele Medien bemühen sich, weder die Namen der Attentäter zu nennen noch Bilder von ihnen zu zeigen. Die öffentlichen Social-Media-Accounts der Attentäter wurden schnell deaktiviert. Die Medien beziehungsweise die staatlichen Behörden berichten, was in den Accounts grundsätzlich enthalten war, jedoch ohne wörtliche Zitate. Bekannte der Attentäter, die interviewt wurden, werden anonymisiert zitiert. Insgesamt ist die Berichterstattung bemüht, die Attentäter nicht zu glorifizieren – wie sie das in der Vergangenheit getan hatte –‍, sondern als Loser darzustellen.

Nur die Politiker reagieren wie immer

„Viele Demokraten reagierten, indem sie nach mehr Waffenkontrolle riefen oder indem sie Präsident Trump und andere auf der rechten Seite kritisierten, weil sie Anti-Immigranten-Bigotterie betrieben. Republikaner hingegen hatten einen breiteren Kreis von Reaktionen. Einige verurteilten die ‚White Supremacy‘ (Überlegenheit der Weißen). Einige forderten moderate Waffenkontrollmaßnahmen. Andere argumentierten, dass diejenigen, die Waffenkontrolle fordern oder die Schuld bei Trump suchen, es falsch verstehen. Und wieder andere versuchten, die Schuld woanders zu suchen – zum Beispiel bei gewalttätigen Videospielen.“ (Vox, 04.08.2019.)

Politischer Hass

Die „SZ“ schreibt über den „politischen Hass, der vor allem im Internet wütet, der die öffentliche Debatte vergiftet und die Gesellschaft tief spaltet“ und behauptet: „Ein Rechtsextremer mordet in Texas, ein Linksextremer mordet in Ohio. Und beide politischen Lager zeigen mit dem Finger aufeinander und fordern sich gegenseitig auf, doch endlich die Gewalttaten der eigenen Anhänger glaubwürdig zu verurteilen.“ („SZ“ vom 05.08.2019.)

Attentäter von Dayton ein Linksextremist?

In den sozialen Medien wird die Behauptung, der Attentäter von Dayton sei ein linker Antifa-Unterstützer gewesen, dementiert. Sowohl die „Washington Post“ als auch die „New York Times“, die beiden „führenden Zeitungen im linksliberalen Lager“ (O-Ton der „SZ“) wie auch CNN berichteten, dass der Attentäter von Dayton eine linksextreme Einstellung hatte. „Der 24-Jährige habe extrem linkslastige, gegen die Polizei gerichtete, mit der ‚Antifa‘ sympathisierende Beiträge weiterverbreitet, berichtete der Sender CNN am Dienstag. Nach Angaben der Ermittler hat sich der Todesschütze seit langem für gewaltsame Ideologien und Amokläufe interessiert. Einer in der ‚Washington Post‘ anonym zitierten Freundin zufolge hatte sich der Täter 2012 als Demokrat registriert und in seiner Schulzeit Republikaner massiv kritisiert. Der Account verbreitete außerdem Beiträge weiter, in denen die demokratischen Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders, 77, und Elizabeth Warren, 70, unterstützt wurden. Gleiches galt für Beiträge, die sich gegen die Mitarbeiter der Grenzschutzbehörde ICE (‚Im­mi­gra­tion and Customs En­for­ce­ment‘) richtet und diese als ‚Monster‘ bezeichnet.“ („Welt“ vom 07.08.2019.)

Doch die „Süddeutsche“ sieht das als nicht hinreichend an: „Nach allem, was man bisher über den Schützen von Dayton weiß, war er eher ein orientierungsloser junger Mann, der Probleme mit seinem Leben hatte, kein politischer Extremist. Zudem stand er, wenn man ihn ideologisch festlegen will, weit links. Das zumindest legt eine Analyse seiner Äußerungen bei Twitter nahe, wo er Sympathien für linksliberale Demokraten wie die Senatorin und Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren äußerte sowie für die linksradikale, gewaltbereite ‚Antifaschistische Aktion‘, kurz: ‚Antifa‘. Ob und wie diese Ansichten zu seiner Gewalttat beigetragen haben, ist aber offen.“ („SZ“ vom 05.08.2019.)

Attentäter von El Paso ein Rechtsextremist?

Der Attentäter von El Paso hat – wie der Attentäter von Christchurch – ein Manifest auf „8chan“ hinterlassen. Beide hatten ihre Opfer systematisch ausgesucht: Einwanderer. Beide waren jedoch auch „Öko-Terroristen“, die die Menschheit an sich – und insbesondere die kinderreichen Einwanderer – hassten und als Plage für die Erde bezeichneten. Das libertäre Magazin „Spiked“ aus Großbritannien hat dazu einen Artikel veröffentlicht (Link unten).

Mein Fazit

Seit zehn Jahren beschäftige ich mich mit Amokläufen und tödlichen Gewaltdelikten. Dabei habe ich Folgendes festgestellt: In der veröffentlichten Meinung ist ein Einheimischer/Westler, der absichtlich Einwanderer tötet, ein Rechtsextremer. In der veröffentlichten Meinung ist ein Linker, der absichtlich Menschen, die er hasst, tötet, ein psychisch kranker Mensch. In der veröffentlichten Meinung ist ein Einwanderer, der absichtlich Einheimische tötet, ein psychisch kranker Mensch. In der veröffentlichten Meinung wird bei einem Mann, der absichtlich Frauen und „Frauenversteher“ tötet, das Motiv nicht erwähnt, zudem ist er psychisch krank. In der veröffentlichten Meinung wiegen Morde mit Schusswaffen schwerer als solche mit Messern, Kraftfahrzeugen, Feuer, durch Vor-den-Zug-stoßen oder mit bloßen Händen. Linksorientierte Politiker greifen jeden Massenmord mit Schusswaffen auf, um ganz schnell eine Verschärfung im Waffenrecht durchzusetzen. Dabei ist es ihnen egal, dass sie den politischen Hass damit weiter schüren. Rechtsorientierte Politiker greifen jeden Mord an Einheimischen auf, um gegen Migration zu wettern. Dabei ist es ihnen egal, dass sie den politischen Hass damit weiter schüren.

Wir gehen mit dem Grundübel (Hass und Gewalt) nicht richtig um. Statt Hass – egal aus welcher Ecke – zu verteufeln, erhält dieser ein positives Label (im Kampf gegen X sind alle Mittel willkommen) oder ein negatives Label (alle anderen Gewaltdelikte), oder er wird komplett ignoriert beziehungsweise kleingeredet.

Damit dreht sich die Gewaltspirale weiter. Die, die sich im „richtigen Kampf“ wähnen, werden immer dreister. Die, die sich nicht verstanden sehen, werden immer wütender. NGOs, Promis und Politiker schüren diesen Hass zusätzlich mit Parolen und Kampagnen.

Aber vielleicht war das schon immer so, nur die Strippenzieher und Methoden haben sich geändert.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


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