14. Juni 2019

Eine Kindergeschichte, die typisch ist für unsere Zeit Wie linkes Denken die Jugend infiltriert

Kinder wollen in ihrer Schwäche akzeptiert werden, alle anderen sollen sich ändern

von Jörg Seidel

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Bildquelle: shutterstock Macht Kinder heute nicht mehr stark: Zauberer

Eine ungarische Deutschlehrerin gibt mir die Hausaufgabe eines Schülers der achten Klasse zum Kontrolllesen. Die Schüler sollten eine Phantasiegeschichte schreiben. Diese ging nun wie folgt.

Ein Junge ist in seiner alten Klasse unglücklich – wegen seiner Größe (noch wissen wir nicht, ob das „zu groß“ oder „zu klein“ bedeutet) – und wird in eine neue versetzt. Als er das Klassenzimmer betritt, starren ihn alle an und tuscheln. Sofort ist er enttäuscht. Zu Hause fragen ihn die Eltern nach dem ersten Schultag, aber er kann nicht sprechen und läuft weinend in sein Zimmer. Dort öffnet er seinen Schrank. Darin sitzt ein Zauberer – er bekommt einen Wunsch frei. Er wünscht sich, dass ihn seine neuen Mitschüler „so akzeptieren, wie er ist, anstatt groß und stark zu werden“. Und so kommt es dann.

Wir wissen, man kann aus einem Einzelfall keine Gesetze generieren. Dennoch scheint mir diese Geschichte, die übrigens in einem guten Deutsch geschrieben wurde, typisch zu sein. Sie zeigt, wie linkes, progressistisches, egalitäres Denken über alle Länder- und Gesellschaftsgrenzen hinweg unsere Jugend tief und nachhaltig infiltriert und infiziert hat. Man kann dafür nicht allein deutsche Politik, Kunst- und Medienschaffende verantwortlich machen, man muss vermutlich global denken, um das zu verstehen.

Solch eine Geschichte – das ist meine These – wäre vor 30, 40 Jahren kaum geschrieben worden. Ich entsinne mich eines Kinderbuches, das ich als vielleicht Zehnjähriger immer wieder gelesen hatte. „Pit und der Zauberstein“ oder so ähnlich – ich finde es nicht mehr. Es ist im Grunde genommen die gleiche Geschichte eines Jungen ohne echtes Selbstbewusstsein. Bei ihm ist es kein Zauberer, sondern ein Stein, den er findet. Und dieser Stein gab Pit Kraft, so viel, wie er gerade zur anstehenden Aufgabe benötigte. So begann Pit, stark zu werden, alle Hindernisse zu meistern, sein Leben einzurichten. Im Grunde genommen wurde diese Geschichte millionenfach und jahrhundertelang in Sagen, Märchen und Legenden aller Völker erzählt.

Aber heute gilt sie nicht mehr. Heute sollen und wollen die Kinder nicht mehr stark werden, nein, sie wollen in ihrer Schwäche akzeptiert werden. Nicht sie sollen sich ändern, verbessern, aufrichten, sondern sie glauben ein Recht darauf zu haben, daß alle anderen sich ändern. Alle Hindernisse, an denen man sich bewähren, an denen man wachsen könnte, werden aus dem Weg geräumt, und dort, wo es nicht geschieht, wird die Toleranz beschworen, die Gerechtigkeit, die Gleichheit als höhere Mächte, als letzte Instanzen, das Grundrecht, nicht ungerecht behandelt zu werden, durchzusetzen.

Wenn wir den globalen Blick beibehalten, dann werden wir ebenso nach Hollywood schauen müssen wie nach Silicon Valley, dann wird man die Technik ebenso ins Visier bekommen wie die Werbeindustrie, die Utopie des freien Westens und die globale Hegemonie linken Denkens.

Nur: Welcher Menschenschlag wird da geformt? Wie wird er agieren und agieren können, wenn sich ihm reale Schwierigkeiten in den Weg stellen? Was werden die ohne Zauberer tun?

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Seidwalk“.


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