19. April 2019

Propaganda vor den Europawahlen Über die Friedfertigkeit von Größe, Einheit und Schwachsinn

„Europa bedeutet Frieden“

von Kurt Kowalsky

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Bildquelle: JPR Arts / Shutterstock.com Friedensprojekt: Europa

Aus der Reihe „Kowalsky zitiert sich selbst“:

Diverses politisches Gesindel, umgangssprachlich auch „Parteien“ genannt, bringt anlässlich der Wahlen zum Europäischen Parlament die EU mit dem Begriff „Frieden“ in Verbindung. „Europa bedeutet Frieden.“

Europa ist in erster Annäherung ein Kontinent, so dass die Aussage „Europa bedeutet Frieden“ in etwa so unsinnig ist wie die Aussage „Afrika bedeutet Sand“ oder „Asien bedeutet gelb“.

Tatsächlich ist das Herrschaftskonstrukt der „Europäischen Union“ gemeint. Dieser Begriff ist Ausdruck von Fremdherrschaft. Ähnlich wie die römischen Invasoren in der Antike die benachbarten Stämme und Völker nicht differenzierten, sondern unter dem Oberbegriff „Germanien“ alles verstanden, was im Norden eventuell zu besetzen und zu unterdrücken wäre.

Eine auf einem abgegrenzten Territorium lebende Gemeinschaft ist auch dann fremdbestimmt, wird sie von einer Teilmenge dieser Ethnie ihrer Selbstbestimmung beraubt. Tatsächlich ist es dem Grunde nach einerlei, ob eine bestimmte politische Clique sich als Volksvertreter bezeichnet, weil sie ihre Legitimität auf ein selbst verfasstes Pamphlet stützt, oder ob sie auf die ungeschriebenen Regeln der Omertà verweist.

Ich weiß wohl nicht, wie das im gelben Asien oder im sandigen Afrika gehandhabt wird, jedenfalls herrscht in unserem Kulturkreis die Auffassung, dass eine Vertretungsmacht dem Vertretungsberechtigten zugestanden sein muss und nicht lediglich behauptet oder herbeiphantasiert sein darf. Dieser Grundsatz spiegelt sich auch im über 100-jährigen Bürgerlichen Gesetzbuch (Paragraph 164 folgende BGB) wider.

Genauso einerlei ist es, ob die selbsternannten angeblichen Vertreter des Volkes von Großindustriellen (Flick-Affäre, 1975) oder der sizilianischen Mafia korrumpiert sind. In Brüssel korrumpieren schätzungsweise 25.000 Lobbyisten mit einem Jahresbudget von 1,5 Milliarden Euro. Keiner dieser Interessensvertreter wird Interesse an Subsidiarität, Vielfalt, Eigenständigkeit der Regionen und Mitbestimmung des Volkes haben.

Um die Eigenständigkeit der Regionen wiederzuerlangen bedürfte es vermutlich über Jahre hinweg des gewaltigen, millionenfachen Widerstands der Menschen, und keiner Gespräche in Hinterzimmern mit angeblichen Volksvertretern, die im eigenen Wahlkreis kaum jemand kennt, geschweige denn kennen will.

Korruption aber wird nur geahndet, macht zum Beispiel der verzweifelte Bauherr den ungeeigneten Versuch, dem Beamten der regionalen Bauaufsicht einen Hunderter zuzustecken. Sonst ist Korruption straffrei, gewaltfrei und natürlich ein Akt des Friedens. Wer korrumpiert, schießt nicht.

Überhaupt ist jede gut organisierte Unterdrückung im Phänomen ein friedlicher Zustand, weshalb ja auch die Deportationen von Missliebigen in die Vernichtungslager in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts planmäßig und überwiegend zivilisiert abliefen.

So sollte man rückblickend fragend, wie die Kriege in Europa im 20. Jahrhundert entstanden sind. Drangen die Bergleute des Ruhrgebiets mit ihren Spitzhacken auf französisches Territorium vor? Oder bekriegten die französischen Winzer die Pfälzer auf ihren Weinbergen? Sicher nicht. Alle Kriege der letzten Jahrhunderte wurden initiiert von den Gewaltherrschern und Volksverhetzern der Länder. Und alle Kriege wurden exekutiert zulasten des Lebens und der Gesundheit der zwangsrekrutierten Bevölkerung.

Und da, wo zwischen Grabkreuzen die Mohnblumen blühen, wo auf Steintafeln und Holzkreuzen der toten Soldaten der Kriege gedacht wird, verhallen langsam die Versprechen, Verlockungen und Verheißungen, der Lügen, Verdrehungen und Drohungen der immer gleichen Lumpen, die sich – wie heute – selbst zu Anführern von Volk und Vaterland erkoren haben.

Und stets versuchte dieses perverse Gesindel, seiner Gefolgschaft zu verdeutlichen, dass Größe, Einheit und Unterordnung vorteilhaft seien.

„Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg“, so der deutsche Reichsmarschall Hermann Göring 1946, „aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt.“ – „Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land.“

Nach Paragraph 20 Strafgesetzbuch handelt übrigens ohne Schuld, „wer bei Begehung der Tat wegen einer krankhaften seelischen Störung oder wegen Schwachsinns oder einer schweren anderen seelischen Abartigkeit unfähig ist, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln“.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.


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