12. Januar 2026
Terrorismus und Gesellschaft: Strom gibt's in der kleinsten Zelle!
Analyse eines Anschlags auf das Stromnetz in Berlin
von Kurt Kowalsky
In Berlin ist aufgrund eines Anschlags auf das Stromnetz in manchen Bezirken der Strom ausgefallen. Das ist der Öko-Terrorismus, vor dem nicht nur ich immer wieder gewarnt habe.
Wer da für das (selbst definierte) Menschenrecht kämpfend immer Recht hat, wie es bereits in der Hymne der SED hieß, wird es in intellektueller Anlehnung an den bürgerlich-rechtlichen Notstand nur folgerichtig empfinden, jede Art des Terrors zu rechtfertigen. Man gehört ja zu den Guten.So zimmert man sich einen Erlaubnistatbestand. Es geht um die Abwehr einer gegenwärtigen, erheblichen Gefahr, welche man von sich oder anderen abzuwenden beabsichtigt. Der Gewalt gegen Sachen wird so die Gewalt gegen Personen zwangsläufig folgen.
Es ist noch nicht lange her, da wurde in den Medien ein gewisses Verständnis für die Nötigung von Autofahrern oder die Blockade von Kraftwerken aufgebracht. Und mancher Jurist pflegte mit seinem Unverstand so seine links-grüne Reputation bei der nächsten Party.
Alles schon mal da gewesen. In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde auf vielen universitären Fluren der sozialwissenschaftlichen Fakultäten für die Befreiung der Arbeiterklasse „gekämpft“, ohne auch nur einmal die Putzfrau gegrüßt zu haben. Danach beschritt man den Weg durch die Instanzen, und so manch einer schwor alsbald als Minister, Schaden vom deutschen Volk abwenden zu wollen.
Ein paar Figuren aber kamen vom Weg ab und tauchten in Steckbriefen der Terrorismusfahndung wieder auf. In einem dialektischen Prozess von Gewalt und Gegengewalt blähte sich sodann der Staatsapparat auf. Sie, die Blähungen, werden heute so etwas von normal empfunden, dass sie kaum noch eine Nase zu riechen vermag.
„Jeder Preuße trägt seinen Gensd’armen in der Brust“, hatte bereits Max Stirner zitiert. Und so verwundert es nicht, dass sich die schmierende Zunft im Einklang mit dem gesunden Volksempfinden aufmacht, die wie auch immer Schuldigen zu suchen.
Und man findet sie zuhauf. Denn je mehr man so herumschwätzt, desto wahrscheinlicher schimmern die eigenen Gewaltphantasien durch.
1848/1849, Sie erinnern sich, scheiterte nicht nur die Märzrevolution, sondern versandete auch der bundesdeutsche Geschichtsunterricht. Danach beschäftigte sich die werte Lehrerschaft nur noch mit Ungeheuern.
Während es für einen Blinden, entgegen der Redewendung, keinen Anlass gibt, im Nebel herumzustochern, da er den Nebel nicht sieht, hat schon so mancher Pilot mit dem Flug in Wolken sein Schicksal besiegelt. Ohne Autopilot und ohne entsprechendes Training fühlt man in kürzester Zeit, das Flugzeug flöge irgendwie schräg. Und in kürzester Zeit hat das trügerische Gefühl über die Instrumentenanzeige gesiegt. Im Nebel werden solange Horizonte ausgemacht, bis man mit der fliegenden Kiste sich ungespitzt in den Erdboden rammt.
Friedrich Nietzsche war kein Pilot, aber er brachte es auf den Punkt, als er schrieb: „Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird.“ Und in einem anderen Ansatz schrieb der Philosoph, der Staat wäre das kälteste aller kalten Ungeheuer.
Man erkenne die Zusammenhänge. Eine Gefahr ist konkret. Sie ist berechenbar und kann mit diskreten Mitteln und Maßnahmen bekämpft oder vermieden werden. Ein Ungeheuer ist ein groteskes, monströses, unförmiges Etwas, das sich aus der Anschauung der potenziell Bedrohten speist.
Zurück also zum Terroranschlag in Berlin. Rechts, links, schwarz, rot, blau und blöd sind sich wohl insgeheim bewusst, dass das mit dem Staat stimmen wird. Denn das Teil ist unberechenbar. Wer sich als Passagier die Schlafmaske vom Schädel zieht, sieht nur die Rückenlehne des Vordersitzes. Hatte die „Fluggesellschaft“ nicht versprochen, dass alle Gewalt von den Passagieren ausginge? War das eine Drohung oder ein Versprechen? Wie kann es sein, dass jetzt der Strom ausgefallen ist?
Bleiben Sie ganz ruhig. Schauen Sie nicht in den Spiegel. Betrachten Sie Ihren „werten“ Sitznachbarn. Es ist ein Idiot. Der Typ zwei Reihen links vor Ihnen scheint noch einigermaßen zu gehen, der hinter Ihnen ist sichtbar angetrunken. Und so dämmert es dem Schwarzen wie dem Rechten, dem Blöden wie dem Linken, dem Blauen wie dem Roten, dass die anderen Idioten keinesfalls das Flugzeug steuern dürfen.
Aber wer fliegt? Wir sind es nicht. Die Passagiere sind es nicht. Und der Typ, welcher sich aus dem Cockpit meldet, ist so etwas wie ein Laienschauspieler. Doch sicher ist das auch nicht.
Man tatsche also der bedienenden Stute verbotenerweise auf das hintere Gebäude, rauche in der Toilettenkabine eine Zigarette, werfe die brennende Kippe in den Papierkorb und harre auf bessere Zeiten. Wird man nach der Landung verhaftet und abgeführt, so nennen das Homöopathen „Erstverschlimmerung“.
Nun, das Ungeheuer haben wir wohl nicht gebändigt. Im Knast aber hat man eine gute Chance, irgendwelche verwirrten Rentner zu treffen, welche den fliegenden Laienschauspieler gegen einen König austauschen wollten. Und Strom gibt’s in der kleinsten Zelle.
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