11. März 2019

Deutsche Wirtschaftskapitäne kämpfen gegen „rechts“ Warum die Dax-Bosse gegen die AfD wettern

Eine Fallstudie an drei Beispielen

von Viktor Heese

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Bildquelle: hanohiki / Shutterstock.com Dax-Bosse machen fleißig mit: Protest gegen die AfD

Immer öfter leisten Dax-Größen Schützenhilfe für die Berliner Politik, attackieren die blauen Populisten und kämpfen „gegen rechts“ und für den „guten Ruf Deutschlands“. Nach Joe Kaeser (Siemens) und Tim Höttges (Deutsche Telekom) gab zuletzt eine unbekannte VW-Vorständin, Hiltrud Werner, eine Warnung heraus. Versuchen die selbsternannten „Kämpfer“ von den Problemen eigener Konzerne abzulenken, sind sie nur übergeschnappt oder lassen sie sich von der Politik, für welche Versprechen auch immer, einfach missbrauchen? Eine Fallstudie an drei Beispielen.

Fall eins: Joe Kaeser (Siemens-Chef)

Kaeser ist der prominenteste Fall unter den Moralisten. Er ist für Russlandsanktionen, verkaufte aber Gasturbinen für die Krim und für Einwanderung. Wenn es nach Chemnitz um den „Kampf gegen rechts“ oder um die Verunglimpfung von Alice Weidel (als „BDM-Mädel“ tituliert) geht, ist der Konzernlenker schnell dabei. Wegen dieser jobfremden Einmischung wurde er bereits von eigenen Aktionären verwarnt. Wenn es dagegen um Massenentlassungen in seinem Haus geht, kneift der mit sieben Millionen Euro (2017) dotierte Superboss, der nach eigenen Worten „für den guten Ruf Deutschlands“ kämpft. Es gehört schon eine gehörige Portion sozialer Kälte dazu, wenn ein solcher Heuchler trotz des Rekordgewinns von sechs Milliarden Euro 6.900 Leute entlassen und Werke schließen will und für Mitarbeiterproteste nur ein süffisantes Lächeln übrig hat.

Während der Chef politisiert, bleibt die Siemens-Aktie schwach (30 Prozent unter der Dax-Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren). Auch sein Weltkonzern bekommt Probleme. Nicht zuletzt deswegen, weil der Moralist Kaeser eben kein Topmanager, sondern eher mageres Mittelmaß ist. Die Fusion mit der französischen Alstom, eine Antwort auf die chinesische Herausforderung, platzte, weil Kaeser mit dem Aufsichtsrat lange Zeit im Clinch lag. Große Fonds, die 70 Prozent der Aktien halten und über sein Schicksal entscheiden, sind gegen seinen Radikalkurs und beäugen die neue Strategie „Vision 2020‍+“ misstrauisch. Der gute Joe sollte aufpassen. Warum lässt er sich zum Merkel-Lakaien degradieren, wenn die sonstige Dax-Obrigkeit das morsche Regime nur sporadisch unterstützt? Hier sind Motivforscher von Weltrang gefragt.

Fall zwei: Tim Höttges (Deutsche Telekom)

Tim Höttges holte gegen den Rechtsradikalismus noch viel plakativer aus: „Schlägertypen können durch unsere Innenstädte marschieren“, hatte er auf der Messe DMEXCO im September 2018 in Köln öffentlich geklagt. Deutschland erlebe eine Umkehr von alten Werten: „Plötzlich wird der Antirassist als gefährlicher gesehen als der Rassist. Die Feministin wird kritischer gesehen als der Täter.“ Wenn das keine klare Kante ist!

Auch Höttges agiert mehr als Verwalter und ist ein miserabler Manager. Die internationale Position des Bonner Konzerns ging während seiner elfjährigen Regentschaft nach und nach an die Konkurrenz (China Telecom, AT&T, Vodafone, KPN, BT Group) verloren. Auch nach über 20 Jahren liegt der Aktienkurs mit 14,46 Euro gerade beim 1998er-Emissionswert. Eine Blamage für eine hochgejubelte „Volksaktie“! Heute machen globale Fonds um das Papier einen großen Bogen, Börsenexperten stufen es als phantasielos ein.

Auch für die eigenen Beschäftigten hat der neue Politikhelfer schlechte Nachrichten. Weltweit sollen 10.000 – davon allein 6.000 in Deutschland – Leute entlassen werden. Die Zahl der Leiharbeiter steigt andererseits kontinuierlich an. Schuld an dem geplanten Kahlschlag ist nicht allein die launische Weltnachfrage, sondern das Team um den unfähigen Administrator. Dieses Team verstand es nicht, die Leute im Großkonzern mit einem Weltumsatz von 73 Milliarden Euro und über 200.000 Mitarbeitern unterzubringen. Last but not least: Kunden- und Aktionärsklagen machen bei der Telekom regelmäßig Schlagzeilen. Pleiten, Pech und Pannen!

Höttges wird seinen Job behalten wollen und muss Berlin gehorchen. 2018 holte sich der Global Player mit einer zwölfprozentigen Gehaltssteigerung auf 5,4 Millionen Euro noch einen ordentlichen Schluck aus der Pulle. Das ging, weil der Bund mit 32 Prozent Großaktionär beim Ex-Staatsunternehmen bleibt und so etwas toleriert. Berlin kassiert brav hohe Dividenden und wird hinter den Kulissen die Geschicke des Telekomriesen (mit‑) lenken. Der gute Tim wird dafür Angela öffentlich Lob zollen müssen.

Fall 3: Hiltrud Werner (Vorstand Bereich Recht und Integrität bei Volkswagen)

Im jüngsten Gespräch mit der „FAZ“ warnte Werner, Rechtsvorstand ohne Jurastudium (Wikipedia), vor dem Erstarken der AfD und dem Versagen der Volksparteien. „In Ostdeutschland wird die AfD zunehmend zum Problem, auch in den Betrieben.“ Da fehlt nur noch die Warnung, die AfD gefährde Arbeitsplätze.

Die wirtschaftlichen Dauerprobleme von Volkswagen, wo der Bund ebenfalls Großaktionär ist, müssen an dieser Stelle nicht wiederholt werden. Auf neue Schlagzeilen darf man gespannt bleiben. Warum die Vorgängerin der ostdeutschen Vorzeige-Managerin Werner auf dem Vorstandsposten, die kompetente Ex-Verfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt, den Job schon nach einem Jahr „einvernehmlich“ gekündigt hatte, bleibt ein Geheimnis. Werner ist da sicherlich anpassungsfähiger. Auf jeden Fall steht sie für „Ehrlichkeit, Offenheit, Mut und Eigenverantwortung“. Für ein Supergehalt von fünf Millionen Euro kann das wohl auch verlangt werden.

Die Lakaien sollten immer daran denken: Der Schuss kann nach hinten losgehen

Die Wirtschaftsbosse werden ihren Aktionären einen schlechten Dienst erweisen, falls sie sich in Merkels Dienste einspannen lassen. Besonders die mächtigen ausländischen Anteilseigner und Fonds haben die Kraft, die Herrschaften mit vereinten Kräften von ihrem Olymp herunterzuholen. Wenn nichts passiert, könnte umgekehrt das schlechte Beispiel Schule machen, wenn sich bald weitere Leistungsschwächlinge zu Wort melden, die von Berlin etwas erwarten. An der Reihe ist der Chef der Deutschen Bank, der auf die Verstaatlichung wartet und gerne im Amt – wie einst sein Commerzbank-Kollege – bleiben würde.

Mehr als Sprüche: In der Asylkrise heuchelt die Wirtschaft, und der Staat und die Bürger zahlen

Wer hoffte, die starke deutsche Wirtschaft würde Merkels pseudoökonomisches Migrationsabenteuer stoppen, ist stark enttäuscht worden. Schließlich sind der soziale Friede, die innere Sicherheit und die Staatsfinanzen massiv bedroht – alles Faktoren, die mit den wirtschaftsrelevanten „Standortnachteilen“ zu tun haben und von denen die Konzernchefs wissen. Die Bosse schweigen aber beharrlich, weil sie nicht direkt betroffen sind und es sich mit Berlin nicht verscherzen wollen. Sie wissen: Wer dort einmal auffällt, bekommt keine Staatsaufträge, darf mit der Kanzler-Delegation nicht nach Peking reisen und wird von den Systemmedien – also von Talkshows wie „Anne Will“ und Co – geflissentlich ignoriert. Auch die Macht der Gerichte, hinter denen der lange Arm der Politik gesehen wird, darf nicht unterschätzt werden (Hambach, Diesel-Klagen). Das alles schadet dem Aktienkurs. So heuchelt die Wirtschaft bei der Integration auf der ganzen Linie. Es gibt dennoch Grenzen. Clevere Vorstände meiden negative Publicity, achten auf das Aktionärswohl, stellen keine (anerkannten) Asylanten ein und leisten für die Migrationsveranstaltung keine nennenswerte finanzielle Unterstützung.

Für die AfD kann jede Anfeindung seitens der Wirtschaftskapitäne nur ein gutes Zeichen sein. Nicht nur wegen des Spruchs „Viel Feind, viel Ehr“. Auch Gandhis Weisheit passt gut dazu: „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich, und dann gewinnst du.“

Hoffentlich kommt der Sieg nicht zu spät.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Prawda24.com.


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