15. Februar 2019

Manipulation von Messwerten zur Umweltbelastung Rauchen ist gesund

RaucherInnen danken GrünInnen

von Spoeken Kieker

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Bildquelle: shutterstock Was ist schlimmer: Zigarette oder Auspuff?

Da kam die Systempresse aber in Schwung: Nachdem die „taz“ aufgedeckt hatte, dass in der systemkritischen Erklärung von über 100 Lungenärzten über gesundheitliche Risiken in Großstädten im Vergleich mit dem Rauchen Rechenfehler sind, dröhnte es aus jedem Lautsprecher: Die Berechnungen der Ärzte seien unseriös und entbehrten jeder wissenschaftlichen Grundlage. „In der Stellungnahme der Ärzte heißt es, ein Raucher atme in wenigen Monaten die gleiche Stickoxidmenge ein wie ein 80-jähriger Nichtraucher, der sein Leben lang Außenluft im Grenzwertbereich einatme. Tatsächlich nimmt ein Raucher bei Stickstoffdioxid – auf diesen Wert bezieht sich der Vergleich laut Köhler – eine vergleichbare Menge erst in sechs bis 32 Jahren auf“, jubelte etwa „Focus Online“.

Die RaucherInnen danken den GrünInnen. Wussten sie doch schon immer, dass der Genuss eines Lungenbrötchens viel angenehmer ist als ein kurzer Aufenthalt am Stuttgarter Neckartor. Und offenbar auch viel gesünder. „Rauchen ist gesund“ wäre eine treffende Überschrift für den „taz“-Beitrag gewesen.

Aber Scherz beiseite. Über den eigentlichen Skandal wird nicht oder nur sehr verkürzt und verklausuliert berichtet. Derzeit scheint die Klagewelle des Abmahnvereins Deutsche Umwelthilfe gegen die Kommunen auf Durchsetzung von Fahrverboten wegen Luftverschmutzung zusammenzubrechen. Grund ist eine völlig willkürliche Erhebung und Modellierung von Messwerten, was sich herumzusprechen beginnt. Es „findet oftmals eine Kombination von Modellen und Messungen statt, vor allem bei der Modellierung des regionalen und urbanen Hintergrundes“, steht in der Antwort der Bundesregierung unter Drucksachen-Nummer 19/7446 auf eine Anfrage der FDP-Fraktion. Das bedeutet: Mit dem Einsatz von neun auf dem Markt angebotenen Computerprogrammen können Messwerte offenbar dahin gebracht werden, wo man sie haben will. Und da die Umweltämter der meisten Großstädte und Länder und vor allem des Bundes grün durchsetzt sind und sich als Gefechtsstände im Kampf gegen die individuelle Mobilität verstehen, dürfte hier gefälscht werden, was das Zeug hält. Dann lässt man sich von der

Umwelthilfe verklagen, die mit den von den Ämtern manipulierten Daten jeden Prozess gewinnt, da grüngestrickte Richter auf Basis der eingereichten Klageschrift entscheiden und nicht etwa die Vorlage tatsächlicher Messwerte verlangen. Das grüne Spiel funktioniert nicht mehr, seitdem selbst die Systempresse Auffälligkeiten nicht mehr verschweigen kann.

Ein Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (manchmal steht auch in der Prantl-„Prawda“ Lesenswertes) belegt die Fälschungen am Beispiel der Stadt München. Nachdem die bayerische Landeshauptstadt über 20 eigene Messstationen aufstellte, kamen die zu anderen – allerdings wesentlich niedrigeren – Stickoxidwerten als die des Landesumweltamtes. „Die höheren Werte des Bayerischen Landesamtes für Umwelt resultieren aus Messungen an nur fünf installierten Stationen. Die restliche Belastung für das Stadtgebiet wurde auf Basis dieser Daten und in einem komplizierten Verfahren hochgerechnet.“ Das sind die in der Antwort der Regierung erwähnten Fälscherprogramme.

Dass die Regierung auf gezielte Fragen der FDP die Manipulationen einräumen musste, soll die Öffentlichkeit natürlich nicht erfahren. Im Bundestagspressedienst („HiB“) hieß es nur lapidar: „Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse vor, dass Fahrverbote für Dieselfahrzeuge allein auf Basis von Modellrechnungen erlassen wurden.“ Das hatte niemand behauptet. Die Manipulation erfolgt durch Zuhilfenahme von Modellrechnungen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Die Kieker (Die Spoekenkiekerei)“.


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