20. Dezember 2018

Staat, Natur und Recht Wenn der Klempner stammelt

Die Angeschissenen können Beschwerde einlegen, wenn auch nicht selbst

von Kurt Kowalsky

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Bildquelle: shutterstock Kämpft stellvertretend für das Recht seines Mandanten: Anwalt (Abbildung ähnlich)

Es ist im Laufe der Jahrhunderte Usus geworden, dass nicht die „gottgegebene“, also natürliche Ordnung, sondern die von Gewalttätern erzwungene Ordnung Recht ist, dessen Übertretung sanktioniert wird.

Damit, verehrte Geisteswissenschaftlerinnen und Hausfrauen, liebe Männer, soll natürlich nicht ausgedrückt werden, dass eine aus der Natur ableitbare Ordnung generell gerechtfertigter Maßstab ist.

Bleiben Sie bei mir, der Witz kommt noch. Wer aus dem von den Gewalttätern erzwungenen Recht Vorteile erlangt, so auch der Soldat, der Polizist, der öffentlich Bedienstete, wie auch der subventionierte Unternehmer und selbstverständlich der Wasserträger und Denunziant, geht aus rationalen Gründen in der Regel konform mit dieser Ordnung. Diverses intellektuelles Gesindel bis hinunter zum Lehrer und Pfarrer, das ebenfalls von den Gewaltherrschern abhängig ist, dichtet den vorangegangenen willkürlichen Gewaltakten Legitimität an.

Das Handeln der jeweiligen Personen wird von nun an im Rahmen dieser Ordnung beurteilt und – oh wundersame Fügung von Macht und Herrlichkeit – die gesetzte Ordnung schreibt den justiziellen Prozess vor und verbietet, das Zustandekommen der Ordnung selbst und ihre Widersprüche zu thematisieren. Sprich: Man benötigt einen vom Ordnungsgeber ausgebildeten Rechtsbeistand, der die Sprache des Ordnungsgebers beherrscht und weiß, welche Rede vor dem vom Ordnungsgeber gestellten und bezahlten Richter zumindest angehört wird und was als nicht sachgerechtes Gestammel von vorneherein nicht zugelassen würde.

Aus diesem einfachen Grunde tragen nicht irgendwelche Bürger den hohen Richtern zum Beispiel beim Bundesverwaltungsgericht ihr Anliegen vor, sondern ein speziell ausgebildeter und zugelassener Rechtsanwalt versucht, den Standpunkt des Bürgers oder der Hausfrau dem ehrenwerten Gericht zu verdeutlichen.

Man stelle sich analog vor, der Herr Gerichtsrat benötige in seinem Eigenheim die Dienste eines Installateurs. Doch der Handwerker spricht nicht mit dem Auftraggeber, sondern weist dessen Hinweise als unqualifiziert mangels Fachkompetenz ab. Möchte also der Herr Gerichtsrat dem Installateur verdeutlichen, wo sich im Haus die

Waschräume befinden und an welcher Stelle es tropft, hat er einen vom Installateur ausgebildeten Fachmann zu beauftragen, der dem Installateur sagt, wo sich das Scheißhaus befindet und wo die Kacke überläuft.

Sie, liebe Laiinnen und Männer, waren mit Ihrem Gestammel vielleicht mal beim Amtsgericht. Und waren Sie im Zivilprozess ganz schlecht, hat Sie vor versammelter Mannschaft der ehrenwerte Amtsrichter angeschnauzt: „Ja, wenn Sie sich hier nicht auskennen, müssen Sie sich eben einen Anwalt nehmen.“

Vor dem Landgericht ist dann bereits der Anwalt Pflicht. Und stammelt der Anwalt auch oder vergisst mal ganz nebenbei, im Zivilverfahren die vorgebrachten Lügen der Gegenseite ausdrücklich zu bestreiten, dann hat man den Prozess verloren. Scheiß drauf, werden Sie sagen, dann geht man eben in Berufung. Oder heißt das Ding „Revision“?

Es kommt darauf an, würde ein Installateur sagen. Empfindet der darüber es nicht so schlimm, dass die Scheiße unter ihm von dort weiter nach unten läuft, dann wird er die Berufungsklage als offensichtlich unbegründet zurückweisen (Paragraph 522 ZPO).

Aber dagegen können die Angeschissenen natürlich Beschwerde einlegen, nicht selbst, wie gesagt, aber durch einen Anwalt.

Aber immerhin, meinen nun die Gehirntotinnen, leben wir in einem Rechtsstaat. Tja, das habe ich eingangs völlig vergessen zu erwähnen: Die Gewalttäter erzwingen nicht nur das Recht und die Verfahrensordnung, sondern auch die wohlklingenden Begriffe.

Wie sagte doch Dick zu Doof? „Achtung, pass doch auf!“ Doof weicht zurück und sucht. Auf dem Boden liegt eine braune Masse. Doof bückt sich, steckt den Finger rein, riecht daran, lässt den Dick probieren, probiert selber. Nach einiger Zeit meint Dick: „Du, ich glaube, das ist Scheiße.“ Antwortet Doof: „Ein Glück, dass wir da nicht reingetreten sind.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.


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