15. November 2018

100 Jahre Frauenwahlrecht Geschichtsfälschung im Deutschlandfunk

Die Grünen erhöhten den Anteil kaum

von Spoeken Kieker

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Bildquelle: shutterstock In allen Ländern hart erkämpft: Frauenwahlrecht

Eine große Mehrheit der politischen Journalisten, gerade in der Hauptstadt Berlin, ist grün und links eingestellt – zahlreiche Studien belegen dies seit Jahren. Ihre Filterblase, die sich fröhlich kugelt zwischen der Bundespressekonferenz, den Spesen-Buffets der Lobbyisten und den Lofts im Prenzlauer Berg, lässt differenzierte oder kritische Berichterstattung kaum noch zu. Schon gar nicht, wenn es um ihre traditionelle Lieblingspartei, die Grünen, geht. Selten allerdings wurde ein Text so dreist mit Falschinformationen gespickt wie jenes Stück von Christiane Florin im Deutschlandfunk über „100 Jahre Frauenwahlrecht“. Darin heißt es mit Bezug auf die Deutsche Nationalversammlung von 1919, zu der erstmals Frauen das aktive und passive Wahlrecht hatten: „Knapp neun Prozent der 423 Abgeordneten der Nationalversammlung sind weiblich. Erst 1983, als die Grünen zum ersten Mal in den Bundestag einziehen, wird dieser Wert wieder in einem deutschen Parlament erreicht.“

Der Deutschlandfunk behauptet hier also, dass erst 1983 wieder ein Frauenanteil von neun Prozent in einem deutschen Parlament erreicht worden sei. Ebenso geschickt wie willkürlich wird dies in Bezug zu den Grünen gesetzt – als ob diese wie immer großartige Partei dies zu verantworten hätte. Dabei lügt der Deutschlandfunk seine Hörer dreist an.

Schauen wir uns den Frauenanteil der deutschen Parlamente seit 1919 an, so sehen wir staunend: Der Frauenanteil betrug (jeweils zum Ende der Wahlperiode) schon im ersten Deutschen Bundestag (1949-1953) neun Prozent, im zweiten Deutschen Bundestag (1953-1957) zehn Prozent, im dritten Deutschen Bundestag (1957-1961) 9,4 Prozent, ebenso im vierten (1961-1965). Das heißt: Schon in der bösen, bösen Adenauer-Zeit waren so viele (oder so wenige) Frauen im Bundestag wie dann ab 1983 (als auch die Grünen erstmals einzogen): Im zehnten Deutschen Bundestag (1983-1987) waren es ebenfalls zehn Prozent.

Lehre für den Demokratieabgabe-Zahler: Für die grüne Agenda ist dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk keine Geschichtsfälschung zu plump – gerade wenn es um das Herzstück der Demokratie geht.

Deutschlandfunk: „Der lange Kampf für die Emanzipation“

Wikipedia: „Frauenanteil im Deutschen Bundestag seit 1949“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Die Kieker (Die Spoekenkiekerei)“.


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