23. Oktober 2018

Jesse Colombo warnt vor kommender großer Finanzkrise Die Monsterblase

„Der Boom beim Haushaltsvermögen ist eine gigantische Lüge“

von Frank Jordan

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Platzt bald: „Alles-Blase“

Jesse Colombo, Analyst und Investmentberater, betreibt den Blog „The Bubble Bubble“. Der Name ist – auch bei seinem neuen Blogbeitrag mit Video – Programm. Er warnt vor Blasen. Ausgelöst durch die Rettungspolitiken der Zentralbanken. Er warnte vor der Immobilien- und Kreditblase von 2007/2008, und er warnt heute wieder. Seine Ansage: Was uns erwartet, ist um ein Vielfaches verheerender als das, was wir vor zehn Jahren erlebt haben. Der Grund: Das Vermögen der US-Privathaushalte hat sich komplett von der wirtschaftlichen Realität abgekoppelt.

Er vergleicht das Verhältnis der privaten Vermögen zum BIP-Wachstum über einen langen Zeitraum und stellt fest: Das Vermögen der Privathaushalte hat sich seit Beginn der 50er Jahre bis Mitte der 90er Jahre ungefähr parallel zum BIP entwickelt. Seit Ende der 90er Jahre ist das nicht mehr der Fall. Das Vermögen der Privathaushalte hat sich seither immer weiter vom wirtschaftlichen Wachstum entfernt. Besonders groß war dieser Gap jeweils vor dem Platzen der Blasen von 2.000 (Dotcomblase) und 2007/2008 (große Finanzkrise). Und heute wieder. Und auch heute gilt, was auch damals gegolten hat: Der Wohlstand ist ein Scheinwohlstand. Dank der „Rettungspolitiken“ der Zentralbanken, der Milliarden frisch gedruckter Dollars, die eine Rendite suchten, stiegen die Vermögenspreise (Aktien, Immobilien) seit 2009 in einem noch nie dagewesenen Maß. US-Privathaushalte, die einen Teil ihres Vermögens in solche Anlagen investieren, wurden dabei „automatisch“ immer wohlhabender. Colombo dazu: „Wenn das Vermögen der Haushalte viel stärker wächst als die Wirtschaft, ist das ein klarer Hinweis darauf, dass der Boom künstlich und nicht nachhaltig ist.“ Mit anderen Worten: Es ist eine Blase, und sie wird platzen. Colombo weiter: „Wenn Zentralbanken sich in die Märkte einmischen, erzeugen sie riesige Verzerrungen und falsche Signale und Anreize. Durch ihre Niedrigzinspolitik und ihre QE-Programme hat die Fed (die EZB und die BoJ tun es nach wie vor, Anmerkung des Autors) eine Liquiditätsflut erzeugt, die die Vermögenspreise in die Höhe getrieben hat.“

Da diesmal jedoch fast alle Vermögenswerte von der Überbewertung betroffen sind, nennt Colombo die aktuelle Blase die „Alles-Blase“ („Everything-Bubble“). Und er resümiert: „Der Boom beim Haushaltsvermögen seit der großen Rezession ist eine Täuschung, eine Farce, eine gigantische Lüge, die jeden glauben machen soll, dass alles wieder in bester Ordnung ist.“

In Wahrheit hat die Fed (und mit ihr die EZB und die BoJ) bloß eine weitere Blase produziert, die größer und gefährlicher ist als alle je zuvor gesehenen Blasen. Was das für die nächste Krise heißt – die Frage, ob sie kommt, stellt sich nicht –, dürfte klar sein. Von meiner Seite daher ein beherztes „Danke, Staat!“

„The Bubble Bubble“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Staatswirtschaft

Mehr von Frank Jordan

Über Frank Jordan

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige