02. Oktober 2018

Donald Trumps Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada Scheitern bis zum Sieg

Schmallippige Reaktionen in Mediendeutschland

von Holger Finn

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Einigten sich auf eine Neuauflage des Freihandelsabkommens Nafta: Kanada, Mexiko und die USA

Donald Trump ist bekanntlich „wahnsinnig“ („Der Spiegel“), ein „Irrer“ („Frankfurter Rundschau“), der sämtliche westlichen Werte mit Füßen tritt und jeden Moment mit seiner Ablösung wegen seiner Verbindungen nach Russland und zu teuren Prostituierten und den Enthüllungen von ehemaligen Insidern rechnen muss.

Besonders schlimm für die globale Gemeinschaft: Trump ist aus Verträgen ausgetreten, an die sich Deutschland nicht hält. Gleich zu Beginn seiner so verheerend wirkenden Amtszeit, die inzwischen länger andauert als die vieler seiner entschiedensten Gegner, wandte sich der US-Präsident in seinem Wahn auch gegen das amerikanische Freihandelsabkommen Nafta, obgleich es diesem aus deutscher Sicht allein an den in Europa üblichen supranationalen Regelungsfunktionen mangelt. Doch ohne Rücksicht auf Verluste nahm Trump „die Autoindustrie in den Würgegriff“ („Süddeutsche“), er startete die von ihm geplante „Abschottung“ („Spiegel“) und „attackierte Kanada und Mexiko“ (dpa), um seine irrigen Vorstellungen über wirtschaftliche Gesamtzusammenhänge durchzusetzen.

Ein Albtraum, wie der angesehene Wirtschaftsweise Christian Stöcker in einer vielbeachteten Expertise herausarbeitete. Die Vorgänge rund um Nafta verdeutlichten damals, im Mai 2017, welch „umfassende Unkenntnis elementarer Fakten und Zusammenhänge“ Trump besitzt. So groß, „dass die meisten anderen Menschen vor Scham im Boden versinken würden“, wie der als Erfinder des „Leugnismus“ bekannt gewordene Kulturkritiker und studierte Psychologe befand.

Damit würde Trump nicht durchkommen, das war schnell klar. Zuerst einmal fiel die heimische Autoindustrie dem Mann in den Arm, den der „Spiegel“ nun einen „Phantasten“ nannte, der mit seinem „America-First-Wirtschaftsplan“ – einem „Sammelsurium altbekannt-konservativer Ideen und neuer Wahlkampfparolen“ („Spiegel“) – „ökonomischen Selbstmord“ („Spiegel“) begehen werde.

Allerdings waren das alles nur „Muskelspiele“ („Handelsblatt“), nichts Ernstes, ruppige Worte, die der Präsident sprach, aber „keiner macht mit“ („Süddeutsche“). Das Händereiben in den deutschen Redaktionen hub wieder an. „Sein Protektionismus kommt gegen die Macht des Faktischen nicht an“, freute sich die „Süddeutsche“. Trumps Ankündigung eines Handelskrieges sei „eine leere Drohung“, seine „Verbalangriffe gegen Mexiko und Kanada heiße Luft“, informierte n-tv, und als dann auch noch die „Autolobby“ gegen den Präsidenten „mobil“ machte (n-tv), war endgültig klar, dass Trump scheitern musste. Es würde alles noch viel, viel schlimmer werden, berichteten Korrespondenten, die sich den Kampf gegen Trump zur Lebensaufgabe gemacht hatten.

Und nun ist es so weit. Trump, „inkompetent bei allem, was zu seinem Job gehört“, wie der Bestsellerautor David Frum beschreibt, hat eine Übereinkunft mit Mexiko und Kanada erreicht, die, so die „Zeit“, der „Spiegel“, die „Welt“ und die „SZ“ gleichlautend, zu „freieren Märkten, fairerem Handel und kräftigem Wirtschaftswachstum in unserer Region“ führen wird.

Die „Trumpsche Haudrauf- und Sudel-Methode“ („SZ“), sie hat wieder einmal erfolgreich versagt. Und die Reaktionen in Mediendeutschland fallen schmallippig aus, wie stets, wenn ein Meinungskampf mit der Wirklichkeit verlorengegangen ist: So viele Kommentare bis hierher gegen Trumps Absicht wetterten, mit einem neuen Abkommen mit Kanada und Mexiko Gewerkschaftsforderungen wie die nach einem höheren Mindestlohn für Arbeiter umzusetzen, die Teile von Autos montieren, die für den US-Markt bestimmt sind, so wenig Meinungsfreude herrscht nun, wo Kanada allen deutschen Hoffnungen zum Trotz doch nicht „hart“ (n-tv) geblieben ist.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Präsident Donald Trump

Mehr von Holger Finn

Über Holger Finn

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige