21. September 2018

Die „Leipziger Volkszeitung“ testet die Stimmung in Sachsen Eine kurze Geschichte vom gefährlichen ostdeutschen Wechselwähler

Wo mache ich mein Kreuz?

von Vera Lengsfeld

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Bildquelle: shutterstock Ostdeutscher Wechselwähler: Wo mache ich mein Kreuz?

Endlich hat uns die „Leipziger Volkszeitung“ erklärt, warum die AfD in Sachsen immer mehr Stimmen einfangen kann: Die Wähler sind einfach zu blöd!

Um diese tiefgreifende Aussage zu ermitteln, wurde der „Große LVZ-Stimmungstest in Sachsen“ veranstaltet, bei dem es abschließend um den „gläsernen Wähler“ ging. Dabei zeichnete sich bei der AfD-Anhängerschaft „ein recht deutliches Bild ab: Der Bildungsgrad ist häufig geringer als bei den Sympathisanten anderer Parteien. Abschlüsse von der achten bis zur zehnten Klasse überwiegen deutlich.“

Damit können wir nun also endlich verstehen, warum in einem Bundesland, in dem regionale wie internationale Firmen die gut ausgebildeten Fachkräfte schätzen und Schüler bei Pisa-Vergleichen seit Jahren Spitzenplätze belegen, der rechte, verblödete Mob in Chemnitz, Dresden und Bautzen auf die Straße geht. Dem geneigten Wähler aus der gebildeten, interessierten und aufgeklärten Mitte werden genügend fadenscheinige Anleitungen geliefert, warum er sich bei den anderen Parteien wohler fühlen kann als bei den Doofen.

Nun ja, als gefährlicher ostdeutscher Wechselwähler möchte ich deshalb einen Blick in meine Privatsphäre zulassen. In den vergangenen Jahren habe ich je nach Kommunal‑, Landtags- oder Bundestagswahl meine Stimme auf unterschiedliche Parteien verteilt, immer nach dem Grundsatz: Denen traue ich im jeweiligen Kontext am meisten zu. Einzig die „Linke“ hat sich mit ihrer Vorgeschichte disqualifiziert.

Dennoch steht Marx in meinem Bücherregal. Gleich neben Nietzsche, Kant und Aristoteles. Als Atheist ist es für mich eine Frage der Allgemeinbildung, die Bibel, den Koran und „Die vier edlen Wahrheiten“ gelesen zu haben. Lange bevor Thilo Sarrazin sich des Themas annahm, faszinierte mich das Buch „Versiegelte Zeit“ von Dan Diner, in dem der Autor den „augenfälligen Stillstand in der islamischen Zivilisation“ anhand arabischer Quellen untersucht.

Mich interessieren andere Kulturkreise, und wenn ich mich dort aufhalte, bin ich nicht als Missionar des Teutonentums unterwegs. Dies erwarte ich aber ebenso von Gästen in Deutschland. Meist klappt das auch. Haben Sie schon einmal einen Japaner gesehen, der sich über eine Haxe hermacht? Ein großes Vergnügen auf allen Seiten.

Die Ressourcenverschwendung unserer Umwelt bereitet mir ebenso Sorge wie der Zustand unseres Bildungssystems, der Exekutive und der Justiz. Weitere Themen lassen sich reichlich ergänzen. Meine Informationsquellen sind neben dem (noch fast) freien Internet „Die Zeit“ und die „Junge Freiheit“.

Mehr, als mir lieb ist, beschäftige ich mich, als gefährlicher ostdeutscher Wechselwähler, mit der Frage: Wo mache ich bei der nächsten Wahl mein Kreuz, wenn ich den Stillstand in der deutschen Politik beenden will?

Ein Wähler aus Leipzig

„Leipziger Volkszeitung“: „So ticken die Wähler in Sachsen“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


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