24. August 2018

„Aufräumaktion“ gegen iranische Propaganda bei Facebook Amerika wird wieder angegriffen

652 Accounts gefährdeten die Demokratie

von Holger Finn

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Bildquelle: Paparacy / Shutterstock.com Löscht gefährliche Accounts: Facebook

Kaum murrt der Mullah, fliegen seine miesen Bemühungen, die USA zu unterwandern, postwendend auf. In einer „Aufräumaktion“ („taz“) ist es Facebook und Twitter gelungen, 652 Accounts, Seiten und Gruppen aufzuspüren und zu löschen, in und mit denen iranische und russische Cyberkrieger versucht haben, die größte Demokratie der Welt aus der Bahn zu werfen.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg selbst schlug die Alarmglocke und berichtete über den Versuch, sein Netzwerk zu missbrauchen. „Verknüpfte Accounts“, sagte Zuckerberg, hätten in einer „konzertierten Aktion“ versucht, Propaganda zu verbreiten. Ein Generalangriff, bei dem die Iraner ihre Strategie wohl bei den Russen abschauten, die seit dem US-Wahlkampf vor zwei Jahren nicht aus den Schlagzeilen kommen. Zeitgleich sperrte auch Twitter 284 Konten, die für eine „koordinierte Manipulation“ eingesetzt worden seien.

Amerika wird wieder angegriffen! „Facebook enthüllt Hunderte gefälschter Konten“, schreibt sogar die normalerweise seriöse „NZZ“. Die fünfte Cyberkolonne der Feinde unserer Ordnung marschiert, diesmal offenbar, um US-Sanktionen über den vielversprechend wirkenden Umweg über Tweets und Facebook-Posts aufheben zu lassen. Zudem hätten die Urheber versucht, konservative Trump-Kritiker anzugreifen, hieß es.

Das Ausmaß der Unterwanderung ist erschütternd. So habe die nach einer völlig seriös wirkenden Onlinezeitung „Liberty Front Press“ benannte Facebook-Seite 155.000 Follower gehabt, die mit iranfreundlicher Propaganda traktiert wurden. Die Iraner erreichten damit 0,0077 Prozent aller Facebook-Nutzer – auf deutsche Verhältnisse umgerechnet entspricht das einem Fernsehwahlwerbespot, den etwa 6.300 der 82 Millionen Bundesbürger gesehen haben.

Bedrohte Freiheit, auch, weil das natürlich nicht die einzige Seite war. Hunderte! Mehrere! Die harten Zahlen sorgen für Gänsehaut, zumindest bei jedem, der bereit ist, einen Fliegenschiss für den Kackhaufen eines Elefanten zu halten, wenn ihm nur ausreichend oft gesagt wird, dass „gezielte Versuche, das Meinungsklima in sozialen Medien wie Facebook und Twitter zu beeinflussen und in eine bestimmte Richtung zu verzerren“, bei solchen Zahlenverhältnissen vollkommen realistisch sind: Die jetzt gesperrten 652 Accounts stellen einen Anteil von 0,00033 Prozent aller Facebook-Seiten – ein argloser Nutzer muss also rein rechnerisch rund drei Millionen Seiten durchklicken, ehe er – rein statistisch betrachtet – in eine persische oder russische Falle ging. Die gesperrten Twitter-Accounts der Trollarmee aus Russland und dem Iran beherrschten exakt 0,000084 Prozent aller aktiven Nutzerkonten beim Kurznachrichtendienst. Wieder umgerechnet auf die Grundgesamtheit der deutschen Wohnbevölkerung: 69 Menschen, bereit, mit ihren Kommentaren eine Bundestagswahl zu entscheiden.

Dagegen, so die „taz“ allen Ernstes, brauche es neue „gute, weil wirksame Gesetze“.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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