18. Juli 2018

Das „Doppeleinhorn“ kämpft nicht mehr gegen Regierungsgegner Kein Engagement ohne Geld

Was wird jetzt werden?

von Holger Finn

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Bildquelle: shutterstock Im Internet bekämpft: „Hetzer, Hasser und Zweifler“

Es war die Geheimwaffe im Kampf gegen den Hass, den die Bundespolitik direkt nach der Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten noch einmal forcierte. Eine Phantasiefigur namens „Doppeleinhorn“ sollte „Hetzern, Hassern und Zweiflern“ (Claus Kleber) im Internet und der Kloake aus regierungsfeindlichen Kommentaren, Merkel-Bashing und Behördenbeschimpfung entgegentreten und die Zivilgesellschaft, die sich in Zeiten der überbordenden Ängste selbst nicht mehr wehren kann, stärken. Doch nur zwölf Monate war das Doppeleinhorn im Einsatz. Dann mussten Freunde der Initiative im Dienst der Demokratie vom stillen Tod des bunten Phantasiewesens aus dem „Mediennetzwerk Saarlorlux“ Notiz nehmen: Nachdem es unter Zuhilfenahme von 60.000 Euro aus dem Bundesprogramm „Stärkung der digitalen Zivilgesellschaft und der Demokratie“ gelungen war, beinahe 350 sogenannte Follower beim Kurznachrichtendienst Twitter zu sammeln, stellte „Doppeleinhorn“ Anfang Juni seine Arbeit ein. Die Fördermittel waren verbraucht, Nachschub offenbar nicht in Sicht. Der Account, der sich die Gewinnung von Followern umgerechnet rund 150 Euro pro Stück hatte kosten lassen, wurde ankündigungslos gelöscht. Bei Facebook, wo das hässliche Hornschwein seine herzzerreißenden Versuche um eine jugendgemäße Ansprache bislang noch fortsetzt, findet sich zur Löschung kein Wort der Erklärung.

Geben der Staat und seine engagierten Vorfeldorganisationen den Kampf für eine „intensivere Nutzung elektronischer Medien“ zur Unterstützung der Regierungspolitik auf? Endet der Versuch, „Menschen direkt anzusprechen und sie zu ermutigen, sich am Diskurs zu beteiligen“? Woher kommen künftig die legendären Doppeleinhorn-Ansichtskarten mit aufrüttelnden Botschaften wie „Meinung, Freiheit, Vielfalt!“, „Herz statt Hass“ oder „Artikel 5 GG ist super!“? Offene Fragen, schmerzhaft wie ein offenes Bein.

Deutschland jedenfalls wird ohne das Doppeleinhorn nicht mehr dasselbe sein.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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