29. Mai 2018

Lebensdauer und Gesundheit Wer nicht raucht, stirbt auch

Wann kommen die Leichen angeschwommen?

von Kurt Kowalsky

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Bildquelle: shutterstock Lebt wohl nicht ewig: Ehemaliger Raucher

„Wenn du lange genug an einem Fluss wartest, schwimmen die Leichen deiner Feinde an dir vorbei“, so ein chinesisches Sprichwort.

Mit dem um die Jahrtausendwende ausgebrochenen Gesundheits- und Nichtraucherwahn hatte ich noch gehofft, dass sich die Hysterie mit der Zeit legen würde. Unter anderem hatte ich zutreffend prognostiziert, dass die in den 1950er Jahren aufsehenerregende Studie über den Risikofaktor Cholesterin wissenschaftlich nicht haltbar sei. Liest man den entsprechenden Wikipedia-Artikel heute ganz durch, kommt man sogar zu dem Ergebnis, dass eine medikamentöse Senkung des Cholesterinspiegels in 98 Prozent aller Fälle das Leben verkürzt, anstatt es zu verlängern.

Scheiß drauf, werden viele meinen. Doch aus der Perspektive eines Siechenheimbetreibers ist das frühzeitige Ableben potentieller Kundinnen und Männer nicht so lustig.

In meiner Nachbarschaft gibt es gleich sechs dieser Heime. In einem hat man jüngst einen 94-Jährigen schwer verletzt aufgefunden. Der Mann starb. Sein 80-jähriger Zimmernachbar ist dringend der Tat verdächtig.

Ich vermute mal, dass der 80-Jährige ein militanter Nichtraucher war und nicht akzeptieren wollte, was nach der Statistik nicht sein darf.

Wie dem auch sei. Jedenfalls ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo die, die nicht früher sterben, später sterben sollten, wenn sie nicht erschlagen wurden.

Nein, das ist kein Spaß. Nehmen analog eine Vielzahl von Reisenden nicht die Züge in der Früh, sondern die späteren, sind die Züge am Abend überfüllt. Werden die ehemaligen Raucher aber in der Wartezeit erschlagen, ist das statistisch ein störender systematischer Effekt.

Aber Pfeifendeckel. Ein Anstieg der Mortalitätsrate ist nicht feststellbar. Die Annahme, dass ehemalige Raucher dann ewig leben (werden sie nicht erschlagen), ist wohl möglich, aber nicht unbedingt haltbar.

In den USA ist des Rätsels Lösung zu finden. Einmal hat der Demokratismus dort glänzend bewiesen, dass auch ein Gehirntoter Präsident werden kann, und es zeigt sich, was mit den ganzen ehemaligen Rauchern geschah. Sie haben sich totgefressen.

Obwohl ich kein Arzt bin, kann man sich das nur so vorstellen, dass jede einzelne Zigarette mit irgendeinem Pamp substituiert wurde. Ein gewöhnlicher ehemaliger Raucher kommt so zu einer täglichen Gewichtszunahme von 100 Gramm. Das wären in zehn Jahren 365 Kilo. Doch verliert die Haut mit zunehmendem Alter an Elastizität, platzt der Nichtraucher explosionsartig, schon nach wenigen Jahren.

Da kann ich folglich lange warten, bis etwas im Fluss an mir vorbeitreibt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.


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