16. März 2018

Facebook-Sperre Der verbotene Beitrag

Warum soll der Artikel gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen?

von Roy Bergwasser

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Bildquelle: shutterstock Greift um sich: Hexenjagd bei Facebook

Der folgende Beitrag wurde am 7. März 2018 – wenige Stunden nachdem ein Landtagsabgeordneter der Linkspartei und ehemaliges SED-Mitglied auf mein Profil aufmerksam wurde – seitens Facebook gelöscht.

Selbstredend folgte auch eine Sperre meines Profils mit der Warnung, man werde zukünftig härtere Sanktionen vornehmen. In den dann folgenden drei Tagen wurden über 25 Prozent meiner Abonnenten entfernt. Um ehrlich zu sein, habe ich es vorher für blanken Unsinn gehalten, wenn über gelöschte Abonnenten berichtet wurde – es zum einen als Effekthascherei, zum anderen als Missverständnis (beispielsweise weil angenommene Freundschaftsanfragen aus der angegebenen Abonnentenzahl verschwinden) angesehen. Ich halte es aber für ausgeschlossen, dass eine so hohe Anzahl ganz zufällig an drei Tagen beschließt, mir zukünftig nicht mehr folgen zu wollen.

In dem kurzen Beitrag geht es um die Glasperlenspieler in den Ministerien, die Lösungen anbieten, die nicht noch weiter von den realen Problem entfernt sein könnten – dargestellt an einem aktuellen Beispiel. Der Inhalt verstoße gegen die Gemeinschaftsstandards, erklärt Facebook – kann aber bis heute keine substantiierte Erklärung für diese Behauptung liefern. Diese Darstellung hält einer Überprüfung in keiner Weise stand, wie der Beitrag auch ganz unzweifelhaft gegen kein deutsches Gesetz verstößt.

Damit sich jeder einen Eindruck machen kann, hier noch einmal mein Beitrag, den ich Anfang des Monats auf Facebook veröffentlichte und der zu der Sperre und Löschung führte:

„Es ist nur logisch und folgerichtig, dass man – angesichts der sich zuspitzenden Sicherheitslage für Frauen – Korrekturen und Veränderungen fordert. Offensichtlich hat sich der deutsche Mann, der noch bis 2014 Jahr für Jahr weniger kriminell wurde, innerhalb von zwei bis drei Jahren zu einem frauenhassenden sadistischen Monster entwickelt, das Frauen missbraucht – danach in Seen ertränkt, 90-jährige Omas auf Friedhöfen vergewaltigt und minderjährige Mädchen in Schwimmbädern missbraucht.
Oft hat er vorher offenbar noch einen arabischen Sprachunterricht besucht, um das Opfer in einer fremden Sprache zu demütigen. Der deutsche Mann ist zur regelrechten zivilgesellschaftlichen Gefahr geworden, so dass die Forderung der Gleichstellungsbeauftragten des Familienministeriums, Kristin Rose-Möhring, die Nationalhymne zu ändern, wohl genau der richtige Ansatz ist, um das gesellschaftliche geschlechtsspezifische Rollenbild zu wandeln und Frauengewalt zu bekämpfen. Wenn dann – wie gefordert – aus „Vaterland“ „Heimatland“ wird und aus „brüderlich mit Herz und Hand“ „couragiert mit Herz und Hand“, dürften sich auch endlich wieder jene 62 Prozent der in Deutschland lebenden Frauen sicher fühlen, die seit zwei Jahren bestimmte Plätze und Straßen meiden. Das von Katarina Barley (SPD) geführte Familienministerium ist immer ganz nah dran an den Problemen der Menschen. Und so muss es für SPD-Politiker wie ein Hohn klingen, dass man sich trotz dieser Hinwendungen zum Bürger in einem Umfragetief befindet.“

Stein des Anstoßes ist wohl der Satz: „Oft hat er vorher offenbar noch einen arabischen Sprachunterricht besucht, um das Opfer in einer fremden Sprache zu demütigen.“ Dieser bezieht sich auf die polizeilichen Täterbeschreibungen, die wir täglich – und gerade seit 2015 überproportional häufig – zu Gesicht bekommen. Darüber hinaus beinhaltet der Verweis auf die Sprache keinen von Facebook behaupteten Angriff auf Ethnie, Rasse, nationale Herkunft, Religionszugehörigkeit, sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität oder Behinderung. Das übrigens auch dann nicht, wenn man die dahinterliegende Unterstellung versteht, da eine Einordnung unter die maßgeblichen von Facebook aufgezählten Gruppen unmöglich gelingen kann. Mag sein, dass man bei Facebook lediglich geistig zu impotent ist, um dem Beitrag überhaupt intellektuell folgen zu können. Die Löschung der Abonnenten passt jedoch nicht in dieses Erklärungsmuster.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.


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