02. Februar 2018

Diskussion über Europa auf der Vienna Congress com.sult Wer sind hier die guten Europäer?

Václav Klaus und Nigel Farage gegen das EU-Imperium

von Andreas Tögel

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Bildquelle: shutterstock Erfolg durch Vielfalt, nicht durch Zentralisierung: Europa

Der dieses Jahr zum 15. Mal im Haus der Industrie in Wien über die Bühne gegangene internationale „Vienna Congress com.sult“ konnte wieder mit einer Fülle interessanter Redner aufwarten. Com.sult sieht sich in der Tradition des nach dem Ende der napoleonischen Wirren abgehaltenen Wiener Kongresses und setzt es sich zur Aufgabe, führende Köpfe aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzubringen, um an gemeinsamen Zielen zu arbeiten.

Generalthema der diesjährigen Veranstaltung war der laut Erweiterungsagenda geplante Beitritt einiger Staaten des westlichen Balkans zur EU: Serbien, Mazedonien und Kosovo.

Noch vor den Statements der Gäste aus den genannten Ländern wurde das zahlreich anwesende Publikum aufgefordert, über einige für die weitere Entwicklung der Union relevante Fragen abzustimmen. Das Resultat in wenigen Worten zusammengefasst lautet: EU ist super. Selbstbestimmung der Nationalstaaten ist schlecht. Es kann gar nicht genug Euro-Zentralismus geben! Ein angesichts der verheerenden Realpolitik der EU-Nomenklatura erschreckender Befund. Die von allen Hauptstrommedien und Meinungsführern ebenso konsequent wie penetrant betriebene, unkritisch zentralisierungsfreundliche Propaganda zeigt eben Wirkung.

So konnte es auch nicht verwundern, dass die Wortmeldungen der einzigen Dissidenten auf dem Podium, Václav Klaus und Nigel Farage, zum Teil heftig ablehnende Publikumsreaktionen auslösten. Der ehemalige Staatspräsident Tschechiens, Klaus, verwies auf seine negativen Erfahrungen mit totalitärer Fremdbestimmung und betonte, dass die Einzigartigkeit und der überwältigende historische Erfolg Europas auf seiner Diversität und nicht auf einer zentralistisch organisierten Gleichschaltung beruhte. Außerdem äußerte er sich kritisch zu den zeitgeistigen Phänomenen Klimareligion, Feminismus, Genderwahn und Schwulenehe. Er ortete eine in der EU herrschende Tendenz zur Atomisierung der Gesellschaften sowie zur – im übelsten Wortsinn – totalen Individualisierung und der Zertrümmerung jeglicher identitätsstiftender Bindungen. An dieser Stelle reagierten Teile des Publikums mit lautstarken Buh-Rufen.

Farage, die treibende Kraft hinter dem Brexit, betonte in seinem Referat, dass man im Vereinigten Königreich auch nach dem Austritt aus der Union nicht daran denke, die Zugbrücke hochzuziehen. Es wäre absurd, zu glauben, dass die erste globalisierte Macht der Welt sich plötzlich auf ihre Insel zurückziehen und Mauern hochziehen werde. Großbritannien habe immer vom Welthandel gelebt und werde das weiterhin tun. Wer die EU als Freihandelsorganisation betrachte, sei im Irrtum. Der EU gehe es nicht um Freihandel, sondern um Korporatismus – um den Schutz der Privilegien eines Klüngels von überbezahlten und in keiner Weise demokratisch legitimierten Bürokraten und deren Symbionten in der staatsnahen Industrie. Freier Wettbewerb zwischen Staaten und Unternehmen sei stets die treibende Kraft des Fortschritts gewesen, niemals aber gewaltbewehrter Zentralismus und oktroyierte Gleichschaltung. Auch Farage wurde für seine Ausführungen ausgebuht. Jahrzehntelange linke Gehirnwäsche wirkt eben – offensichtlich auch bei einer ihrem Selbstverständnis nach bürgerlichen Elite.

Wer sich jemals mit liberalem Gedankengut auseinandergesetzt und die Schriften seiner wichtigsten Protagonisten studiert (und verstanden!) hat, wird erkennen, dass Klaus und Farage mit jedem ihrer Worte recht haben. Dass ein Publikum, das mehrheitlich nicht etwa aus Soziologiestudenten, Gewerkschaftern, Umverteilungsbürokraten und grünen Jakobinern, sondern aus Menschen mit wirtschaftlichem Grundverständnis besteht, dies nicht zu erkennen imstande ist, lässt für die Zukunft Europas nichts Gutes erwarten.

Gravitationskräfte wachsen bekanntlich mit der Zunahme der Masse von Körpern. Das gilt nicht nur in der Astronomie, sondern auch für politische Entitäten. Die größte kosmische Kraft geht indes von „Schwarzen Löchern“ aus, die jeden Himmelskörper zerstören, der sich ihnen zu weit annähert. Brüssel bildet ein schwarzes Loch inmitten Europas. Doch anders als bei kosmischen Schwarzen Löchern ist seine zerstörerische Kraft nicht unbeugsam. Die bloße Besinnung auf eine Grundforderung der Aufklärung reicht, um ihr zu entgehen: Hirn einschalten und den Verstand gebrauchen. Imperien sind immer nur gut für deren Herrscher und ihre wenigen Günstlinge. Alle anderen Insassen dagegen haben nicht viel davon zu erwarten – jedenfalls nichts Gutes.


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