19. Dezember 2017

Der RBB über Abgasbelastung in Berlin Falscher Stickoxid-Alarm soll Dieselverbot beschleunigen

Voodoostatistik von „Fachjournalisten“

von Michael Limburg

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Bildquelle: shutterstock Abgasbelastung: 13.000 Tote zusätzlich?

Der lokale öffentlich-rechtliche Sender für Berlin und Brandenburg RBB treibt die Mega-Sau „Stickoxid-Alarm“ durchs Dorf. Auf allen Kanälen, im Radio wie im Fernsehen, wird über die Großtat eines Robin Avram berichtet, der in Zusammenarbeit mit der TU Berlin das Stickoxidaufkommen auf mehr als 100 Berliner Standorten über vier Wochen gemessen hat und dabei feststellte, dass der viel zu niedrige EU-Grenzwert in Höhe von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter hin und wieder überschritten wird.

Aufgemacht wird fast jeder Bericht, egal auf welchem Kanal, mit der Behauptung von fast 13.000 „vorzeitigen Todesfällen“, die laut Europäischer Umweltagentur dank Überschreitung des Grenzwertes eintreten. Beim Moderator des RBB-Inforadios am Morgen hört sich das sogar so an: „Das Grundproblem ist schon längst bekannt, rund 13.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr laut Europäischer Umweltagentur früher.“

Robin Avram ist Redakteur bei RBB 24, zu seinen Kompetenzen liest man: „Internationaler Studiengang Fachjournalistik. Beim Auslandssemester in Indien einerseits fernöstliche Gelassenheit lieben und andererseits deutsche Tatkraft wieder neu schätzen gelernt. Zudem diverse Praktika, unter anderem beim Info-Radio des RBB, der ‚Braunschweiger Zeitung‘ und der NGO Germanwatch. Nimmt sich gern der Sache Klimawandel (unter anderem durch einen Kurzfilm und die Diplomarbeit) und anderer Ungerechtigkeiten an. Müht sich aber nach Kräften und mit sauberem Handwerk, sich nicht damit gemein zu machen. Mag auch: Portraits und Reportagen, die im Kleinen die großen Zusammenhänge erkennen lassen. Ganz ohne Mind-Maps.“

Was dieser Robin Avram herausgefunden hat und was sein Sender daraus macht, veranlasste mich, die folgende Mail an die Intendantin Patricia Schlesinger und an den Chefredakteur Christoph Singelnstein zu schreiben: „Sehr geehrte Frau Intendantin Schlesinger, sehr geehrter Herr Singelnstein, seit heute morgen fährt Ihr Sender eine breit angelegte Kampagne wegen einer vermeintlichen hohen Stickoxidgefahr in Berliner Straßen, und das in bestem Einvernehmen mit dem Abzockverein Deutsche Umwelthilfe DUH. Dessen derzeit einziges Ziel ist, ein breites Dieselfahrverbot in deutschen Städten durchzusetzen. Dazu werden von Ihnen künstliche – mittels Voodoostatistik ermittelte – sogenannte ‚vorzeitige Todesfälle‘ als Angstmacher eingesetzt, eine ‚Umweltmedizinerin‘ Hoffmann faselt von ‚glaubwürdigen‘ 12.800 dieser Todesfälle allein in Deutschland pro Jahr, ohne dem erschreckten Redakteur oder dem Zuhörer/Zuschauer mitzuteilen, dass diese Todesart reinweg eine Erfindung von Umweltstatistikern ist, die allein aus epidemiologischen ‚Studien‘ gewonnen wurde, deren ‚Wahrheitsgehalt‘ nur auf willkürlich gegenübergestellten Korrelationen beruht. Und im Inforadio kurz vor neun heute morgen betet der Moderator brav diesen Unsinn nach, interviewt seinen Redakteurskollegen von RBB 24 zu dessen Glanztat, an über 100 Messstellen in Berlin NOx gemessen zu haben und sage und schreibe an zwei Dritteln dieser Stellen NOx mit bis zu 50 Prozent über dem Mickergrenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter gefunden zu haben. Doch in der Anmoderation des folgenden Beitrags zur Zunahme der Demenz hierzulande berichtet derselbe Moderator fröhlich vom ständig zunehmenden Alter der Bevölkerung, ohne sich auch nur einmal zurückzulehnen und über den Widerspruch innerhalb weniger Minuten zu den ‚vorzeitigen Todesfällen‘, die natürlich nirgends erklärt werden, irgendwie nachzudenken. In Ihrem sogenannten ‚Faktencheck‘ zum Thema bei RBB 24 stellen Sie dann mehrere steile Thesen auf. Eine davon lautet: ‚In der Natur kommen Stickoxide wie NO oder NO2 nur in winzigen Mengen vor.‘ Das ist der Witz des Jahrhunderts. Jeder Blitzschlag (mehr als 430.000 im Jahr 2016) erzeugt jede Menge davon, jede Verbrennung, natürliche wie anthropogene, ebenso. Weil sie aber sehr schnell zerfallen und allenfalls gelegentlich zu kurzem Abhusten anregen, kümmerte sich bisher keiner darum. Denn wir werden alle immer älter, wie Sie selber feststellten. Doch Sie jubeln das – dank der kruden Erfindung von den ‚vorzeitigen‘ Todesfällen, eine Zahl völligerBeliebigkeit – skrupellos zur großen Gefahr hoch, mit dem einzigen Ziel, zunächst die Diesel, dann alle Verbrenner abzuschaffen. Was treibt Sie dazu? Warum tun Sie so, als sei ein Großteil der Bevölkerung in unseren Städten gesundheitlich durch Dieselabgase gefährdet, obwohl die Realität doch völlig anders aussieht? Es geht in ganz Deutschland um vielleicht 15.000 Personen, die in den sehr kurzen Bereichen leben, in denen die NO2-Werte der Außenluft dauerhaft über dem (sowieso schon willkürlich viel zu tief angesetzten) Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter liegen. Der durch Laborversuche an Tieren ermittelte MAK-Wert liegt bei hingegen bei 950 Mikrogramm pro Kubikmeter, vor einigen Jahren lag er sogar bei 9.000 Mikrogramm pro Kubikmeter. Grundlos wurde er vor einigen Jahren auf 950 Mikrogramm pro Kubikmeter herabgesetzt. In der Schweiz liegt er immer noch bei 6.000 Mikrogramm pro Kubikmeter. Bis dahin ist es völlig ungefährlich, bei dieser Konzentration sogar körperlich schwer zu arbeiten. Er gilt für eine dauerhafte Exposition von 40 Stunden pro Woche und 52 Wochen im Jahr. Sie hingegen erzählen im ‚Faktencheck‘, dass diese höheren Grenzwerte nur für ‚einen kleinen Kreis‘ von Menschen gelten würden. Nämlich für ‚Arbeitsplätze‘. Doch davon sind aktuell 44,3 Millionen ‚Arbeitsplätze‘ gemeldet. Ist das ein ‚kleiner Kreis‘? Davon sind allein 7,3 Millionen ‚Industriearbeitsplätze‘. Auch das ist nicht klein. Bitte beantworten Sie mir meine abschließenden Fragen: Was motiviert Sie, uns Hörer und Zuschauer dermaßen in die Irre zu führen? Was treibt Sie an, dermaßen, und an leicht recherchierbaren Fakten vorbei, diese angstmachenden Märchen in die Welt zu setzen? Das wüsste ich gern. Gern erwarte ich Ihre Antwort und verbleibe mit freundlichen Grüßen Ihr Michael Limburg, Vizepräsident EIKE (Europäisches Institut für Klima und Energie)“

Soweit meine Mail. Eine Antwort steht natürlich noch aus. Sollte sie kommen, werde ich unsere Leser informieren.

Ergänzend darf ich noch auf die Aussage der Professorin Dr. Peters vom Helmholtz-Zentrum hinweisen, die anlässlich eines diesbezüglichen Bundestags-Untersuchungsausschusses wie folgt zitiert wird: „Die Sachverständige Professorin Dr. Peters vom Helmholtz-Zentrum München hat ausgesagt, dass NO2 über unterschiedliche chemische Prozesse wahrscheinlich zu oxidativem Stress beitragen könne, dass die wissenschaftlichen Ergebnisse bisher aber eine gesicherte lineare Expositions-Wirkungs-Beziehung für Stickoxidemissionen und Erkrankungen oder Erhöhung der Sterblichkeit im Sinne einer robusten Zuweisung nicht zulassen. ‚Ich muss ehrlich gestehen, wir haben das, glaube ich, fürs NO2 noch nicht systematisch angeguckt. Für die Partikelforschung ist es angeschaut worden, also für den Feinstaub, und da findet man unabhängige Effekte von Feinstaub und Lärm. Fürs NO2 bin ich mir keiner Studie bewusst, die das schon mal systematisch angeguckt hat.“ (Deutscher Bundestag, Drucksache 18/12900,18. Wahlperiode, 22.06.2017, Beschlussempfehlung und Bericht des 5. Untersuchungsausschusses gemäß Artikel 44 des Grundgesetzes.)

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE).


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