22. August 2017

Trump erklärt zeitlich unbegrenzten Krieg in Afghanistan Der „Instinkt, abzuziehen“ ist Vergangenheit

Die Truppenstärke wird geheimgehalten

von Jason Ditz

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Bildquelle: shutterstock Endlos: US-Einsatz in Afghanistan

In seiner am Montagabend gehaltenen Rede zum Afghanistankrieg erklärte Trump eine praktisch unbegrenzte Eskalation des Krieges, der keinerlei Grenzen gesetzt wurden, und erweiterte die Möglichkeiten seiner Generäle, eigenmächtig gegen „den Feind“ vorzugehen.

Präsident Trump unterstrich, dass sein einstiger Instinkt es war, die Truppen abzuziehen. Er fügte hinzu, dass er es „in der Vergangenheit vorzog, seinen Instinkten zu folgen“. Jedoch bemerkte er, dass „die Entscheidungen nun einmal sehr anders sind, wenn man hinter dem Schreibtisch im Weißen Haus sitzt“. Er unterstrich ebenso, dass er sich „einem ehrbaren Ende und nachhaltigen Ende“ verpflichtet fühle, das dieses längsten Krieges der US-Geschichte und der vielen Toten würdig sei.

Darüber, wie dieses Ende aussieht und wie er gedenkt, dorthin zu kommen, ließ er die Zuhörer im Dunkeln. Fox News berichtete, dass ihm Quellen aus dem Weißen Haus noch vor der Rede mitgeteilt hätten, dass Trump 4.000 weitere Soldaten für Afghanistan ankündigen würde.

Präsident Trump jedoch bezeichnete die US-Strategie als geheim und kündigte an, dass die Vereinigten Staaten jegliche zeitliche Begrenzung des Konflikts aufheben würden. Er würde in Zukunft nicht weiter öffentlich über die Truppenstärke in Afghanistan oder Pläne für das dortige militärische Engagement reden. Er hob hervor, dass „Amerikas Feinde unsere Strategie nicht kennen dürfen“.

Trumps Geheimhaltung bedeutet auch, dass die amerikanische Öffentlichkeit keinerlei Informationen darüber haben wird, wie der Afghanistankrieg durchgeführt wird.

Dies ähnelt der Entscheidung, die Truppenstärke im Irak und in Syrien geheimzuhalten, und ist gleichzeitig eine viel weitergehende Verpflichtung. Trump hat die Weichen auf eine Eskalation des Afghanistankrieges gestellt, der in den letzten 16 Jahren bereits durch einige Eskalationsstufen hindurch fortdauerte. Mit der Erklärung, auf den Sieg aus zu sein, hat Trump den Krieg faktisch permanent gemacht.

Trump unterstrich die Kontinuität seit dem 11. September und wie sehr er den Abzug der US-Truppen aus dem Irak im Jahr 2011 noch immer ablehnt, was er beides als Gründe gegen einen Abzug anführte, die jedoch eher wie Entschuldigungen wirkten, die einem Ende des Krieges niemals im Wege stehen werden.

Die zentrale Aussage von Trumps Rede scheint zu sein, dass die USA in Afghanistan bisher nicht aggressiv genug waren, da er Präsident Obama dafür kritisierte, den Konflikt mit zu kleinlichen Mitteln geleitet zu haben. Trump bekräftigte seinen Glauben daran, dass ein US-Sieg durch „das Urteilungsvermögen und die Erfahrung von Kriegsgenerälen“ zu erreichen sei.

Trump legte ein Lippenbekenntnis bezüglich der wirtschaftlichen Hilfe ab und forderte speziell Indien auf, „mehr zu tun“. Dennoch bestand er darauf, dass die USA das Aufbauen anderer Nationen aufgegeben hätten, und verkündete, dass „wir das Land nicht wieder aufbauen, wir töten Terroristen“.

Auch diese Aussage vermittelt den Eindruck von endlosem Krieg, da Trump 20 spezifische Terrororganisationen zwischen Afghanistan und Pakistan verortete und erklärte, man würde fortan die Beschränkungen für „unsere Kriegskämpfer“ aufheben. „Kein Ort ist außerhalb des Einflusses der amerikanischen Macht“, so Trump.

Letztendlich wären 4.000 weitere Truppen und eine Beibehaltung des Status quo wahrscheinlich sehr viel milder als das gewesen, was Trump anzukündigen scheint. Seine Entschlossenheit, die Truppenstärke geheimzuhalten, bereitet den Boden für endlose Eskalationen in der Zukunft, bezüglich derer die US-Bevölkerung nichts erfahren wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Antiwar.com und wurde von Lukas Abelmann exklusiv für eigentümlich frei ins Deutsche übersetzt.


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