14. Februar 2017

RezensionIgor Schafarewitsch: Der Todestrieb in der Geschichte

Erscheinungsformen des Sozialismus

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Der russische Mathematiker Igor Schafarewitsch liefert mit diesem 1975 erstmals veröffentlichten Klassiker eine profunde Analyse der Entwicklung sowie eine Prognose der Zukunft des Sozialismus. Seine Generalthese lautet, dass es sich beim Sozialismus um eine „anthropologische Konstante“ handelt, der eine Art Freudscher Todestrieb zugrundeliegt. Der Autor schlägt in seinem in drei Teile gegliederten Werk einen Bogen von den „hydraulischen Gesellschaften“ des Altertums über den von Platon erdachten Totalitarismus, die „chiliastischen Sozialisten“ des Mittelalters, die „Ketzersekten“ der Reformationszeit, die Englische und die Französische Revolution – bis in die Zeit des Realsozialismus der 1970er Jahre. Bei aller Unterschiedlichkeit der von sozialistischen Theoretikern ersonnenen Utopien oder real etablierter Systeme lassen sich drei Konstanten erkennen: Kampf gegen die Familie und das Privateigentum und Religionsfeindschaft. Das Ziel besteht in der nur mit Gewalt herstellbaren Gleichheit aller Menschen, in deren Hinwendung an die Idee und die bedingungslose Unterwerfung unter das Kollektiv. Das Individuum besitzt nur insofern einen Wert, als es zum Rädchen im Getriebe wird. Als Vorbild dient vielfach der Bienenstock oder der Ameisenhaufen, der als lebende Entität begriffen wird. Dass noch jedes realisierte Experiment gescheitert ist, tut der Idee keinen Abbruch. Wieder und wieder wird – ständig unter neuem Namen – alter Wein in neuen Schläuchen serviert und als etwas Neues verkauft. Wer indes immer wieder dasselbe tut, aber andere Resultate erwartet, ist wahnsinnig. Die Konsequenzen des aktuellen Systems des Wohlfahrtsstaatssozialismus sind offensichtlich und bestätigen Schafarewitschs These von einem dem Sozialismus inhärenten Todestrieb. Der kulturelle Verfall, der moralische Niedergang und die Kinderlosigkeit (die in wenigen Generationen zu einer Austrocknung des Genpools der infizierten Gesellschaften führen wird) – sind unübersehbar: Sozialismus ist Tod.


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