23. August 2026

Die Deutschen dösen Vom Volk der finanziellen Analphabeten

Es droht das digitale Gefängnis und kaum einer hat es bemerkt

von Sven Brajer

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Bildquelle: Redaktion Finanzsystem: Digitale Abhängigkeit und schwindende Vermögenssicherheit (KI-generiert)

Schulden heißen „Sondervermögen“, bezahlt wird mittels Fiatgeld per Handy. Rente und die ärztliche Versorgung sind auch noch in 20 Jahren genauso sicher wie der Euro und das Sparbuch. Aktien sind was für Zocker, Gold ist für Prepper und Bitcoin und Co sind etwas für „Verschwörungstheoretiker“. Einblicke aus dem finanziellen Tal der Ahnungslosen.

Finanzielle Unbildung im Alltag

„95 Cent bitte!“ Wortlos zückt die junge Studentin Anna mit den überdimensionalen Kopfhörern ihr Mobilfunktelefon und schnappt sich ihren veganen Latte Macchiato. Auch Oma Erna übt sich immer mehr im „kontaktlosen“ Bezahlen an der Rossmann-Kasse – auch wenn sie dabei hin und wieder noch die Hilfe der Kassiererin benötigt. Dass der Einzelhandel, der Mobilfunkanbieter, die Bank und somit im Zweifelsfall auch der Staat immer besser wissen, wo, wann und was sie gekauft haben, stört beziehungsweise interessiert sie nicht. Die beiden haben schließlich nichts zu verbergen und gehen mit der Zeit.

Anna besucht auch gerne hippe Cafés und trendige Bars, in denen Speisen seit neuestem mit dem dazugehörigen CO2-Verbrauch für die Produktion ausgewiesen werden. Die zumeist jungen Leute dort haben oft Bart Simpson, Mickey Mouse, Batman oder Zeichnungen an allen möglichen Körperstellen tätowiert, die wie das Gekritzel von Dreijährigen aussehen. Der Hinweis der Kellnerin mit dem ultrakurzen Ponyschnitt, dass man kein Bargeld akzeptiere, muss nur noch selten gegeben werden. Oft sind es irgendwelche Boomerpaare, die sich verlaufen haben, und dann rasch die Karte zücken, um sichtlich errötet bei der vorgegebenen Trinkgeldauswahl („Tip“) direkt die 25-Prozent-Taste zu drücken.

Wer profitiert und wer verliert?

Die Boomer sind ohnehin die Generation, die in Deutschland zum großen Teil ihr Schäfchen im Trockenen hat und daher bei CDU und SPD ihr Kreuzchen macht. Das Reihenhaus oder die Altbauwohnung sind lange abbezahlt, und für diejenigen, die vor 1971 geboren wurden, ist die Rente mitsamt Steuerzahlergeschenken wie Mütter- und Witwenrente ein Schneeballsystem, bei dem sie zumeist auf der Gewinnerseite sitzen. Dazu hat man seit Jahrzehnten ein paar Dax- und US-Aktien, die einem der freundliche Bankberater mitsamt sportlichen Gebühren aufs Auge gedrückt hat, sowie ein paar teure Fonds und diverse Goldmünzen im Bankschließfach. Auch die kleine Eigentumswohnung in Herne ist stets vermietet.

Dass die „fetten Jahre“ spätestens seit der „Corona-Krise“ vorbei sind, geht dem immer größer werdenden Heer an Beamten beziehungsweise Menschen im öffentlichen Dienst sowie vielen Rentnern komplett am Allerwertesten vorbei. Exportweltmeister war gestern, Bananenrepublik die Gegenwart: Irre Neuverschuldung seit 2020, um eine sterbende Fiatwährung zu retten, idiotische „Klimarettungsmaßnahmen“ plus die genauso ideologisch geframte Abwendung von günstigem russischem Erdöl- und Erdgas haben zu einem Industriestrompreis geführt, der fünf bis zehnmal so teuer wie in den USA oder China ist. Dennoch werden die Parteien, die das durchgepeitscht haben, weitergewählt.

Eine wirtschaftsfeindliche, woke Presse und ein Schul- und Bildungssystem, in dem die Beschäftigung mit Geld, libertären Ideen der Österreichischen Schule oder Investitionen keine Rolle spielen, tun ihr Übriges. Der durch diese Entwicklung zu verteilende Kuchen des zwangsmonopolitischen Wohlfahrtsstaats wird immer kleiner. Das bekommen vor allem die Leistungsträger, die Angestellten und Selbständigen zu spüren. Sie werden gezwungen, für das marode Kranken-, Sozial- und Rentensystem einen immer größer werdenden Teil des sauer verdienten Lohns abzugeben, im Wissen, dass sie die Letzten in diesem gigantischen Umverteilungs-Scam sein werden. Rette sich, wer kann!

Warum Vermögensbildung verhindert wird

Wer dennoch versucht durchzukommen, indem er sich mit verschiedenen Anlageformen auseinandersetzt, wird nicht nur vom Finanzamt immer stärker beäugt. Der Neid bei den Deutschen ist unerträglich. Wer etwas wagt, neue Wege geht und damit vielleicht sogar noch erfolgreich ist, dem wird nicht etwa – wie in den USA – bei Erfolgen gratuliert, sondern man gönnt ihm die Butter auf dem Brot nicht. Denn der Erfolg des Anderen spornt die meisten Deutschen nicht an, es ihnen gleichzutun; nein, der Spiegel auf das eigene Unvermögen führt zu Missgunst und Aggression. Erst recht, was Aktien, Kryptowährungen, Immobilien oder Edelmetalle angeht: Alles erfolgversprechende Anlageklassen, die allerdings – erst recht in diesen Zeiten – eine regelmäßige Beschäftigung mit dem Thema voraussetzen. Da wird es anstrengend, da muss das Gehirn aktiviert werden. Das passt allerdings gar nicht in eine Welt voller digitaler Bildschirmzombies mit kurzer Aufmerksamkeitspanne für Freizeitgestaltungen wie Binge-Watching bei Netflix und Co oder ähnlich abstumpfende Shooter-Spiele wie Fortnite.

In Deutschland ist man satt, träge und fett geworden. Trotz der historischen politischen Zäsuren der Jahre 2015, 2020 und 2022 verlässt sich der Bundesbürger immer stärker auf den Staat, der es ganz offensichtlich nicht gut mit denjenigen meint, die wirklich etwas leisten. Der Gedanke, dass kein Staatswesen – und erst recht nicht eines, das in seiner Dekadenz geprägt ist durch eine fatale demographische Entwicklung, die man mit sogenannten „Fachkräften“ zu „retten“ versucht, und das in seinem rasanten wirtschaftlichen Niedergang dem alten Rom gleicht – ewig bestehen wird, kommt diesen Menschen nicht.

Achselzuckend ins (finanz-) digitale Gefängnis

Offenbar viel zu lange ging es vor allem den Westdeutschen Boomern zu gut. Doch genau die – inklusive Oma Erna und Studentin Anna – braucht der Staat, mit den großen Tech-Konzernen zusammengeschweißt zum autoritären Korporatismus, um mittels digitalem Euro, digitaler EU‑ID, Vermögensregister, MICA, Krypto- und Reichensteuer die Macht zu erhalten, zu zementieren und auch zukünftig auszubauen.

Da alles in Salamitaktik undr öfter wechselnden, politisch selbst geschaffenen Katastrophen passiert und die „Lösungen“ als notwendige, ja alternativlose Innovationen verkauft werden – die ohnehin geschluckt werden müssen –, gibt es auch kaum Widerspruch. Man kann ja ohnehin nichts machen. Und wenn die Miete für die Wohnung, in der man schon so lange wohnt, immer teurer und das soziale Umfeld des eigenen Viertels immer „bunter“ wird, dann ist natürlich nur einer Schuld im „besten Deutschland aller Zeiten“: der böse Kapitalismus – egal, ob das Pendel von rechts nach links oder wie derzeit wieder verstärkt von links nach rechts ausschlägt.

Information

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 21. August erscheinenden Sep./Okt.-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 263.


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