14. März 2026
Weltraumkapitalismus: Plädoyer für Privateigentum auf dem Mars
Interview mit Rainer Zitelmann
von Redaktion eigentümlich frei
Dr. Rainer Zitelmann, geboren 1957 in Frankfurt am Main, ist ein vielseitiger Historiker, Soziologe und Bestsellerautor, der mit über 30 Büchern weltweit für seine leidenschaftliche Verteidigung des Kapitalismus bekannt ist. Nach einer akademischen Laufbahn an der Freien Universität Berlin, Führungspositionen bei renommierten Verlagen wie Ullstein-Propyläen und der Zeitung „Die Welt“ sowie dem erfolgreichen Aufbau und Verkauf seines eigenen Unternehmens in der Immobilienbranche hat Zitelmann sich als Experte für Themen wie Reichtum, Erfolgspsychologie und wirtschaftliche wie persönliche Freiheit etabliert. Seine Werke, darunter „Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung“ und „Die Psychologie der Superreichen“, wurden vielfach übersetzt und erreichen ein globales Publikum. In seinem bald erscheinenden Buch „Weltraumkapitalismus“ (Verlag Langen-Müller, Erscheinungstermin: 16. März 2026, Leseproben und Informationen auf weltraumkapitalismus.de) wirft er einen visionären Blick auf die Space Economy, analysiert die Überlegenheit privater Initiative gegenüber staatlicher Planung und plädiert für Privateigentum im All als Schlüssel zur Erschließung neuer Welten. Im Gespräch mit eigentümlich frei erzählt Zitelmann über sein Werk, den Visionär Elon Musk und die Zukunft der Raumfahrt.
ef: Herr Dr. Zitelmann, kurz nachdem Sie Ihr neues Buch „Weltraumkapitalismus“ ankündigten, teilte Elon Musk mit, dass SpaceX in diesem Jahr an die Börse gehen wird, als größter und aufsehenerregendster Börsengang der Geschichte. Herzlichen Glückwunsch zum Timing!
Zitelmann: Danke. Trotzdem bin ich vermutlich mit dem Buch einige Jahre zu früh.
ef: Warum das?
Zitelmann: Das ist mir oft so gegangen. Als ich 2018 „Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung“ herausbrachte, war die häufigste Kritik: „Sie kämpfen doch gegen Windmühlen. Wer will denn den Kapitalismus abschaffen?“ Inzwischen wurde in der Weltmetropole des Kapitalismus ein Antikapitalist zum Bürgermeister gewählt. Ich denke, die meisten Menschen verstehen heute noch nicht wirklich die Bedeutung der Raumfahrt im Allgemeinen und der Space Economy im Besonderen. Erst, wenn auf dem Mond eine Basis errichtet wird und dann die ersten Menschen zum Mars fliegen werden, wird sich dies ändern.
ef: Das klingt tatsächlich wie eine Vision von Elon Musk. Wie bewerten Sie dessen Unternehmen SpaceX als Historiker, der Sie von Hause aus sind, und als Finanzexperte, der Sie ja auch geworden sind?
Zitelmann: SpaceX hat eine Marktdominanz, wie das selten ein Unternehmen in der Geschichte hatte. Von 324 Orbitalstartversuchen weltweit im vergangenen Jahr – 317 waren erfolgreich –, hat SpaceX allein 165 durchgeführt. Wäre SpaceX ein Land, läge es mit großem Abstand vor China, das mit 88 Launches an zweiter Stelle kam. Und von etwa 14.000 aktiven Satelliten im All gehören inzwischen 9.300 Elon Musks Firma. Den Abstand zu anderen erkennt man daran, dass das, was Musk vor zehn Jahren gelungen ist, eine Orbitalrakete wieder per Rücklandung sicher auf die Erde zu bringen, Jeff Bezos’ Firma Blue Origin erst kürzlich gelang – aber keiner einzigen staatlichen Raumfahrtorganisation.
ef: Werden Sie SpaceX-Aktien kaufen?
Zitelmann: Ich bin stark in Aktien investiert, aber fast ausschließlich im Mantel von ETFs. Und was IPOs, also Börsengänge anlangt: Ich bin zwar ein großer SpaceX-Fan, aber auch ein großer Warren-Buffett-Fan. Und Buffett hat, soweit ich weiß, nur ein Mal im Leben bei einem IPO Aktien gekauft. Ich halte mich nicht für schlauer als Buffett.
ef: Noch ein paar Worte zum vielleicht größten Visionär unserer Zeit Elon Musk?
Zitelmann: Ich bewundere ihn wirklich sehr. Für mich ist Musk nur vergleichbar mit Thomas Edison. Was er als Unternehmer geschafft hat, ist unglaublich. Ich denke, politisch ist er auch nicht allzu weit entfernt von dem, was ich denke. Obwohl ich weder von Trump noch von der AfD viel halte. Aber mir gefällt seine Einstellung zum Leben. Er ist ein Typ, der sich immer neue Ziele setzt, riesige, gigantische Ziele. Ich habe ja ein Buch zum Thema „Setze dir größere Ziele“ geschrieben, da kommt er noch nicht vor, das war vor 15 Jahren. Aber für die japanische Ausgabe, die gerade erschienen ist, habe ich Musk hinzugefügt, ganz vorne im Buch.
ef: Wie kamen Sie persönlich zum Thema Raumfahrt?
Zitelmann: Meine Begeisterung begann schon mit neun Jahren durch die TV-Serie „Raumpatrouille“ mit dem Raumschiff Orion. Am 20. Juli 1969, kurz nach meinem zwölften Geburtstag, verkaufte ich eine Sonderausgabe meiner „Galaktischen Zeitung“ über die Mondlandung an meine Mitschüler. Mein Kinderzimmer war voll von Büchern über Astronomie. An der Wand hing eine riesige Mondkarte und ein riesiges Saturn-V-Poster. Geprägt haben mich die Science-Fiction-Romane von Hans Dominik, in denen Ingenieure mit Wissen und Mut die Zukunft formten.
ef: Kleine Provokation: Die Mondlandung 1969 war eine Inszenierung im Filmstudio, oder?
Zitelmann: Na klar. Und Elvis lebt noch immer, der Anschlag vom 11. September war von der CIA inszeniert. Aber im Ernst: Während des Kalten Kriegs verfolgte die Sowjetunion jede Mission genau und hätte einen Betrug sofort öffentlich gemacht. Und warum ist man sechsmal auf dem Mond gelandet, warum ist man das Risiko eingegangen? Waren dann alle sechs Landungen Fakes? Wenn Sie das Thema wirklich interessieren sollte: Eugen Reichl, der vielleicht beste Weltraumspezialist in Deutschland hält regelmäßig Vorträge dazu.
ef: Wir fragen auch, weil die Geschichte der staatlichen Nasa nicht unbedingt eine Erfolgsgeschichte ist, denken wir nur an das typische planwirtschaftliche Missverhältnis von Aufwand und Ertrag?
Zitelmann: Die Mondlandung war vielleicht das größte Ereignis der Menschheitsgeschichte. Aber das war sehr teuer erkauft, weil Staaten nun mal nicht effizient wirtschaften. In heutigen Dollars berechnet, hat das Apollo-Programm 300 Milliarden gekostet. 400.000 Menschen und 20.000 Firmen haben dafür gearbeitet. Das war eine Mobilisierung fast wie in Kriegszeiten. Die USA haben 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts dafür ausgegeben, heute sind es 0,5 Prozent. Trotzdem: Apollo war eine tolle Sache. Aber wenn eine Ökonomin wie die Etatistin Marianna Mazzucato kommt und die Mondlandung als Musterbeispiel dafür preist, wie erfolgreich staatliche Industriepolitik sei, dann entgegne ich: Danach kamen 50 Jahre Stagnation der bemannten Raumfahrt. Das weiß sie nicht oder verschweigt sie. Ich zeige in meinem Buch, was für ein Flop das Shuttle-Programm war. Nur mal eine Zahl: Die Kosten, um ein Kilo Gewicht ins All zu bringen, sind für Elon Musk mit seiner Falcon-9-Rakete 95 Prozent geringer als für das Space Shuttle.
ef: Warum gibt es eigentlich immer noch keine Kolonie auf dem so nahe gelegenen Mond?
Zitelmann: Eine gute Frage. Weil der wirtschaftliche Anreiz fehlt. Weil es kein Privateigentum auf dem Mond gibt. Nicht einmal Staatseigentum. Gar kein Eigentum. Auf der Erde gibt es kein Land, das ohne Privateigentum an Grund und Boden gut funktioniert. Selbst in China oder Vietnam, wo Sie kein Eigentum an Grund und Boden kaufen können, können Sie für 50 oder 70 Jahre pachten, was so ähnlich ist. All das ist auf dem Mond oder anderen Himmelskörpern nicht gegeben. Deshalb ist ein zentraler Punkt in meinem Buch die Analyse: Auf der Erde funktioniert nichts ohne Privateigentum, warum sollte das dann im Weltraum funktionieren? Die Schwerelosigkeit hebt doch keine ökonomischen Gesetze auf.
ef: Aber wie kommen wir zu Privateigentum im Weltraum? Oder besser anders gefragt: Wer sollte ein Recht haben, Eigentum im Weltall zu erlangen?
Zitelmann: Natürlich diejenigen, die die finanziellen Mittel haben, dorthin zu gelangen und das Land zu erschließen und zu nutzen. Ein Beispiel: Wenn es SpaceX gelingt, zum Mars zu kommen, und dort beginnt, dauerhafte Siedlungen zu errichten, dann sollte das Eigentum an Grund und Boden zuerst an SpaceX gehen. Natürlich nicht vom gesamten Planeten, sondern von einer überschaubaren Fläche, beispielsweise in der Größe von Singapur. Die Fläche des Mars ist 200.000mal so groß wie die von Singapur, so dass SpaceX zunächst nur 0,0005 Prozent vom Mars gehören würde. Das würde ausreichen, um viele Siedlungen zu entwickeln, aber nicht so viele, dass andere keine Chance mehr hätten. SpaceX könnte die Flüge und die Entwicklungskosten refinanzieren, wenn es die Fläche in Form von Real Estate Investment Trusts (Reits) an die Börse bringen würde. Der Preis würde sich am Markt bilden. Die meisten Menschen würden Anteile nicht deshalb kaufen, um dort selbst zu wohnen, sondern in der Hoffnung auf Wertsteigerungen. Als Anreiz für Menschen, um dort zu siedeln und den Mars zu entwickeln, könnten sie zur „Begrüßung“, sobald sie den Mars erreichen, oder wenn sie eine bestimmte Mindestzeit dort verbracht haben, Aktien zum Vorzugspreis erhalten. Leider steht solchen Lösungen – zumindest nach der Meinung vieler Juristen – noch der Weltraumvertrag OST entgegen. Aber es gibt auch Juristen, die der Meinung sind, dieser Vertrag verbiete nur Staatseigentum, aber kein Eigentum von Unternehmen und Privatpersonen. Ich habe dieser Diskussion ein ganzes Kapitel in meinem Buch gewidmet.
ef: Wann werden Menschen den Mars besiedeln?
Zitelmann: Noch in diesem Jahrhundert. Wenn es – wie bisher – kein Privateigentum auf dem Mars oder anderen Himmelskörpern gibt, wird es viel länger dauern oder gar nicht passieren. Aber wenn dort Privateigentum begründet ist, kann alles sehr viel schneller gehen. Die technologischen Voraussetzungen sind mit dem Starship von SpaceX da. Mein Buch ist im Kern ein großes Plädoyer für Privateigentum im All.
ef: Da rennen Sie bei unseren Lesern sicher offene Türen ein. Aber warum überhaupt sollten Menschen den Mars oder den Mond besiedeln?
Zitelmann: Als man den britischen Bergsteiger George Herbert Leigh Mallory 1923 während einer Vortragsreise in den USA fragte, warum er den Mount Everest besteigen wolle, antwortete der: „Weil er dort ist.“ Der große deutsche Raumfahrtpionier Hermann Oberth schrieb in seinem Buch „Man into Space“ 1957: „Was wäre der Sinn des Ganzen? Für diejenigen, die noch nie den unerbittlichen Drang verspürt haben, zu erforschen und zu entdecken, gibt es keine Antwort. Für diejenigen, die diesen Drang verspürt haben, ist die Antwort selbstverständlich.“ Aber es gibt noch eine andere Antwort: Elon Musk will Millionen Menschen auf dem Mars ansiedeln, unter anderem deshalb, weil er der Überzeugung ist, dass die Menschheit anders langfristig keine Chance zum Überleben hat. Immer wieder treffen Asteroiden aus dem All auf die Erde – und bekanntlich hat dies schon einmal zur Auslöschung nicht nur der Dinosaurier, sondern von fast allem Leben auf der Erde geführt. Musk sagt: „Wenn wir in der Lage sind, zu anderen Planeten vorzudringen, ist die Lebensspanne menschlichen Bewusstseins wahrscheinlich deutlich größer, als wenn wir auf einem einzigen Planeten festsitzen, der von einem Asteroiden getroffen und dessen Zivilisation zerstört werden könnte.“
ef: Ist die Ansiedlung auf anderen Planeten nicht für viele Deutsche unverständlich, weil sie ein ureigener amerikanischer – und nicht zuletzt, spätestens mit der frühen libertären Ikone Robert Heinlein, auch ausgesprochen amerikanisch-libertärer – Traum ist?
Zitelmann: Ja, in den USA gibt es viele Libertäre, die zugleich Space-Fans sind. Und es stimmt: Heinlein war erst ein Linker, später wurde er Libertärer. In meinem Buch schreibe ich auch über seinen 1950 erschienenen Roman „The Man Who Sold the Moon“, auf Deutsch erschienen als „Der Mann, der den Mond verkaufte“. Heinlein erkannte schon, dass Raumfahrt privat organisiert werden muss. In dem Roman sagt sein Held: „Wenn wir den Mond im Namen der Vereinigten Staaten in Besitz nehmen, wissen Sie, wo wir dann als Geschäftsleute bleiben? In Nullkommanichts sind wir draußen! Das Verteidigungsministerium wird sagen: ‚Danke, Herr Harriman, danke Herr Strong. Wir übernehmen die Sache jetzt im Interesse der nationalen Sicherheit selbst. Sie können beide nach Hause gehen!’ Ich lasse es nicht zu, dass sich diese medaillenklimpernden Uniformhengste auch da noch breitmachen. Ich werde eine Mondkolonie gründen und auf sie aufpassen, bis sie groß genug ist, um auf eigenen Beinen zu stehen.“
ef: Sie sind überzeugter Kapitalist. Viele meinen, die Verschmelzung von Staat und Privat im Bereich der Raumfahrt nimmt immer mehr zu. Das müssten Sie kritisch sehen, oder?
Zitelmann: Wenn mein Buch nur allein dieses Missverständnis zerstören kann, dann hat es seinen Dienst geleistet. Genau das Gegenteil stimmt! Im letzten Jahrhundert waren Staat und private Unternehmen in den USA sehr eng verschmolzen. Die Nasa hat den Unternehmen bis ins Detail vorgeschrieben, was sie wie zu machen haben. Irgendwann haben die Nasa-Leute einsehen müssen, dass sie so nicht weiterkommen. Heute haben sich die Verhältnisse umgekehrt: Private Unternehmen wie SpaceX, Blue Origin oder Rocket Lab bauen ihre Raketen mit unternehmerischer Kraft, so wie sie es für richtig halten. Niemand hat Musk gesagt, er solle wiederverwendbare Raketen bauen oder Starlink-Satelliten ins All schicken. Die Nasa und andere militärische Organisationen kaufen dann deren Dienstleistungen. Dabei ist der Staat nicht der wichtigste Kunde. Ich schätze mal, im vergangenen Jahr kamen 70 bis 80 Prozent der Erlöse von SpaceX von privaten Kunden. Dass sich die Verhältnisse zwischen Staat und privaten Unternehmen umgekehrt haben, wie das passiert ist und was die Folgen sind, zeige ich in meinem Buch.
ef: Wer sind die privatwirtschaftlichen amerikanischen Konkurrenten von Elon Musk und SpaceX im aufstrebenden Weltraumkapitalismus?
Zitelmann: SpaceX hat derzeit eine Monopolstellung. Aber es gibt Nischen, die von anderen besetzt werden, zum Beispiel vom Unternehmen Rocket Lab. Der Gründer Peter Beck, ein Neuseeländer, ist ein Bastler, ein Selfmade-Unternehmer. Rocket Lab erzielte im letzten Jahr einen neuen Jahresrekord mit 21 erfolgreichen Electron-Raketenstarts und einer Missions-Erfolgsquote von 100 Prozent. Bei den Preisen sind sie nicht wettbewerbsfähig mit SpaceX, aber sie haben erfolgreich eine Nische besetzt, eine ziemlich große Nische. Dann gibt es natürlich den großen Konkurrenten Blue Origin von Jeff Bezos. Derzeit liegen die zwar weit hinter SpaceX, aber wer weiß?
ef: Wie bewerten Sie die Rolle der Raumfahrernationen Russland, China und Indien?
Zitelmann: Russland wird keine große Rolle mehr spielen, solange es eine ineffiziente Kleptokratie ist. China muss man ernst nehmen. Die sind auf Platz zwei hinter SpaceX. Ich habe in meinem Buch ein ganzes Kapitel über die private chinesische Raumfahrt. Denn obwohl die Raumfahrt dort noch überwiegend staatlich organisiert ist, entwickeln sich in den letzten Jahren immer mehr private Firmen. Das große Vorbild in China ist tatsächlich SpaceX. Jeder Start des Starship, jeder Start von Starlink, ja jedes Wort, das Elon Musk sagt, wird mit riesigem Interesse in China verfolgt. Ob die Amerikaner oder die Chinesen den zweiten Wettlauf zum Mond und den ersten zum Mars gewinnen, ist noch offen. Entscheidend wird sein, ob die Chinesen den privaten Unternehmen genug Raum lassen oder nicht.
ef: Und, kleiner Scherz, Europa?
Zitelmann: Europa hat auch was vorzuweisen. Stolz verkündete die ESA 2021 das Assess-Level-Zertifikat von Edge erhalten zu haben, das für Engagement und Fortschritt in Sachen Gender-Gleichstellung steht. Zudem arbeitet man in Brüssel fleißig an der Regulierung der Space-Industrie, ich habe neulich einen dicken Entwurf dazu in der Hand gehabt. Immerhin haben die Europäer die Raketenstarts im vergangenen Jahr um 100 Prozent gesteigert – von drei auf sechs. Also ich denke mal, so wie bei der KI haben wir wirklich die Chance, auch beim Space-Thema Weltmeister in der Regulierung zu werden. Ich kenne das Unternehmen Planet Labs ganz gut, das täglich mit 200 Satelliten die Erde fotografiert. Ein tolles Unternehmen! Aber was macht die EU? Die arbeitet an der Verbesserung ihres staatlichen Programms Sentinel-2. Die Daten sind öffentlich und kostenlos verfügbar, während Planet Labs die Daten kommerziell anbietet. Hier zeigt sich, wie schädlich es ist, wenn der Staat mit Steuergeld in Milliardenhöhe Dinge macht, die ebenso gut oder besser Private zu einem Bruchteil der Kosten erledigen können. Der Staat bietet Leistungen vermeintlich „kostenlos“ an, für die der Steuerzahler bezahlt, und tritt damit in einen unfairen Wettbewerb mit privaten Unternehmen – so wie das seinerzeit beim Space Shuttle war, das die Entwicklung einer privaten Launch-Industrie massiv behindert hat.
ef: Welche Rolle wird die von Ihnen gerade erwähnte KI im Weltraum spielen?
Zitelmann: Sie spielt schon heute eine riesige Rolle. Tausende von Starlink-Satelliten werden mit Hilfe von KI koordiniert, um weltweit Internet bereitzustellen. Hier verschmelzen Weltraum, KI und digitale Infrastruktur. Starlink ist nicht nur ein Kommunikationsprojekt, sondern Teil einer globalen Datenarchitektur.
ef: Abschließend: Droht mit der Autobahn ins Weltall für Menschen womöglich auch eine Grenzüberschreitung? Oder anders gefragt: Ist das alles eine womöglich atheistisch motivierte Gottspielerei, eine Art intergalaktischer Zwilling des Transhumanismus und des Strebens nach menschlicher Unsterblichkeit?
Zitelmann: Vor etwa 70.000 Jahren verließen die ersten Menschen Afrika, um neue Lebensräume zu erkunden. Sie folgten dabei Küstenlinien, Flüssen und Tierherden und passten sich Schritt für Schritt unterschiedlichen Klimazonen an. Diese Wanderungen legten den Grundstein für die Besiedlung fast aller Kontinente. Wenn man jetzt stoppt, dann hätten die Menschen auch in Afrika bleiben müssen. Denn ich kann nicht den geringsten Unterschied sehen zur Raumfahrt. Darf ich mit einem passenden Zitat schließen?
ef: Unbedingt!
Zitelmann: „Die Erde ist die Wiege der Menschheit, aber man kann nicht ewig in der Wiege bleiben.“ Der Satz stammt von Konstantin Ziolkowski, dem großen russischen Raumfahrtpionier.
Information
Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 27. Februar erscheinenden März/April-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 260.
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