24. Januar 2026

Gold und Bitcoin Wer ist der bessere Kandidat für freies Geld?

Ein gründlicher Blick auf die Geschichte und das Wesen von Bitcoin

von Roman Reher

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Bildquelle: KI: ChatGPT Bitcoin: Das bessere Geld?

Es gibt mehrere Themen, bei denen sich die libertäre Community uneingeschränkt einig ist – zum Beispiel, dass das staatliche Geldmonopol überwunden gehört. Bei der Frage, welche Geldform an die Stelle von Fiatwährungen treten soll, entbrennen jedoch nicht selten hitzige Debatten.

Während einige behaupten, dass auf ein neues Geldsystem auf Basis von Gold hingearbeitet werden sollte, plädieren andere für die erst knapp 17 Jahre alte Kryptowährung Bitcoin. Eines ist klar: Es wird sich am Markt herauskristallisieren müssen, welches Geld das überlegene ist. Sowohl die Bitcoiner als auch die „Gold-Bugs“ setzen sich in aller Regel für einen freien Geldwettbewerb ein.

Doch welche Argumente sprechen dafür, dass Bitcoin das Rennen gewinnen wird? Oder stimmt es, dass es bei der Kryptowährung inhärente Fehler gibt, die dazu führen, dass diese gar nicht zu Geld werden kann und für immer ein Spekulationsobjekt bleibt oder gar dem Untergang geweiht ist, wie manche Gold-Fans behaupten?

Eine revolutionäre Idee

Im Oktober 2008 stellte eine Person oder Personengruppe mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto die Idee für ein dezentrales Geldsystem vor. Wenige Monate später, im Januar 2009, startete das Netzwerk. Seit Tag eins war Bitcoin für jedermann frei zugänglich, und der Code ist für alle offen einsehbar.

Rund 17 Jahre später beträgt die Marktkapitalisierung – das ist der Wert aller Einheiten zusammengerechnet – circa zwei Billionen US-Dollar. US-Präsident Donald Trump hat ein Dekret zur strategischen Bitcoin-Reserve erlassen, während inzwischen sogar die Tschechische Zentralbank, der US-Bundesstaat Texas und das Land El Salvador Bitcoin (BTC) gekauft haben.

Auch wenn Bitcoin aktuell primär als ein neuartiges, spannendes Anlageobjekt betrachtet wird, für das große Vermögensverwalter wie Blackrock die Werbetrommel rühren, bleibt die Anfangsvision, dass es eines Tages das Geld der Welt sein wird, bestehen – und das aus guten Gründen.

Das bessere Geld

Bitcoin bietet als erste Geldform den Vorteil, in einer globalisierten und digitalisierten Welt Transaktionen abwickeln zu können, ohne dabei auf Mittelsmänner angewiesen zu sein. So lassen sich Werte jeglicher Höhe in wenigen Minuten von einem zum anderen Ende der Welt verschieben – über das auf Bitcoin aufbauende Lightning-Netzwerk sogar in Sekundenschnelle.

Bitcoin-Transaktionen sind nicht zensierbar, und das Netzwerk funktioniert komplett dezentral. Viele Knotenpunkte rund um den Globus überprüfen die Transaktionen, die von Bitcoin-Minern, die unter dem Einsatz von Rechenleistung neue Bitcoin-Blöcke an die Blockchain hängen, aufgenommen werden. Die dezentrale Struktur sowie der auf physischem Arbeitsnachweis basierende Mining-Prozess stellen die Robustheit und Integrität des Netzwerks sicher.

Viele – darunter Blackrock-CEO Larry Fink oder die Trump-Administration – bezeichnen Bitcoin aufgrund einiger Ähnlichkeiten mit dem gelben Edelmetall auch als „digitales Gold“. Bitcoin löst letztlich aber die zentralen Probleme, aufgrund derer Gold als Geld politisch ausgehebelt werden konnte, wodurch diese Bezeichnung dem, womit wir es zu tun haben, wohl nicht ganz gerecht wird.

Die Probleme von Gold

Gold ist ein physisches Metall, bei dem der Handel in einer modernen Welt nur über Drittparteien funktionieren kann. In einer freien Marktwirtschaft ist es zwar unabdingbar, anderen zu vertrauen, aber bei Geld, der Basis der Gesellschaft, sollte es keine derartigen Schwachstellen beziehungsweise potenziellen Angriffsvektoren geben.

Über Jahrhunderte war Gold die Grundlage unseres Geldsystems. Doch als sich die Welt weiterentwickelte – nicht zuletzt auch dank des Goldstandards – griffen die Menschen zunehmend auf Goldzertifikate beziehungsweise durch das Edelmetall gedeckte Banknoten zurück, um den Handel über Raum und Zeit zu erleichtern.

Diese Schwachstelle von Gold, also dass es Abstraktionen für modernen Handel braucht, führte letzten Endes dazu, dass Staaten leichtes Spiel hatten, die Goldbindung der Währungen zu kappen und ungedecktes Papiergeld – also Fiatgeld – einzuführen.

Dies geschah so etwa im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs oder ganz prominent im Jahr 1971, als US-Präsident Richard Nixon die Konvertibilität des US-Dollars in Gold aufhob, wodurch der Goldstandard des Bretton-Woods-Systems effektiv endete und nahezu alle relevanten Währungen von heute auf morgen zu Fiatgeld wurden.

Aber sogar Edelmetalle selbst wurden „verwässert“, damit Staaten Kriege bezahlen oder ausufernde Staatsausgaben stemmen konnten. Während des Dreißigjährigen Kriegs gab es beispielsweise die staatlich eingesetzten „Kipper und Wipper“, die Münzen mit hohem Silbergehalt aussortierten, um mittels der Hinzugabe billigeren Kupfers mehr Geldeinheiten prägen zu können.

Heutzutage glauben einige Gold-Fans, dass goldgedeckte Kryptowährungen diese Probleme lösen könnten. Doch wenn man danach fragt, wie die Deckung garantiert werden kann, verweisen sie auf Lösungen wie eine Videoüberwachung der Bestände oder anderes, was in Zeiten der Künstlichen Intelligenz rein gar keine Sicherheit bietet.

Für Normalpersonen ist es unter normalen Umständen außerdem schwierig, zu verifizieren, ob Goldmünzen echt sind beziehungsweise ob sie den versprochenen Reinheitsgehalt haben. Zudem ist unklar, wie viel Gold insgesamt existiert und noch hinzukommen wird.

Bei Bitcoin ist die gesamte Blockchain offen einsehbar – echte BTC zu erkennen ist also kinderleicht, während im Code festgeschrieben ist, dass es nie mehr als knapp 21 Millionen Einheiten geben wird.

Unter dem Strich ist Bitcoin ein Geld, mit dem Menschen in der digitalen Grundform handeln können. Zwar greifen dabei auch viele auf Dienstleister zurück. Der entscheidende Unterschied zu Gold ist jedoch, dass es möglich ist, komplett ohne Vertrauensparteien in einer modernen Welt ein nicht staatlich kontrolliertes und verifizierbar begrenztes Geld zu verwenden, ohne bei der Nutzbarkeit Abstriche gegenüber Fiatgeld machen zu müssen.

Der Wert von Bitcoin

Doch wie viele Gold-Fans richtig erkennen, bringen die ganzen Vorteile von Bitcoin nur etwas, wenn das zugrundeliegende Konzept wertstiftend ist. Eine begrenzte Gesamtmenge, Digitalität und Verifizierbarkeit haben nämlich nur einen Nutzen, sofern die Einheiten wertvoll sind.

Auf diesen Umstand machen auch die Bitcoin-Befürworter selbst immer wieder aufmerksam, wenn sie erklären, wieso alle anderen Kryptowährungen keine ernstzunehmenden Wettbewerber sind. Die kurze Erklärung: Bitcoin bringt nicht nur den stärksten Netzwerkeffekt, sondern auch das mit Abstand stabilste und dezentralste System mit sich. Und es gilt: „The winner takes it all.“

Ein zentraler Kritikpunkt vieler Goldbefürworter lautet aber, dass Bitcoin – anders als Gold – keinen industriellen Nutzen beziehungsweise Warenwert besitzt und daher im Sinne der Österreichischen Schule kein „echtes“ Geld werden könne. Dieses Argument stützt sich auf das Regressionstheorem von Ludwig von Mises, dem zufolge der heutige Geldwert auf einen früheren Zeitpunkt zurückführbar sein muss, an dem das besagte Gut noch reines Warengut war.

Doch das Bitcoin-Netzwerk stiftet von Anfang an einen eigenen Gebrauchsnutzen – als offenes, zensurresistentes Wertübertragungsnetzwerk –, sodass sich bereits früh ein Marktpreis für die Einheiten herausgebildet hat. Dieser Preis beruhte nicht auf bloßer Spekulation, sondern auf einer Einschätzung des tatsächlichen Netzwerknutzens – genau jenem vorgelagerten Gebrauchswert, den das Regressionstheorem als Ausgangspunkt jeder Geldentstehung beschreibt. Außerdem unterstreicht diese Tatsache, dass auch rein digitale Güter wertvoll sein können.

Es lässt sich auch argumentieren, dass es aus gesamtwirtschaftlicher Sicht sogar ein Vorteil ist, wenn das beste Geld gar keinen eigenständigen Waren- oder Industrienutzen hat. Sobald ein Gut zugleich Geld und wichtiger Produktionsfaktor ist – wie etwa Gold oder Silber –, treibt das monetäre Premium den Preis nach oben und verteuert industrielle Anwendungen. Das kann auch dazu führen, dass sich ein großer Teil des betreffenden Gutes in den Händen weniger Industriezweige konzentriert.

Ein rein monetäres Gut wie Bitcoin konkurriert nicht mit realwirtschaftlichen Verwendungen, sodass kein Produktionsfaktor durch seine Geldfunktion eingeschränkt und die Industrie nicht durch ein hohes monetäres Premium belastet wird.

Letztlich ist Wert ohnehin immer und überall subjektiv; er ergibt sich aus der Einschätzung der Marktteilnehmer – genau das betonen doch Vertreter der Österreichischen Schule immer wieder. Bitcoin hat einen – wenn auch stark schwankenden – Gegenwert, wodurch es nun mal jetzt schon als Transaktionsmittel herhalten kann.

Zu volatil für Geld?

Ein weiteres Argument, das oft für die Behauptung, Bitcoin wäre ungeeignet als Geld, herangeführt wird, ist, dass die Schwankungen zu stark seien. Doch Bitcoin ist noch jung, und wenn ein Geld von Null an in die Verbreitung kommt, dann ist dies ohne starke Kursanstiege – und darauffolgende Einbrüche – wohl gar nicht möglich.

Bitcoin hatte zu Beginn quasi gar keinen Wert. Jetzt liegt die Marktkapitalisierung bei rund zwei Billionen US-Dollar, womit das Asset in der Liga von großen Aktiengesellschaften wie Meta (ehemals Facebook) und Amazon spielt. Bei einem so rasanten Anstieg ist es nur logisch, dass auch viele Spekulanten auf den Zug aufspringen, die in scharfen Korrekturen wieder aus dem Markt gespült werden und somit die Ausschläge in beide Richtungen verstärken.

Unter anderem deshalb hat Bitcoin den Ruf, nur ein Spekulationsobjekt zu sein. Der Umgang der Menschen mit einem Gut sagt aber nicht zwangsläufig etwas über die Grundeigenschaften aus beziehungsweise darüber, ob es als Geld geeignet sein könnte oder nicht.

Auch die Kaufkraft von Gold unterliegt Schwankungen. Selbst wenn diese geringer ausfallen als bei Bitcoin, müsste man auch hier folgerichtig zu dem Schluss kommen, dass es deshalb nie zu Geld werden könne. Gleichgewichtskurse lassen sich bei beiden Gütern ohnehin nicht theoretisch herleiten, wie Vertreter der Österreichischen Schule wissen müssten.

Sowohl Bitcoin als auch Gold reagieren auf makroökonomische Faktoren wie die Geldpolitik der großen Zentralbanken oder Krisensituationen. Bitcoin verhält sich dabei meist noch eher wie ein „Risk-on-Asset“, was letztlich aber auch auf die für viele noch unklare Einordnung der Anlageklasse zurückzuführen sein dürfte. Blackrock macht in mehreren Berichten derweil darauf aufmerksam, dass Bitcoin schon jetzt als Zufluchtsort in Zeiten der Unsicherheit eingeordnet werden könnte.

Zu behaupten, Bitcoin sei lediglich eine Blase, die eines Tages platzen wird, erinnert letztlich an die keynesianischen Ökonomen, die Bitcoins Untergang seit mittlerweile schon vielen Jahren prognostizieren und sich damit lächerlich gemacht haben – so wie beispielsweise Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff, der im Jahr 2017 behauptete, dass ein BTC wahrscheinlicher auf 1.000 US-Dollar fallen als auf 100.000 US-Dollar steigen wird.

Da der Bitcoin-Kurs auf dem potenziellen Weg hin zum Geld der Welt noch einige weitere Vervielfachungen hinlegen müsste – allein um Gold einzuholen, wäre noch fast eine Verzwanzigfachung nötig –, ist vollkommen nachvollziehbar, dass einige Marktteilnehmer von dem potenziell weiter steigenden Preis profitieren wollen.

Um Geld zu werden, muss sich Bitcoin zuvor als Wertaufbewahrungsmittel etablieren. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre zeigen, dass die Erfolgsgeschichte vollkommen intakt ist und alles nach Plan verläuft – selbst wenn einige Bitcoin-Befürworter meinen, dass sich schon jetzt viel stärker auf Bitcoins Nutzen als Transaktionsmedium konzentriert werden sollte.

Diejenigen, die Bitcoin lediglich für die erwarteten Kursgewinne halten, würden in einer Zukunft, in der Bitcoin das Geld der Welt wäre, zur Spekulation womöglich auf andere Sachwerte umsteigen. Doch die meisten dürften BTC dann einfach als Geld verwenden oder ihre Rücklagen darin halten. Ein Problem unseres Fiatgeldsystems ist nämlich, dass wir nicht einfach im Geld sparen können, ohne in Kaufkraft gemessen immer ärmer zu werden. Bitcoin und Gold als Geld würden dies wieder möglich machen.

Der Markt entscheidet

Bitcoin ist ein geeigneter Kandidat und wohl das bessere Pferd im Rennen, um das Fiatgeldsystem ein für alle Mal abzulösen. Letztlich wird das aber die Zukunft zeigen beziehungsweise der Markt entscheiden müssen.

Die Performance von BTC stellt die von Gold in den Schatten: Im April 2017 kosteten ein Bitcoin und eine Feinunze Gold jeweils rund 1.250 US-Dollar. Der Goldpreis hat sich seither verdreieinhalbfacht, während ein Bitcoin rund 70 Mal so viel wert ist wie damals. Dafür genießt Gold noch mehr Vertrauen, hat die längere Historie und den insgesamt deutlich höheren Marktwert.

Wer auch immer sich durchsetzen wird: Bitcoin hat bis jetzt schon bewirkt, dass sich viel mehr Menschen mit libertärer Wirtschaftstheorie und den Problemen unseres aktuellen Geldsystems auseinandergesetzt haben. Deshalb sollten auch die eingefleischten „Gold-Bugs“ Bitcoin zumindest als Bereicherung betrachten.

Information

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 22. Dezember erscheinenden Jan.-Feb.-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 259.


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Dossier: ef 259

Autor

Roman Reher

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