23. September 2022

RezensionLeonard S. Peikoff: Die unheimlichen Parallelen

Das Ende der Freiheit in Amerika

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Leonard Peikoff konstatiert unheimliche Parallelelen zwischen der Weimarer Republik und den USA der 1980er Jahre – und er begründet, wie er dazu kommt. Eingangs setzt sich der Autor mit dem Wesen der Philosophie auseinander und nimmt grundlegende Begriffsklärungen vor. Die Schuld an der in Deutschland grassierenden „Seuche des Kollektivismus“ lastet er drei großen Philosophen an: Platon, Kant und Hegel. Diese sieht er in Opposition zum individualistischen Denken Aristoteles’. Wie Ayn Rand wirft auch ihr Anhänger Peikoff Immanuel Kant vor, mit seiner „Kritik der reinen Vernunft“ ein Tor zum Irrationalismus aufgestoßen zu haben, durch das dann – allen voran Hegel – einige Nachfolger hindurchgetreten seien. Zitat: „Hegels Kollektivismus und Staatsverehrung sind expliziter als alles, was sich in Platons Schriften findet.“ So wird das Individuum marginalisiert, wie in diesem Zitat aus „Philosophie und Geschichte“ deutlich wird: „Aller Werth, den der Mensch hat, alle geistige Wirklichkeit, er allein durch den Staat hat.“ Die Fundamente des totalitären Staats, wie ihn später die Nationalsozialisten verwirklichen, sind damit schon gelegt. Die deutsche Tugend des blinden Gehorsams wird am Ende zum Sargnagel für Frieden und Freiheit. Peikoff beklagt den Mangel an eigenständig denkenden Philosophen in den USA. John Locke, der als intellektueller Gründervater der USA gelten darf, wurde durch Immanuel Kant ersetzt, der den Aufstand gegen die Vernunft demnach anführte. Da moralisches Verhalten zunehmend als „uneigennütziger Dienst an der Gemeinschaft“ definiert werde, hätten die Verteidiger des Laisser-faire-Kapitalismus auch in den USA einen immer schwereren Stand. In einem den verschiedenen Stadien der nationalsozialistischen Durchdringung Deutschlands gewidmeten Abschnitt wird die verheerende Wirkung eines Abweichens von der reinen Vernunft deutlich. Relativismus aller Art, der in einer Verwerfung des aristotelischen Prinzips der Identität gipfelt, könnte sich auch in den USA zu einer totalitären Bedrohung auswachsen, warnt Peikoff.


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