19. September 2022

ef 226 Editorial

Wir werden nachhungern müssen, was wir vorausgefressen haben

von André F. Lichtschlag

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Artikel aus ef 226, Oktober 2022.

Klima-Hysterie, Corona-Panik, Rassismus-Popismus, Neidgesellschaft, Fiskalkleptokratie, Abweichungshass, Syrien-Krieg, Ukraine-Krieg, Kalter Krieg, Euro-Krise, Inflations-Krise, Energie-Krise, Querdenker, Wutbürger, Mutwinter, Kriegsmüdigkeit, Demokratiekritik, Staatsverdrossenheit – was da in immer schnellerer Abfolge wie zufällig kunterbunt „über uns hereinbricht“, sind Facetten und Symptome dessen, was die Ökonomen der Österreichischen Schule der Nationalökonomie vorhergesagt haben: die ganz große Bereinigungskrise nach jahrzehntelangen Fehlallokationen und politischen Fehlanreizen in sämtlichen Bereichen des Lebens, von Kultur über Wirtschaft bis Wissenschaft. Oder in den prophetischen Worten von Roland Baader, dem großen Popularisierer eben dieser Österreichischen Schule: „Wir werden nachhungern müssen, was wir vorausgefressen haben.“

Das Land, in dem wir in den letzten Jahrzehnten gut und gerne lebten, geht gerade ächzend unter, es war auf Scheingeld, Scheinmoral und einer immer nur noch abseitigeren Politik als vermeintliche Antwort auf allerlei Scheinprobleme gegründet. Der Übergang wird noch schmerzhaft werden, aber wir sollten dem, was da fällt, keine Sekunde lang nachtrauern – die scheinbar heile Welt war am Ende gegründet auf nichts als Lug und Trug. Systematisch wurden jahrzehntelang und dann immer schneller Werte zerstört und umgedeutet, aus gut und anständig wurde böse, das Böse aber wurde das scheinbar Edle und Gute. Schluss damit.

Nach jeder Bereinigungskrise – mit hoffentlich nicht (aber wahrscheinlich doch) zu vielen und zu großen Opfern, die jedes sozialistische Menschenexperiment immer wieder aufs Neue einfordert – kommt die Zeit der Neujustierung in allen Bereichen, des Wiederaufbaus, der Innovation, eine neue Blütezeit der Unternehmer mit Schaffenskraft. Freuen wir uns darauf, dass wir dann gebraucht werden, während wir den Zusammenbruch des Status quo ohnehin nicht aufhalten können; der wäre es auch im Wortsinne wirklich nicht wert.

Für die Endzeit sind Kleinigkeiten, wie etwa die Forderung nach einem „Reiseverbot für Russen“, symptomatisch – eine Bankrotterklärung des Westen im vierfachen Sinne.

Erstens sind wir also beim schäbigsten Kollektivismus, ja Rassismus angekommen im einstmals freien Westen. Schuld ist immer individuell, aber diese Weisheit ging mit allen anderen Errungenschaften der Zivilisation verloren.

Zweitens haben einstmals die Kommunisten im Osten ihre Leute hinter Mauern eingesperrt, um sie von den Verlockungen des Kapitalismus fernzuhalten. Jetzt baut der Westen Mauern, um Individuen auszusperren. Den Glauben an eigene Verlockungen hat er längst verloren. Ein (nicht nur) ökonomischer Scherbenhaufen.

Drittens werden die Kollektivstrafen offen dafür eingefordert, dass „die Russen“ falsch denken, namentlich über den Krieg. Etabliert werden nach Corona abermals Meinungsverbrechen orwellscher Art – der Totalitarismus kommt weiter in Form.

Und viertens schauen wir auf die sogenannte Vergangenheitsbewältigung hier wie dort: Die Russen verklärten ihre totalitäre Vergangenheit und sahen sich in der dick aufgetragenen Propaganda über den Großen Vaterländischen Krieg bestätigt als die ewig Guten im Kampf „gegen den Faschismus“. Jetzt werden plötzlich sie in genau denselben Zerrbildern spiegelverkehrt zu den Teufeln der Erde gestempelt. Karma? Schade fast, dass diese Art von Ausgleich die US-Amerikaner nicht treffen mag. Ihre Angriffskriege zählen einstweilen immer noch nicht. Und die Deutschen in den diesbezüglichen Diskussionsforen im Internet? Aus ihnen sprudeln Sack und Asche förmlich heraus: Hurra, Hitler ist tot, endlich stehen andere am Pranger: „Sollen jetzt die Russen jahrzehntelang Buße tun“, so ein in vielen Varianten oft zu lesender Satz. Kommen Psychosen doch im Kollektiv?

Themen- und Stimmungswechsel: Im Sommer konnten wir im Rahmen des libertären Zeltlagers „Liberty Sunrise“ einige durch die Corona-Wirren ausstehende Preise und Auszeichnungen vergeben. Wir gratulieren auch an dieser Stelle noch einmal herzlich Susanne Mostögl, die für ihren Videobeitrag „Fehlermeldung“ als Kurzfilm zum Arbeitsthema „Jubel, Trubel, Wirtschaftscrash“ den erstmals vergebenen und mit 30 Gramm Gold dotierten Filmpreis Libertäre Linse entgegennahm. Wir gratulieren den drei Gewinnern des zum zweiten Mal vergebenen Libertären Literaturpreises 2022, deren Siegerbeiträge bereits in ef 224 abgedruckt wurden. André Jasch wurde auf dem ersten Platz mit einer Unze Gold prämiert, Roland Stöger kam auf den zweiten Rang und erhielt die Auszeichnung zusammen mit 20 Gramm Gold, Joshua Salewski wurde als Dritter – prämiert mit zehn Gramm Gold – geehrt. Und schließlich wurden gleich für zwei Jahrgänge die Sieger des ef-Jungautorenwettbewerbs ausgezeichnet – ihre Beiträge sind bereits in ef 215 zu lesen gewesen. Die bereits siebte Julius-Faucher-Medaille 2021, das Jahrgangsbesten-Zertifikat sowie eine Unze Gold erhielt Jasmin Sternkopf. Mit ebendem für das Jahr 2022 wurde ebenfalls eine junge Dame prämiert: die achte Gewinnerin des ef-Jungautorenwettbewerbs und amtierende Julius-Faucher-Preisträgerin Svenja Laging. Wir gratulieren herzlich – und danken den Sponsoren, die unsere Preisvergaben und insbesondere unsere Jugendarbeit einschließlich Seminar beziehungsweise Zeltlager mit ermöglicht haben.

Verehrte Leser, ich wünsche Ihnen mit der neuen Ausgabe wie immer viel Erkenntnisgewinn und Lesevergnügen! Bleiben Sie zuversichtlich – Sie wissen ja: Kein Fußbreit den neosozialistischen Ausbeutern aller Parteien und Länder! Mehr Freiheit!

Information

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 23. September erscheinenden Oktober-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 226.


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