21. Juni 2022

Deutsche Energiewende Absteigen, Herr Habeck, Sie reiten ein totes Pferd

Der Bundeswirtschaftsminister hat einen offenen Brief erhalten

von Klaus Peter Krause

Dossierbild

Robert Habeck ist bekanntlich grün bis hinter die Ohren. Seit 8. Dezember 2021 fungiert der Literat im Kabinett Olaf Scholz – horribile dictu – als Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz. Er ist sogar noch mehr, nämlich Deutschlands Vizekanzler. Dieser Mann muss nun damit klarkommen, für Deutschland die Energieversorgung aufrechtzuerhalten. Er ist dabei zu erleben, dass dies mit seiner „grünen“ Klimaschutz- und Energiewende-Politik in die Hose gehen wird.

Der Ukraine-Krieg und die hilflosen westlichen Sanktionen gegen Russland, die Erdöl und Erdgas verknappen und gewaltig verteuern, führen ihm das schneller, als es ihm lieb sein kann, und höchst ungelegen vor Augen. Noch mehr und noch höhere Windkraftanlagen, noch mehr Photovoltaik-Anlagen zum Einfangen von Sonnenschein sollen es richten. Das werden sie nicht. Die unabweisbaren Gründe dafür sind hinlänglich bekannt und auch von mir oft und umfänglich ausgebreitet worden. Habeck wird sie kennen und daher wissen, dass die deutsche Stromversorgung mit dieser Grünen-Politik zusammenbrechen wird, muss es also verhindern – es sei denn, dieser Zusammenbruch ist ein heimliches Ziel.

Ein sachkundiger deutscher Bürger, Hans Ambos aus Bensheim, führt diesem Minister in einem offenen Brief vom 30. Mai 2022 die ganzen Unsinnigkeiten, Probleme und irren Kosten seiner Energiepolitik ebenfalls vor Augen, vor denen der Minister ebendiese Augen verschließt. Ambos dekliniert sie Stichwort für Stichwort durch: Strom aus Windkraft und Sonnenschein, das Problem, Strom zu speichern, Wasserstoff, Kohle und Kernenergie, Gas, LNG und Fracking, Elektroautos und Wärmepumpen, das geplante Verbot von Öl- und Gasheizungen, Blackout-Gefahr und Energiemangel-Bewirtschaftung. 

Und er stellt unbequeme Fragen, zum Beispiel: „Woher kommt der Strom nach dem Aus für Kohle, Gas und Kernenergie?“ oder „Kann es sein, dass wir der energiepolitische Geisterfahrer sind und nicht all die anderen?“ oder „Warum wollen Sie durch milliardenschwere Subventionen Elektroautos auf die Straße drücken, wenn doch der Schaden so immens groß ist?“ oder „Halten Sie die Abholzung von Regenwäldern für deutschen Biodiesel für gerechtfertigt, um Ihre Klimaziele zu erreichen?“ oder „Ist es wahr, dass bis 2030 mehr als zwei Billionen Euro benötigt werden auf dem Weg zur Klimagerechtigkeit, wie Sie es nennen?“

Kundig genug ist Hans Ambos: Er war Leiter der Radiochemie im Kernkraftwerk Biblis (1976 bis 2005). Seit zehn Jahren ist er freiberuflicher Dozent für die IHK in Sachen Strahlenschutz, Kerntechnik, Physik und Ähnliches. Sein Brief im Wortlaut findet sich im untenstehenden Link. Er beendet ihn so: „Einstein sagte: ‚Die Dummheit der Menschen und das Weltall sind unendlich groß …‘ Jedoch in einem Fall irrte er sich: beim Weltall.“ Mit der deutschen Energiewende das Weltklima retten zu wollen, sei etwa so sinnvoll, wie eine gebratene Weihnachtsgans zum Tierarzt zu bringen. Der deutsche Anteil an den CO2-Emissionen der Welt betrage nur zwei Prozent.  „Was wir an CO2 einsparen, haben Indien und China im nächsten Moment schon wieder ausgestoßen.“ Die deutsche Energiepolitik sei die „World’s Dumbest Energy Policy“ (Titel im „Wall Street Journal“ von 2019). „Herr Habeck, wenn Sie erkannt haben sollten, dass Sie ein totes Pferd reiten, sollten Sie absteigen. Ich bin gespannt auf Ihre Antwort und freue mich darauf.“

Doch wie das mit offenen Briefen so ist, werden sie vom Adressaten nicht beantwortet, denn ihr eigentlicher Zweck ist ein anderer: vor allem die Öffentlichkeit zu informieren und sich abzureagieren, bei manchem Briefschreiber wohl auch Geltungsdrang. Würde Habeck wider Erwarten dennoch antworten oder antworten lassen, falls der Brief überhaupt in seine Hände gerät, müsste er für wahr erklären, was ihm der Briefschreiber vorhält, oder lügen. Beides wird er nicht wollen. Als schweigt er lieber, macht weiter, reißt Deutschland ins Unglück und bricht seinen Amtseid. 

Apropos Einstein: Er irrte sich keineswegs, denn das vollständige Zitat lautet: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Offener Brief von Hans Ambos

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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