18. November 2021

Österreichische Corona-Politik Langsam reicht’s!

Kreuzbrave Untertanen und das Corona-Regime

von Andreas Tögel

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Bildquelle: Spitzi-Foto / Shutterstock.com Lockdown für Ungeimpfte: Die Polizei soll diese unsinnige und schikanöse Maßnahme streng kontrollieren

Die allermeisten autochthonen Österreicher sind angepasste, pflegeleichte Untertanen, die in der Schule wenig gefehlt haben, die – sofern männlichen Geschlechts –, ihrer Wehrpflicht nachgekommen sind, kaum einen Tag ihres Lebens krankgefeiert haben und pünktlich ihre Steuern zahlen. Fade Spießer halt, die stets aufmerksam an den Lippen der Machthaber hängen und jeder deren Anordnungen kritiklos folgen. Sie glauben jedes Wort, das dem Gehege der Zähne dieser noblen, unermüdlich und ausschließlich fürs Volkswohl wirkenden Damen und Herren entflieht. So glaubten sie ihnen beispielsweise, dass die heißersehnte Impfung gegen das grassierende Covid-19-Teufelsvirus, den angekündigten „Gamechanger“ und das Ende aller repressiver Maßnahmen bedeuten würde, die nur notgedrungen ergriffen werden mussten, um das Allerschlimmste zu verhindern (okay, das war’s dann am Ende leider doch nicht). Sie glaubten fürderhin, „… für Geimpfte wird die Pandemie vorbei sein!“ (© Exkanzler Sebastian Kurz), um alsbald schmerzlich erkennen zu müssen, dass selbst der „Booster“ nicht so recht dabei hilft, dieses Ziel zu erreichen.

Obrigkeitshörige Steuersklaven, die sie sind, waren sie auch bereit zu glauben, monatelang auf persönliche Kontakte verzichten zu müssen, und nahmen es sogar widerspruchslos hin, dass der Polizeiminister ihnen bis in ihre Wohnzimmer hineinregiert – alles im Sinne des Gemeinwohls, wie sie nach wie vor überzeugt sind. Gegenwärtig wird ihnen von regierungsaffinen Experten erzählt, dass die Impfrate dringend auf 90 Prozent erhöht werden muss, nachdem zu Beginn der schrecklichsten Seuche aller Zeiten noch von nur 65 Prozent die Rede war. Doch schließlich grassiert ja bekanntlich die verheerende Delta-Variante des lautlosen Killers. Und da um die Ecke herum mutmaßlich auch schon die Gamma-Variante auf ihre Beute lauert, werden wohl bald 95 Prozent „Durchimpfung“ notwendig sein – das sieht jeder ein.

Noch nicht restlos hirntote Alpenrepublikaner neigen an dieser Stelle allerdings zur Frage, auf welche Weise sie selbst es wohl anstellen würden, die beklagenswert geringe Impfbereitschaft im Lande zu „boosten“. Was könnte man zu diesem Zweck tun? Da kämen den meisten, neben evidenzbasierten Appellen und Aufrufen, sofort allerlei Anreize, welcher Art auch immer sie sein mögen, in den Sinn – ganz sicher aber jedenfalls keine gefährlichen Drohungen.

Gesundheitsminister Mückstein (Grüne), immerhin ein Allgemeinmediziner, hat indes eine viel originellere Idee: Er will (so die am 15. November durch die Medien gegangene Meldung) Ausgangssperren für Geimpfte und dazu noch verpflichtende PCR-Tests für den Besuch geimpfter Personen in bestimmten Gastronomieeinrichtungen einführen. Das ist die vermutlich schrägste Methode, die jemandem einfallen kann, um impfskeptische Zeitgenossen zur Kooperation zu bewegen: Strafen für den Gehorsam, das Inaussichtstellen von Nachteilen für die Befolgung des Aufrufs, sich „immunisieren“ zu lassen. Wie formulierte es der österreichische Schriftsteller Heimito von Doderer so elegant: „Noch keiner, der des Irrsinns Höhe erreichte, hat sie als solche erkannt und auch die Gipfel der Frechheit bleiben für ihre Erstersteiger meist in Nebel gehüllt.“

Abgesehen vom bislang auf exemplarische Weise erfolglosen Herumfuhrwerken der Obertanen in der Pandemiekrise, stellt sich zunehmend die Frage, wer denn für das Aufräumen der Trümmerwüste bezahlen wird, die als Folge der erratischen Regierungspolitik zurückbleibt: Immerhin ist Österreich ein Fremdenverkehrsland und der Tourismus liefert einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag zum BIP. Die Hotellerie aber steht im zweiten Jahr des von der Regierung geschaffenen Ausnahmezustands am Rande das Abgrunds, viele Gastronomiebetriebe, Fitnesscenter und „körpernahe Dienstleister“ (wie etwa Friseure) stehen nach der G2-Verordnung mit einem Bein im Handelsgericht vor dem Konkursrichter, der Einzelhandel (mit Ausnahme der Lebensmittelbranche) klagt über gewaltige Umsatzeinbrüche und man kann sogar bis über den großen Teich herüber hören, wie sich der smarte Internethändler Jeff Bezos die Hände reibt. Steht der Ministerrat am Ende etwa auf der Lohnliste von Amazon?

„Entweder es ist dem Menschen freigestellt, nach seinem eigenen Plan zu leben, oder er wird gezwungen, sich bedingungslos dem Plan des Götzen Staat zu unterwerfen.“ Ludwig Mises)

Seit Mitte des Jahres 2020 war klar, dass das Virus gekommen ist, um zu bleiben. Niemand konnte damals noch ernsthaft damit rechnen, der Spuk sei in ein paar Monaten beendet. Spätestens zu dieser Zeit wären daher strategische Weichenstellungen erforderlich gewesen – zum Beispiel in Richtung einer Erhöhung der Kapazitäten der intensivmedizinischen Abteilungen. Da das nicht geschehen ist, ertönt heute dasselbe dissonante Lied wie vor zwei Jahren: „Die Kapazitätsüberlastung der ICUs muss unbedingt vermieden werden, um nicht zur Triage gezwungen zu werden!“ Schon stehen die Krankenhäuser in einigen Bundesländer wieder am Rand der Überlastung.

Noch weiter verschärft wird die Personalmisere übrigens dadurch, dass nun für alle im medizinischen Bereich Tätigen die G2-Regel gilt, was in einigen Einrichtungen erwartungsgemäß zu einem erheblichen Personalengpass führt, weil nicht wenige Ärzte und Pfleger der Wirkung von derzeit verfügbaren Vakzinen nicht vertrauen und es daher vorziehen, auf die Zulassung von Totimpfstoffen zu warten. Medizinisch begründbar ist die 2G-Regel (geimpft oder genesen) übrigens deshalb nicht, weil die bislang akzeptierten PCR-Tests eine sehr hohe Sicherheit bieten, dass negativ getestete Personen nicht infektiös sind. Die Impfung bietet diese Sicherheit bekanntlich nicht. Also wieder einmal eine politische Entscheidung, die jener wissenschaftlichen Evidenz völlig entbehrt, die an anderer Stelle lautstark beschworen wird.  

Angesichts der für jedermann erkennbaren bresthaften Bilanz der Regierung im Umgang mit der Pandemie beschleicht inzwischen sogar die notorisch obrigkeitsgläubigen und für ihre Eselsgeduld bekannten Austriaken das Gefühl, von Amateuren und/oder Idioten regiert zu werden.

So scheint auch die Einsicht, dass die Wirtschaft, ganz gleich um welche Branche es sich handelt, Planungs- und Rechtsicherheit braucht, um erfolgreich arbeiten zu können, der Regierung nicht zugänglich zu sein. Wie sollen Hotellerie, Gastronomie und Handel mit dem unentwegten Hü-Hott, den im Wochentakt (manchmal auch häufiger) erfolgenden Regeländerungen umgehen? Wie Warenlager, Personal- und Finanzbedarf sinnvoll planen?

Diese haarsträubende Indolenz der Politnomenklatura darf allerdings niemanden wundern, da ja kaum einer deren Angehörigen sein Geld je unter Marktbedingungen verdient, sondern meist zeitlebens in geschützten Werkstätten gewerkt hat, wo keiner fragt, woher das Geld kommt, von dem er lebt.

Das macht letztlich den fundamentalen Unterschied zwischen der Welt des Vertrages und des freien Marktes einerseits und der des staatlichen Zwanges und der Gewalt andererseits aus: In Ersterer zahlt stets derjenige, der Fehler macht und Schaden stiftet. In Letzterer immer der Steuerzahler. Fazit: Wer Politikern die Entscheidung über das eigene Leben in die Hände legt, der muss sich mit dem zufriedengeben, was er geliefert bekommt. Und das ist in kaum einem Fall etwas Gutes.  


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