03. Mai 2021

Grundlagen des Totalitarismus Der Nährboden schafft Klarheit

Am Anfang einer Diktatur stehen Verantwortungslosigkeit und Missgunst

von Frank Jordan

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Bildquelle: Rawpixel.com / Shutterstock.com Menschliche Stärken: Verantwortung, Vertrauen und Kooperation

Vom französischen Arzt, Pharmazeuten und Experimentalphysiologen Claude Bernard stammt die Aussage, dass die Mikrobe nichts, der Nährboden alles sei. Gemeint ist damit, dass ein Mikroorganismus, sei es ein Pilz, ein Virus oder eine Bakterie, per se keinen Schaden anrichtet, es sei denn er trifft auf einen Nährboden, auf dem er gedeihen und seine Wirkung entfalten kann.

Das gilt im übertragenen Sinn genauso für totalitäre Ideen: Aus sich selbst heraus würden sie wohl bei den meisten vernünftigen Menschen nicht viel mehr als ein Schulterzucken oder Kopfschütteln auslösen. Fallen sie aber auf den präparierten Nährboden von Verantwortungslosigkeit, Missgunst und damit Misstrauen, dann fassen sie nicht nur Fuß, sondern beginnen sofort zu wuchern und ersticken mit der Zeit alles: zuerst das Vertrauen, dann die Menschlichkeit und am Ende den Menschen selbst. Oder anders gesagt: Am Anfang stehen immer die Absage an die personale Verantwortung, Neid und Vertrauensverlust – die Diktatur kommt erst dann, wenn aus einer Gemeinschaft verantwortlicher und sich gegenseitig vertrauender Menschen eine Gesellschaft von Judassen geworden ist. Sie könnte schlicht nicht entstehen und sich verfestigen ohne diesen Nährboden, auf dem Betrug und Verrat gedeihen.

Sich also die Frage zu stellen, was die Politik – egal in welchem Bereich – mit ihren Maßnahmen fördert, bringt Klarheit über die Richtung, in die sie eine Gesellschaft führen will und führt: Entweder schafft sie einen Nährboden radikaler Verantwortung, auf dem begründetes Vertrauen und Kooperation gedeihen, oder aber sie setzt alles daran, den Menschen von seiner Verantwortlichkeit zu lösen, und bereitet damit den Nährboden für ein anti-humanistisches und asoziales Hickhack stallgefütterter und ewig-bedürftiger Massenmenschen. Ersteres tut sie zugunsten der Menschen, Letzteres ausschließlich zum eigenen Machterhalt und Machtausbau.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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