26. Oktober 2020

Der Blick nach China Die Militarisierung Afrikas

Peking will sich dadurch global als führende Macht positionieren

von Henrique Schneider

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Bildquelle: angkrit / Shutterstock.com Afrika-Strategie: Wie China seinen Einfluss durch Waffenexporte weiter ausbaut

China ist schon lange in Afrika aktiv. Über eine Million Chinesen leben auf dem Kontinent; in Ländern wie Kenia bilden sie das Rückgrat der Wirtschaft. Militärische Beziehungen überraschen also nicht.

Heute ist China der wichtigste Handelspartner Afrikas. Das Land der Mitte ist auch der größte Erbringer von Direktinvestitionen in den Kontinent. In den meisten afrikanischen Ländern wird die Beziehung zu Peking von über der Hälfte der Bevölkerung begrüßt. China ist also gekommen, um zu bleiben.

Wer dauerhaft bleibt, richtet sich auch ein. Entsprechend hat das Reich der Mitte eine militärische Basis mit Hafen in Djibouti gebaut. Das allein ist nicht besorgniserregend. Schließlich unterhalten elf Staaten auf jenem Kontinent ähnliche Anlagen, darunter Indien, Saudi-Arabien, die Türkei, Italien und so weiter. Wenn man also von der chinesischen Militarisierung Afrikas spricht, dann sind nicht Standorte gemeint. Wichtig sind die Beziehungen.

Wichtigster Lieferant von Waffensystemen

Ob Waffen, Kampfpanzer, Flieger oder Schiffe: China ist mehr als bereit, afrikanische Länder mit diesen und anderen Geräten zu bedienen. Ghana zum Beispiel hat nicht gezögert, Kampfjets, Patrouillenboote, mobile Fliegerabwehrsysteme, Hubschrauber und Panzer von China zu kaufen. Mali, wo unter anderem Truppen aus Europa stationiert sind und für Friede sorgen (sollten), ließ sich mit Helikoptern, Jets und Tanks aus China beliefern.

Man kann es auch einfach auf den Punkt bringen: In Westafrika – vom Tschad bis zum Senegal – hat sich mehr als die Hälfte der Länder auf eine Belieferung Chinas eingelassen. Für das gesamte Afrika ist China nach den USA der zweitwichtigste Waffenlieferant. Neben den günstigen Preisen erklären zwei weitere Faktoren diesen Umstand: Erstens wollen viele Länder die Distanz zu den USA erhöhen und suchen Alternativen zum Washingtoner Verkäufer. Zweitens sind die Waffenexportbedingungen der europäischen Länder zu restriktiv. Beide Faktoren spielen China in die Hände.

Ausbildung stärkt Beziehung

Der große Vorteil Chinas ist aber weder der günstige Preis noch die Qualität der Waffensysteme – manch ein afrikanischer General hat chinesische Verteidigungsprodukte schon öffentlich als Schrott betitelt. Der Trumpf liegt in der Ausbildungszusammenarbeit. Das Land der Mitte verkauft zur Hardware auch gleich die zugehörige Software. Peking setzt dabei ganz bewusst auf die Ausbildung der Kader, die nach China eingeladen werden.

Die Idee dahinter ist, die militärischen Befehlshaber intellektuell, verfahrens- und verhaltensmäßig an China anzubinden. Ihnen wird nicht gelehrt, was sie machen müssen. China setzt auf eine andere Art der Indoktrination. Den Militärkadern werden Mittel zur Verfügung gestellt, damit sie ihre eigenen Ziele umsetzen. Peking denkt, dass damit eine viel tiefer greifende Loyalität gewonnen werden kann.

Afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme

Indem China die Ausbildungszusammenarbeit auf Militärkader fokussiert, will das Land der Mitte die Führerfiguren von morgen an sich binden. Das heißt, dass es auf den Machterhalt und auf die Systemstabilität setzt – notfalls mit (von China zur Verfügung gestellten) militärischen Mitteln. Das verkauft China als Nichtinterventionismus oder als „afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme“.

Mit diesen Aktivitäten will China aber auch größere geopolitische Ziele verwirklichen. Peking präsentiert sich so als verantwortungsvolle Kraft; als „responsible great power“, wie es im Fachjargon heißt. Damit gewinnt das Land an politischem Kapital, was vor allem in den Vereinten Nationen eine Rolle spielt. Mit 55 Ländern stellt Afrika etwa ein Viertel der UN-Stimmberechtigten.

Und wie reagieren afrikanische Länder darauf? Der nigerianische Außenminister hat es auf den Punkt gebracht: „Ob China, die EU, die USA oder Brasilien, ihnen geht es nicht um Afrika, sondern um ihre Eigeninteressen.“ Entsprechend folgert er messerscharf: „Also spielen wir die Spielchen mit und verfolgen dabei unsere Eigeninteressen.“


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