03. Oktober 2020

Ökonomische und gesellschaftliche Krise Die Zeit vor dem großen System-Zusammenbruch

Über die drei Dinge, die wir jetzt tun können

von Max Reinhardt

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Bildquelle: Flickr.com Warnung kommt zu spät: Es bröckelt bereits mächtig …

Im Artikel 146 des Grundgesetzes heißt es: „Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“ Die deutsche Wiedervereinigung war am 3. Oktober 1990, die „Vollendung der Einheit“ ist also in wenigen Tagen 30 Jahre her. Eine Verfassung hat das deutsche Volk bisher trotzdem nicht beschlossen.

Böse Zungen können jetzt sagen, dass das nur konsequent sei, da „die Freiheit Deutschlands“ eben nicht vollendet und somit die beiden Bedingungen gemäß Artikel 146 nicht erfüllt seien. Stimmt natürlich. Nach 30 Jahren Verschleppung der Abstimmung über eine deutsche Verfassung muss aber auch klar sein, dass die Freiheit Deutschlands so niemals vollendet werden kann. Zumal Merkel und Co. ja auch gerade fleißig und erfolgreich an der DDRfizierung Deutschlands arbeiten.

Der Leviathan hat sich nunmehr drei Jahrzehnte vor der freien Entscheidung des deutschen Volkes über eine Verfassung gedrückt und er wird sie auch in den nächsten 30 Jahren nicht zulassen, wenn die Deutschen weiter geduldig darauf warten. Das Grundgesetz kommt seit seinem Inkrafttreten am 24. Mai 1949 ohne Abstimmung oder vergleichbare Legitimation der Bevölkerung aus – warum nicht noch weitere 30, 50 oder 100 Jahre? Ach was, nicht kleckern, sondern klotzen, 1.000 Jahre! Dass das mit dem Tausendjährigen Reich bei den Nationalsozialisten nicht geklappt hat, muss ja nicht heißen, dass es bei DDR 2.0 und EUSSR nicht klappt!

Zum Betrug gehören immer zwei: einer, der betrügt, und einer, der sich betrügen lässt. Die Deutschen lassen sich nun schon so lange betrügen, dass der sie beherrschende Staat ruhigen Gewissens vom Gewohnheitsrecht ausgeht. Da sich das aller Voraussicht nach erst mit dem durch die breite Masse unmittelbar erlebbaren Zusammenbruch im Sinne von starker Inflation, akuter Nahrungsmittelknappheit und so weiter ändern wird, gibt es aktuell im Wesentlichen nur drei Dinge zu tun:

Erstens: Seinen eigenen Bereich in beste Ordnung bringen

Zweitens: Die Wahrheit aussprechen

Drittens: Den Zusammenbruch abwarten

Ein paar vertiefende Gedanken zu den drei Punkten:

Seinen eigenen Bereich in beste Ordnung zu bringen bedeutet einfach Krisenvorsorge. Ganz banale Maßnahmen wie Nahrungsmittelvorräte anlegen, sich einen Handkurbelgenerator kaufen, um das Smartphone auch bei Stromausfall aufladen zu können, und so weiter. Prepper-Kram halt. Man muss sich ja nicht in dem Thema verlieren und sich auf das Ende der Welt vorbereiten, sondern im Sinne des Pareto-Prinzips die wenigen simplen Vorkehrungen treffen, die aller Voraussicht nach den größten Effekt haben. Das Schlimmste, das einem hier passieren kann, ist doch Übervorbereitung beziehungsweise die Nahrungsmittelvorräte und das Equipment dann doch nie zu benötigen. Ach, wie furchtbar! Wenn es darauf ankommt, bin ich allerdings wesentlich lieber paranoid als hungrig oder tot.

Die Wahrheit auszusprechen bedeutet psychische Hygiene, Aufklärungsarbeit im Rahmen der eigenen Möglichkeiten und Vernetzung mit Gleichgesinnten. Aufklärungsarbeit bedeutet nicht, Menschen gegen ihren Willen zu bekehren. Freiheit inkludiert immer auch das Recht auf Dummheit und Selbstbetrug; das gilt es zu respektieren – so schwer das mitunter auch ist. Glücklicherweise werden die Systemkritiker ja immer mehr, sodass es vermutlich so leicht wie nie zuvor ist, Gleichgesinnte zu finden. Wer suchet, der findet. Telegram-Gruppen, Internetforen und so weiter gibt es so viele, dass wohl für jeden etwas dabei ist. (Am Ende des Artikels finden Sie den Link zu meiner Telegram-Gruppe, falls jemand mal vorbeischauen möchte.) In jedem Fall ist es möglich, sich zu vernetzen und dem leviathanischen Gedankengefängnis zu entfliehen. Und umso mehr Menschen die Wahrheit sagen, desto normaler und gesellschaftsfähiger wird es, die Wahrheit zu sagen.

Den Zusammenbruch abzuwarten bedeutet vielleicht vor allem, den Untergang zu genießen – sich eine Sicht auf die Welt anzueignen, die, um Nietzsche zu paraphrasieren, mit einer wohlig-melancholischen Gewissheit um den sicheren Neubeginn „auf alte mürbe Culturen, in denen eben die letzte Lebenskraft in glänzenden Feuerwerken von Geist und Verderbnis verflackert“ blickt.

Bis diese mürbe Kultur endgültig in glänzenden Feuerwerken der Verderbnis verflackert ist, können natürlich noch viele Jahre vergehen. Wer bis dahin mehr tun will, als sein eigenes Haus in beste Ordnung zu bringen und die Wahrheit zu sagen, der könnte freilich noch einen Schritt weitergehen. Wagen wir ein kleines Gedankenexperiment: Wie viele Freigeister müssten sich wohl zusammenfinden, um im Rahmen einer Kommunalwahl eine kleine Gemeinde aus dem leviathanischen Gedankengefängnis zu befreien? Menschen, die im Homeoffice arbeiten und geographisch ungebunden sind, könnten sich organisieren und gemeinschaftlich ihren Wohnsitz in eine kleine Gemeinde verlagern und dort Sezession im Kleinsten betreiben.

Wer eine Kommunalwahl gewinnt, entscheidet dann über die Gemeindesteuern eben dieser Kommune. Die Gemeinde als Gebietskörperschaft mit eigenem Steueraufkommen entscheidet vor allem über Grund- und Gewerbesteuer, daneben noch über mehrere kleinere Steuern wie die Hunde-, Vergnügungs- und Zweitwohnsitzsteuer. Was würde wohl passieren, wenn eine libertäre Clique, die per Kommunalwahl eine Gemeinde übernommen hat, über diese Steuern und die ihnen gegenüberstehenden Ausgaben entscheidet?

Vielleicht wäre es ein Himmelfahrtskommando, das in der Praxis herauszufinden. Vielleicht würde es aber auch viel mehr Spaß machen, als dem Leviathan noch viele Jahre bei seinem Dahinsiechen zuzusehen.

https://t.me/dasglueckderstarken


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