17. September 2020

RezensionTuvia Tenenbom: Allein unter Briten

Eine Entdeckungsreise

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Der Gründer des Jewish Theater of New York, Tuvia Tenenbom, ist mit seiner „Alleine unter“-Reihe auch in Deutschland bekannt geworden. Nach seinen Bestsellern „Allein unter Deutschen“ (2011) und „Allein unter Juden“ (2014) folgten „Allein unter Amerikanern“ (2016) und zuletzt „Allein unter Flüchtlingen“ (2018). Im Februar dieses Jahres ist sein neuestes Buch erschienen: „Allein unter Briten“. Über sechs Monate bereiste Tenenbom Großbritannien und interviewte die unterschiedlichsten Menschen: Christen, Muslime, Atheisten, Männer, Frauen, Labour-Anhänger, Adelige und Brexit-Befürworter, Brexit-Gegner und selbstverständlich auch Juden. Ursprünglich wollte er über das britische Theater und die Stimmung im Lande wegen des bevorstehenden Brexits schreiben. Doch auf dem Spielplan landete die bereits bitter bekannte Aufführung des Antisemitismus. Egal, wohin Tenenbom sich begibt, „sein“ Thema wartet schon auf ihn. Die Reise beginnt in Irland, wo palästinensische Flaggen gehisst werden und Pub-Besucher nüchtern ihren Judenhass zeigen. Dies wird nicht die einzige Begegnung dieser Art bleiben. Von Dörfern über die Hauptstadt London bis nach Stratford, Shakespeares Geburtsstadt, erkundet Tenenbom viele Orte. Das Theater ist zu einem Verkünder der Political Correctness verkommen, in dem die Darsteller nicht nach Talent, sondern nach Quote eingestellt werden und nicht spielen, sondern erziehen. Schuld am Brexit sind „alte weiße Männer“, wer auch sonst. Ihre Abneigung gegen Israel geben die meisten Gesprächspartner ungefragt zu. Nur die Frage, ob der Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn ein Antisemit sei, bringt viele zum Stottern. Bei eben diesem Corbyn möchte Tenenbom einen Termin erhalten, begeht jedoch einen folgenschweren Fehler. Wer wissen möchte, wie es ihm dennoch gelingt und warum ein britisch-jüdischer Lord immer 27 verschiedene Währungen samt Reisepass mit sich führt, der kommt um die Lektüre dieses tragikomischen Werks nicht herum.


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Dossier: Literatur

Autor

Filip Gaspar

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